Mehr als Abwarten ist derzeit nicht drin

Abwarten heißt im Überwald das Gebot der Stunde, wenn es um die Faschingskampagnen 2020/21 geht. Große Traditionsvereine an Rhein und Main haben sie teilweise sogar schon abgesagt. Noch blicken die Fastnachter in den verschiedenen Überwald-Hochburgen jedoch einigermaßen gelassen Richtung Kampagneneröffnung.

Sie verfolgen aber aufmerksam die bundesweite Diskussion, ob es wegen der Corona-Pandemie ab dem 11.11. wieder viel Narretei geben kann, ob diese abgesagt oder eingedampft werden muss. Teilweise ist der Übungsbetrieb der diversen Tanzgruppen bereits wieder angelaufen, teilweise wartet man noch ab.

In den ländlichen Gemeinden ist Fastnacht nach wie vor eine eher bodenständige Veranstaltung. Das zahlt sich jetzt aus. Die Überwald-Vereine können viel flexibler auf die sich stetig ändernde Situation reagieren. Die Großen in Köln oder Düsseldorf gehen schon viel früher in die Planung und haben hohe Auslagen im Vorfeld.

Beim CCA Affolterbach wurde bereits das Motto für die hoffentlich stattfindenden Sitzungen ausgewählt. „Wir fangen grundsätzlich mit den Proben an“, berichtet Jörg Rettig. „Die Hygienekonzepte für die einzelnen Gruppen stehen.“ Ob Sitzungen stattfinden werden, „steht natürlich in den Sternen“, bedauert Rettig. Da hilft nur abwarten. Weil der Verein keine großen Verpflichtungen hat, „können wir zur Not kurzfristig absagen“.

Allerdings will man noch keinen fixen Zeitpunkt festlegen, wann eine endgültige Entscheidung hopp oder top getroffen wird. „Für uns ist es noch zu früh, um schon die Reißleine zu ziehen“, betont der CCA-Mann. Denn man will den Narren natürlich wie in den Vorjahren auch ein tolles Programm bieten. Deshalb wird schon weitergedacht und stehen personalisierte Tickets im Raum.

Abwarten heißt die Devise ebenso bei den Aschbacher „Hussmouge“, die in der närrischen Jahreszeit viel auf die Beine stellen. Rathaussturm, Straßenfastnacht und vier Prunksitzungen: Da will einiges organisiert sein. Deshalb lässt man sich die Entscheidung bis zum Spätsommer/Frühherbst offen, berichtet Sitzungspräsident Thomas Sattler.

„Wir sind mit den anderen Vereinen in Kontakt“, erläutert er. „Mal sehen, wie sich das entwickelt.“ Die Proben der verschiedenen Gruppen beginnen erst nach dem gemeinsamen Brainstorming. „Und das hatten wir noch nicht“, hat der närrische Betrieb laut Sattler in der Überwald-Fastnachtshochburg noch nicht begonnen. Der Aschbacher MGV Harmonie schaut ebenfalls noch, was die nächsten Wochen bringen, sagt Vorsitzender Dirk Breitwieser.

Die Macher von Michelbächer Gaudinacht und Maskenball hat es gleich doppelt getroffen. „Wir sind zu dem Entschluss gekommen,  im nächsten Jahr keinen Maskenball auszurichten“, teilt Marco Bichlmaier mit. Die 3. Gaudinacht, geplant für den 26. September, wurde bereits früher gecancelt.  „Wir werden vorerst noch abwarten, wie sich die Situation mit der Pandemie weiter entwickelt“, möchte man auf der sicheren Seite sein.

„Momentan können wir noch nicht sagen, ob es unsere Elferratssitzung in 2021 geben wird“, spielen auch die Gras-Ellenbacher auf Zeit. „Wir hoffen Ja“, meint Präsident Torsten Schmidt. Die Aktiven wollen aber – wie die Kollegen auch – sich die Corona-Entwicklungen in den kommenden Wochen anschauen.  „Spätestens Ende September werden wir dann eine Entscheidung treffen müssen“, betont Schmidt.

In Unter-Schönmattenwag fehlt dem CV Kapital ebenfalls die Kristallkugel, weshalb er sich in die Reihe der Hoffenden und Wartenden einreiht. Geplant ist derzeit, nach dem Ende der Sommerferien die Entwicklung zu bewerten, so Sitzungspräsident Sebastian Siefert. „Wenn es mit Corona nicht schlimmer wird, dann beginnt unsere Garde mit dem Training“, erklärt er. Das findet normalerweise in Haus des Gastes statt. Allerdings weiß der Verein noch nicht, ob dort trainiert werden darf. Das Motto steht aber zumindest schon: „Hollywood – im Land der Stars und Sternchen.“