Mit Uli Krell ist musikalisch immer zu rechnen

Die Musik spielte im Leben von Uli Krell schon seit je her eine große Rolle. Bereits als Jugendlicher nahm er die Gitarre zur Hand, später kamen dann weitere Saiteninstrumente wie Drehleier, Mandoline oder Bass dazu. „Ich bin sehr ohrenfixiert“, meint der 67-Jährige schmunzelnd über sein Hobby, aus dem vor fünf Jahren der Hammelbacher Klangwanderweg entstand. Etwas ganz anderes als sein früherer Beruf: Mathe- und Physik-Lehrer am Überwald-Gymnasium.

Vor 30 Jahren hatte Krell seine eigene Band, die sich auf historische Musik spezialisierte. Mangels Moneten baute er Harfe oder Drehleier selbst. Da seine Fächer am ÜWG „sehr kopforientiert“ waren, machte er eine Weiterbildung in Arbeitslehre. In diesem Rahmen absolvierte der Wahl-Hammelbacher ein Schreiner-Praktikum. „Das verstärkte in mir die Liebe zur Arbeit mit Holz“, erzählt er. Denn „Musik und Klänge waren schon immer mein Ding“.

Diese Vorlieben brachte er auch am Gymnasium mit ein, als er vor langen Jahren zwei Folk-Gruppen betreute. Denn früher „saßen die Kids noch mit der Gitarre auf dem Schulhof“, so der 67-Jährige. Aber als Angebot gab es damals nur ein Blockflötenorchester. Noch heute pflegt er Kontakte zu den früheren Schülern. Sobald es wieder möglich ist, will Krell wieder mit den Ehemaligen Musik machen. „Das ist für mich sehr wichtig“, betont er. Das fehlte ihm sehr, als wegen der Corona-Pandemie die Kontaktbeschränkungen galten und für größere Gruppen noch immer gelten.

Als es um die Instrumente für den Outdoor-Klangwanderweg ging, war klar, dass sich der Werkstoff Holz nur bedingt eignet. Klar wäre er für die Resonanzen besser, weiß Krell, aber eben nicht witterungsbeständig. „Ich habe schon genug Arbeit damit, alle Instrumente zu stimmen“, lacht er. Mit dem Fahrrad macht er regelmäßige Inspektionstouren, um nachzuschauen, ob überall die (richtigen) Töne erklingen. Aktuell hat er aus den Spenden bei seinen Führungen noch Reserven, um die „Ersatzteile“ zu bezahlen.

In den vergangenen Wochen erreichten Krell viele Fragen von außerhalb, ob der Klangwanderweg frei zugänglich ist. „Ich konnte die Leute alle beruhigen“, sagt er. „Es ist einiges los“, weiß er, aber natürlich gibt es auf acht Kilometern kein Gedränge. Abstände lassen sich ohne Probleme einhalten. Der Musikfan bekommt für sein „Baby“ durchweg positive Rückmeldungen, es erfreut sich großer Beliebtheit. Erst vor kurzem legte er wieder 200 Flyer nach.

Nach wie vor gibt es seine Idee des „klingenden Dorfs“: Krell baut auf Wunsch gegen Materialkostenerstattung Klangobjekte für den heimischen, privaten Garten. Allerdings wurde das bisher aus dem Ort selbst wenig in Anspruch genommen, lediglich aus Litzelbach. Er möchte „nach Corona“ eventuell in Form von Workshops seine Kenntnisse darüber weitergeben, worauf man beim Bau von Windspielen achten sollte.

Der 67-Jährige geht noch mit einer anderen Idee schwanger: ein kleines „Indoor“-Klangmuseum. Denn wenn Instrumente aus Holz (und nicht Metall) gebaut sind, „dann klingen sie viel schöner“, erläutert Krell. Da er sich aber die Miete für Räumlichkeiten nicht leisten kann, hofft er, dass es möglicherweise jemanden gibt, der diese ihm umsonst zur Verfügung stellen würde. Für ein Klangerlebnis im Inneren hat er letztens einen Klangstuhl gebaut.

Auch ein anderes Projekt führt der umtriebige Musikliebhaber weiter: Zusammen mit dem Organisten Marius Skibka stellte er bereits die beiden Instrumente in den Hammelbacher Kirchen vor. Er erklärte die verschiedenen Pfeifenformen, machte erfahrbar, wie Klang und Klangfarben zustande kommen. „Das würde ich gern in anderen Orten auch anbieten“, wenn die Kirchengemeinde Interesse hat.

Während Corona gab’s bei den Krells viel „Odenwälder Hausmusik“. Denn seine drei Söhne haben sein Faible fürs Musizieren geerbt. Und im Haus ließ sich ohne technische Verstärkung ein Krell-Ensemble ins Leben rufen. Der Hammelbacher sehnt sich aber auch nach dem gemeinsamen Musizieren mit vielen anderen, wie es vor dem März stattfand. „Aktuell ist es nur ein Bruchteil“, vermisst er dies stark – und hofft, dass es bald wieder losgeht.

Uli Krell (67) wurde in Groß-Bieberau geboren. 1979 kam er nach seinem Lehramtsstudium (Mathe/Physik) nach dem ersten Staatsexamen ans Wald-Michelbacher Überwald-Gymnasium. Dort legte er auch das zweite Staatsexamen ab. 39 Jahre, bis zur Pensionierung 2018, unterrichtete Krell am ÜWG. Seit 1989 wohnt er im Grasellenbacher Ortsteil.

Die Idee für den Hammelbacher Klangwanderwerg kam Uli Krell 2009, als er zusammen mit seiner Frau Bettina den im Luxemburger Ort Hoscheid besuchte. Erste konkrete Vorstellungen für die Realisierung gab es im Rahmen der Silek-Initiative 2011, bei der Ideen für die Fortentwicklung des Ortes gesucht wurden. Allerdings bekam Uli Krell aus den Silek-Mitteln keine Förderung, konnte aber danach über die Jugendmusikschule als Schirmherr die Sparkassenstiftung für sein Projekt als Unterstützer begeistern.

Die Windleier, das erste Objekt auf der von ihm konzipierten Strecke oberhalb von Hammelbach, hängt bereits acht Jahre. Nach und nach, je nach Freizeit und Fertigstellung, kamen die anderen Instrumente dazu. Etwa das Holzartenxylophon: Die Abmessungen sind konstant, aber die verschiedenen Holzarten klingen alle unterschiedlich.

Oder der Achtklang: Es waren viele Forschungsarbeiten nötig, bis klar war, wie lange die Rohre sein müssen, dass die Töne stimmen. Die Lion-Windharfe wurde genau an dem Tag montiert, als sein erster Enkel auf die Welt kam. Weshalb sie auch dessen Namen erhielt. Im September 2015 war Einweihung der Strecke.

Ausgangspunkt des acht Kilometer langen Klangwanderwegs ist der Dorfplatz. Der Weg hat eine eigene Markierung, das „blaue Ohr“. Man kann aber auch an der Weschnitzquelle einsteigen und dann der Markierung für den Qualitätsrundwanderweg H10 auf ihrem nördlichen Teil oder dem „blauen Ohr“ folgen. Über Eselstein, Altlechtern und Schanze führt die Strecke wieder in einem Bogen zurück nach Hammelbach.

Zur Betreuung des Klangwanderwegs sucht Uli Krell noch Mitstreiter, die ihm bei der Instandhaltung zur Hand gehen. Weitere Infos bei Facebook unter Hammelbacher Klangwanderweg oder E-Mail klangwanderweg@gmail.com.