Mit Brennnesselgeist aufs Jubiläum anstoßen

Jetzt gibt es was zum Runterspülen des Ärgers, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen von Kocherbach und Litzelbach nach dem Start Anfang März durch die Corona-Pandemie ein abruptes Ende nahmen. Die „Odenwälder Feine Brände“ kreierten einen Brennnessel-Geist in einer limitierten Auflage von 100 durchnummerierten 0,35-Liter-Flaschen, der nun den Fest-Machern und beiden Bürgermeistern nun präsentiert wurde.

Geistreiche 38,8 Prozent Alkohol hat das süffige Getränk. „Edition 700 Jahre Litzelbach-Kocherbach“ ist darauf zu lesen. Oben befindet sich das neue Wappen des Grasellenbacher Ortsteils mit der Jahreszahl 1320, der ersten urkundlichen Erwähnung darauf, sowie symbolisierten Steinbrüchen und Bachlauf, unten ist das Kocherbacher Schlangenkreuz zu sehen. Jede Flasche erhielt handschriftlich eine Ziffer.

„Sie müssen junge Pflanzen nehmen“, riet Monica Gehrig-Himmel allen potenziellen Nachahmern. In ihrem Fall waren es „zwei Schubkarren voll“, schmunzelte ihr Mann Johannes, den die beiden rund um den Ort sammelten. Die Brennnesseln wurden gewaschen und dann gezupft – selbstverständlich mit Handschuhen. 24 Stunden verbachten die Blätter danach im Alkohol, ehe nach 3,5 Stunden Brennen der gleichnamige Geist entstand.

Wie das vor sich geht, erläuterte Gehrig zuvor noch in der Brennstube. Denn es gibt einen Unterschied zum Brand, bei dem Obst erst kleingeschnitten und dann verarbeitet wird. Beim Geist, so Gehrig, nimmt man hochprozentigen Neutralalkohol und legt dort etwas ein. Allerdings darf das Ergebnis nicht in voller Prozentzahl gebrannt werden, sonst geht es in die Luft.

Initiator für die Aktion war der Kocherbacher Jürgen Klieber. Der regte zum Jubiläum einen besonderen Brand an – und traf damit auf offene Ohren. Mit dem Thema Brennnesseln hatte sich Gehrig schon längere Zeit befasst, seit er bei einer Fortbildung damit in Kontakt gekommen war. „Davon gibt es genug auf unserer Gemarkung“, lachte er. Und dazu wird dem Kraut noch eine heilende Wirkung zugeschrieben.

Für die Festlichkeiten haben die beiden Orte ein Prinzenpaar auserkoren, das mit Blick auf die früheren Steinbrüche auf beiden Gemarkungen auf den Namen „Buntsandstein-Prinzenpaar“ getauft wurde. Als Sabrina I. (Wolk) und Jonathan I. (Fischer) übernahmen die beiden 14-jährigen Jugendlichen die Regentschaft für die Ortsjubiläen. Beide waren bei der Zeremonie auch dabei – für sie gab’s aber nur Wasser und den Brennnesselgeist lediglich stellvertretend.

Wie geht es weiter mit der 700-Jahr-Feier? Eigentlich war in diesem Rahmen am 13. September ein Hoffest bei den Odenwälder Feinen Bränden geplant. Das kann in der Form nicht stattfinden. Stattdessen soll es, wenn es die Auflagen zulassen, einen kleinen Markt ohne Sitzgelegenheiten geben. Der wäre von den Besucherzahlen her nicht eingeschränkt, meint Gehrig.

Am Dienstag soll es Neuigkeiten in Sachen Corona-Vorgaben geben, so seine Info. Dann wisse man mehr. Angedacht ist dann, die Bilderausstellung, die bereits beim Jubiläumsgottesdienst in Kocherbach zu sehen, in Litzelbach in der Scheune den Besuchern zugänglich zu machen. Fürs Jubel-Fest gibt’s auch noch eine spezielle Praline, kreiert von Johanna Heiligenthal, und ein besonderes Brot von Bäcker Danzeisen.

Die Wählemer Kerwe findet bereits „dehoam“ statt, die Hammelbacher Ende September soll laut Bürgermeister Markus Röth in geänderter Form steigen. Der Überwälder Wandertag „findet statt“, bekräftigte Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber. Start und Ziel sind anlässlich des Jubiläums dieses Jahr in Kocherbach. Der Rahmen ist zwar noch unklar – ob es Musik und Bewirtungsstände geben wird -, aber gewandert werden soll auf jeden Fall.

In Sachen Weihnachtsmärkte warten beide Kommunen im Moment noch ab, denn man würde sie sehr gerne durchführen – aber natürlich wenn dies unter den gegebenen Auflagen möglich ist. Gerd Ader dankte seitens der Fest-Organisatoren für das süffige „Heilmittel“. Eine Probier- oder große Falsche gab’s im Anschluss für die Teilnehmer des kleinen Treffens.

Ader ergänzte, dass auch Kocherbach noch zu einem besonderen Jubiläumsstein kommt. In Litzelbach gibt es bereits einen, durch Edmund Bauer gestalteten, am Friedhof zwischen Ober- und Unterdorf. Ein ähnlicher soll unter Bauers Händen auch für den Ortseingang des Wald-Michelbacher Ortsteils entstehen. Zwei weitere Säulen stehen bereits. Am Ortsausgang Richtung Tromm wurde außerdem am Tag des Baumes ein ebensolcher gepflanzt.