Den Vereinen verhagelt es die Frühlingsfeste

Die Überwälder werden im Frühjahr wohl ohne die traditionellen Maifeste und Kerwen auskommen müssen. Die ausrichtenden Vereine haben die zeitnahen Termine bereits abgesagt. Wenn die Veranstaltungen nach Mitte Mai angesetzt sind, gilt derzeit noch das Prinzip Hoffnung – aber angesichts der aktuellen Corona-Inzidenzzahlen mit schwindenden Aussichten, sie noch durchführen zu können.

Die erste Kerwe des Jahres findet schon seit Urzeiten in Hartenrod statt. Sie wurde über die Jahre zwar abgespeckt und auf einen Tag eingedampft, wäre aber laut Plan am 1. Mai über die Bühne gegangen. Doch der veranstaltende Gesangverein Immergrün führt sie dieses Mal nicht durch. „Leider lässt das die aktuelle Situation nicht zu“, sagt die zweite Vorsitzende Elke Jöst.

„Wir haben uns noch keine abschließende Meinung bilden können“, erzählt Jörg Rettig vom SV Affolterbach. Die ganze Zeit überwog beim Verein die Hoffnung, die Kerwe in einem kleineren Kreis stattfinden zu lassen, natürlich unter Einhaltung aller Hygienevorschriften. „Das wackelt nun immer mehr“, bedauert er. Die längste Kerwe des Überwaldes würde vom 12. bis 17. Mai stattfinden.

Buchungen von Bands wurden Rettig zufolge aufgrund der Problematik bisher noch nicht vorgenommen. „Wenn wir was machen, dann nur im erlaubten kleinen Rahmen“, teilt er mit. Aktuell, ist dem Vorsitzenden des Fördervereins klar, „könnten wir keine Kerwe abhalten“. Zwei Jahre ohne das Fest der Feste sind „bitter für die Vereinskasse“, weiß er. Im zweiten Halbjahr soll es dann aber beim SVA in die Vollen gehen. Die „Nacht in Tracht“ ist für den 9. Oktober geplant, ein Kabarett-Abend am 27. November. Dazu sind noch ein bis zwei weitere Veranstaltungen vorgesehen.

Der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag wäre 2021 gleich mit zwei Veranstaltungen an der Reihe. Zum einen die traditionelle, zweitägige Feier in den Mai. „Abgesagt ist die noch nicht“, erläutert der Vorsitzende Christian Jöst. Aber realistischerweise „muss man wohl davon ausgehen“, dass sie ausfällt. In der kommenden Woche will der Vorstand entscheiden.

Bei der Kerwe am letzten Juni-Wochenende verfährt der MGV wie der SVA: Sollte die Möglichkeit bestehen, „dass wir was machen können, dann in kleinem Rahmen“. Im Moment ist noch keine Planung im Gange, bedauert „Kerweparre“ Jens Gam sehr. Dann nämlich müsste er mit der Kerweredd „schon voll drin hängen“. Den Schimmeldewäern geht es im zweiten Jahre ohne die Erlöse aus den Veranstaltungen wie anderen Vereinen auch: „Keine Einnahmen, aber die laufenden Kosten sind da“, verdeutlicht Jöst.

Die Ungewissheit plagt auch den anderen MGV, die Union in Wald-Michelbach. „Nach jetzigem Stand können wir das Vatertags-Grillfest nicht durchführen“, sagt der zweite Vorsitzende Julius Rückert. Die Sänger überlegen, am vorgesehenen Termin Mitte Mai eine Ersatzaktion durchzuführen. Ob die über die Bühne gehen kann und wird, „ist aber absolut unklar“.

„Leider wird auch in diesem Jahr kein Maifest bei der Feuerwehr Gadern stattfinden“, teilt Vereinsvorsitzende Katja Gutfleisch die Vorstandsentscheidung mit. Die aktuellen Corona-Beschlüsse und die Inzidenzzahl „lassen uns kaum Hoffnung auf eine Änderung der Situation“, bedauert sie. Nach einem Jahr Pause „hätten wir gerne in diesem Jahr wieder gefeiert“. Am dritten Juli-Wochenende würde die Kerwe im Ortsteil stattfinden. Deren Durchführung ist noch in Abklärung, erklärt Wehrführer Christian Eck. Aber: „Hoffnung habe ich wenig“, fügt er hinzu.

Ganz frisch ist die Absage des Kohlenmeilers am Schimmelberg. Der wird alle zwei Jahre von der Faustballabteilung der SG Wald-Michelbach durchgeführt und lässt das alte Handwerk im Überwald für neun Tage wieder auferstehen. Geplant war er vom 29. Mai bis 6. Juni. Allerdings nicht 2021: „Ich habe gerade bei der Gemeinde den Meiler abgesagt“, erklärt Robert Vetter. Vom 18. bis 21. Juni, eine Woche vor dem unten Ortsteil, würde in Ober-Schönmattenwag Kerwe gefeiert. Ausrichter ist dieses Jahr der Gesangverein Harmonie. „Abgesagt ist noch nicht“, erzählt Vorsitzender Christof Klos. Der Verein hat aber seinen Worten zufolge kein großes Risiko und könnte gegebenenfalls „auch kurzfristig noch was Kleineres auf die Beine stellen“. Wenn der April bei den Inzidenzzahlen nicht nachhaltig die Wende bringt, „dann ist sowieso der Sommer gelaufen“, befürchtet er. Denn: „Auf welcher Basis will man dann noch was planen.“