Großer Aufwand für große Gottesdienste

Wie sollen die großen Gottesdienste in der zweiten Jahreshälfte stattfinden, treibt derzeit Hammelbachs evangelischen Pfarrer Stefan Ningel um. Denn nach wie vor bestimmen die durch die Corona-Pandemie auferlegten Abstands- und Hygieneregeln deren Ausrichtung. Zu diesem Thema gab es vor kurzem auch Post vom Kirchenpräsidenten. Ningel ist klar: „Wir werden Weihnachten und Erntedank nicht in gewohnter Form feiern.“ Wo und wie steht noch in den Sternen.

Der Geistliche überlegt derzeit, am Ewigkeitssonntag auf den Friedhöfen die Verkündigung zu halten. Die Beratung dazu wird demnächst im Kirchenvorstand erfolgen. Denn in die Kirche dürfen höchstens 25 Gläubige gleichzeitig rein. Ningel weiß aber, dass derzeit viele einen Gottesdienstbesuch scheuen, weil es ihnen gesundheitlich noch zu riskant ist.

Die beiden Küsterinnen Renate Meyer-Keil und ihre Tochter Tina kümmern sich um die Hygiene- und Abstandsregeln. Sie desinfizieren die Plätze, weisen sie zu und verteilen, falls nötig, Masken und wenn gewünscht Handschuhe. „Sie machen das sehr engagiert und verantwortungsbewusst“, kann sich der Geistliche auf seine Mitarbeiterinnen verlassen.

Die Sommerkirche im Überwald könnte einen Weg weisen, wie man mit „zu großen“ Gottesdiensten umgeht. Dann da gab es einen jeweils am Samstagabend und Sonntagmorgen. Der Pfarrer zeigt sich mit dem Zulauf zufrieden. Auch die Resonanz der Besucher auf diese Aufteilung war positiv. Bei gutem Wetter predigt Ningel sowieso gern Open-Air, so etwa auf der Freilichtbühne in Gras-Ellenbach. „Das wurde mit über 50 Leuten sehr gut angenommen“, freut er sich.

Deshalb denkt der Geistliche auch an Fortsetzungen unter freiem Himmel. In der heutigen Zeit, betont er, „sind neue und unkonventionelle Ideen gefragt“. Bedauert wird von ihm, „dass wir nicht singen dürfen“. Zumindest gibt es aber musikalische Begleitung. Ningel sucht stattdessen Stücke aus, „die ich singen würde“, und druckt die Texte zum „Mitsummen“ aus.

Über die Frage, „wo können wir feiern, um möglichst viele Menschen zu erreichen“, kreisen seine Gedanken. Mit den neuen Konfirmanden könnte er sich vorstellen, in die Kapellenruine neben dem Aicher Cent zu gehen und dort mit entsprechendem Abstand Bierbänke aufzustellen. Dieses Jahr wird auch noch der Konfirmations-Gottesdienst vom Frühjahr nachgeholt. Auch dessen Gestaltung will natürlich wohlüberlegt sein. Vielleicht wird es mehrere geben, ist seine Überlegung.

Dem Geistlichen fehlen die Gottesdienste außer der Reihe. „In mir brennt das Feuer für das Besondere“, verrät er. Seine Inspirationsquelle „sprudelt nicht so wie sonst“. Da tat es vor den Ferien gut, „sich Gedanken über die Sommerkirche zu machen“. Gerade bei Hochzeiten „springt der Funke über“, erläutert er. Das vermisste der Pfarrer in diesem Jahr. Sehr bedauert hat er auch, dass zwei Taufen nicht wie geplant stattfinden können. Denn es wurden zwei seiner früheren Konfirmanden quasi zur gleichen Zeit Vater. Die beiden sah er zusammen aufwachsen.

„Kirchenaustritte sind vor Ort wenig spürbar“, hat Ningel festgestellt. Im vergangenen halben Jahr während Corona gab es sie quasi nicht. Im Jahresschnitt sind es um die vier, listet er auf. Zum Glück hat er notiert: „Es gibt einen festen Stock an Gläubigen.“ Dass deren Zahl trotzdem sinkt, liegt an der zurückgehenden Zahl von Taufen und der gleichzeitig steigenden Zahl von Bestattungen. „Diese Lücke wird größer“, bedauert er. Die Zahl der Gottesdienst-Besucher ist seiner Beobachtung nach auf gleichbleibendem Niveau.                  tom

 

Zur evangelischen Kirchenspiel Hammelbach gehörten auch Gras-Ellenbach, Litzelbach und Weschnitz. Aktuell gibt es 1295 Kirchenmitglieder, im Jahr 2000 waren es 1368.

 

Stefan Ningel (57) stammt aus Mannheim. Nach dem Studium der Theologie und Gemeindepädagogik legte er 2004 die Prüfungen für den Pfarrdienst ab und wurde im März 2005 Pfarrer in Hammelbach. Zuvor war Ningel als Gemeindepädagoge in Mörlenbach und Darmstadt tätig.