Die Frustration wird immer größer

Danilo Fioriti spricht von einer „starken Frustration“, die sich bei ihm in den vergangenen Wochen breit machte. Der Theatermann von den Sommerspielen Überwald war lange vorsichtig optimistisch für die kommende Saison, aber in der letzten Zeit wurde es für ihn immer schwieriger, diese positive Sicht beizubehalten. Er vermisst den Blick auf die Breitenkultur beim Umgang mit dem Corona-Virus.

Schon im vergangenen Jahr ist während des ersten Lockdowns „ganz viel weggefallen“, bedauert Fioriti. Für ihn besonders schlimm war die Stornierung einer großen Deutschland-Theatertournee, bei der er Regie führen sollte. Immerhin gab es im Sommer noch ein paar Aufführungen, so den Sommernachtstraum in Zwingenberg oder eine Theater-Premiere in Deidesheim. Den Regisseur schmerzt jedoch sehr, dass Sommerspiele und Gassensensationen ausfielen.

„Zum Glück“, erzählt er, hatte er mit seinem Partner Patrick Pfaus das Café in der Gass aufgemacht und arbeitete den Sommer quasi in Vollzeit durch. Noch heftiger erwischte es die Kulturszene im zweiten Lockdown seit Herbst. „Es ist gar nichts mehr zu tun“, berichtet Fioriti. Die Veranstalter sind ängstlicher geworden, stellt er fest. Langfristige Planungen für 2021 gibt es nicht.

Die Sommerspiele wackeln dieses Jahr wieder, befürchtet der Theatermann. Irgendwann Ende des Monats muss eine Entscheidung her, ob sie stattfinden werden. Fioriti zeigt sich sehr optimistisch, „wir zumindest auf der Freilichtbühne in Wald-Michelbach spielen können“. Dort lassen sich Abstände besser einhalten, sollten sie nötig sein. Enger könnte es auf der Tromm zugehen. Auf jeden Fall „wollen wir die Sommerspiele nicht leichtfertig absagen“, bekräftigt er.

Das größere Problem ist seinen Worten zufolge aber eher ein anderes: „Es ist nicht klar, wann wieder geprobt werden darf.“ Amateurtheater hängen völlig in der Luft, kritisiert Fioriti. Sie fallen in der aktuellen Lockerungsdiskussion hinten runter. Deshalb hätten Vereine auch Angst, überhaupt in die Planungen zu gehen. Es werden die damit verbundenen Kosten gescheut, weil nicht klar ist, ob sie wieder reinkommen werden. So etwas ist ihm in den vergangenen 15 Jahren als Theatermann „noch nicht untergekommen“.

Sollte sich nicht bald etwas tun, dann sieht der Regisseur schwarz für die Zukunft der Branche. „Es wird viel von der bisherigen Arbeit verloren gehen.“ In zweierlei Hinsicht. Die Laientheaterspieler sind nach längerer Pause demotiviert. Und die Besucher „müssen sich trauen, sich wieder neben jemanden zu setzen“.

Fioriti hat sich im letzten Jahr weitgehend von Online-Angeboten ferngehalten. „Das ist nichts für mich.“ Denn damit „sitzen die Leute noch mehr vor dem Bildschirm, als sie es sowieso schon tun“. Ein Stream ist für ihn kontraproduktiv, „weil Theater sowieso immer gegen mediale Angebot ankämpft“.

Er sieht es für die Gesellschaft als ungemein wichtig an, „dass es immer einen Ort zum Treffen gibt“. Und das sind laut Fioriti meistens Kulturveranstaltungen. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist wertvoll. Wenn die ebenfalls darbende Gastronomie wieder öffnet, „werden die Dinge nachwachsen“. Im Theaterbereich sind hingegen 25 Jahre Vorarbeit verloren. „Es wird alles kaputtgemacht“, heißt deshalb sein desillusioniertes Fazit.

Im aktuellen Öffnungsstufenplan vermisst der Regisseur die Kultur. Aber die braucht genauso dringend eine Perspektive, betont er. „Dann könnten wir planen.“ Könnte man beispielsweise Mitte April mit den Proben für die Sommerspiele loslegen, bleiben noch elf Wochen. Knapp, aber machbar. Der Theatermann kritisiert daneben die Unschärfen der Bestimmungen: etwa, ob Vereinsarbeit unter die normalen Beschränkungen fällt. Ob sich somit in spe zehn Leute treffen könnten?

Denn die Theaterleute könnten mit dem entsprechenden Hygienekonzept schon draußen zum Üben zusammenkommen – wenn ihnen jemand mal sagen würde, wie die entsprechenden Regelungen aussehen. „Aber es gibt nicht einmal eine Bestimmung dazu.“ Dies, zusammen mit der Einordung der Kultur unter die „weiteren Schritte“, über die erst am 22. März beraten wird, sorgt bei Fioriti für die schon angesprochene Frustration.

Eines wird aber auf jeden Fall stattfinden, komme, was da wolle. Mit Jürgen Flügge vom Hoftheater Tromm plant Danilo Fioriti ein Freilichttheater mit einem Gauklerwagen. Der ist dann in der Region über den Sommer hinweg unterwegs. Mit kleiner Besatzung und vor wenig Publikum: Das geht, freut er sich.                                    

Danilo Fioriti (35) stammt aus Hartenrod und lebt jetzt in Wald-Michelbach. Er hat Theater- und Medien- sowie Erziehungswissenschaften an der FAU Erlangen studiert und dort seinen Magister gemacht. Seit dem Ende des Studiums war er hauptberuflich als Theaterregisseur, Autor und Schauspieler unterwegs. Teilweise arbeitete er im Profi-, teilweise im Amateurtheaterbereich. Zwischendurch lebte er zehn Jahre erst in Fürth bei Nürnberg und dann in Mannheim, seit 2017 ist er wieder in Wald-Michelbach. Im Kreis Bergstraße leitet Fioriti seit vielen Jahren die Sommerspiele Überwald, die Eigenproduktion der Gassensensationen Heppenheim und die des Theaters Mobile Zwingenberg. Er arbeitete daneben an vielen Profitheaterproduktionen des Hoftheaters Tromm mit. Seit 2018 ist er zusammen mit seinem Partner Patrick Pfaus im Leitungsteam des Cafés in der Gass aktiv. Außerdem engagiert sich der Regisseur kommunalpolitisch. Er kandidiert(e) auf der SPD-Liste für die Gemeindevertretung in Wald-Michelbach.