Kohlenmeiler löst sich in Rauch auf

Vor zwei Jahren die hohe Waldbrandgefahr, jetzt Corona: Schon wieder muss der Kohlenmeiler auf der Raubacher Höhe ausfallen. Am 24. Juli wäre die glühende Holzkohle in den Quendel, den Schacht, hinabgelassen worden. Sie wäre dann zehn Tage vor sich hin gekohlt. Krönender Abschluss des Events: die Hochlandspiele. Doch jetzt mussten die veranstaltenden Vereine FC Odin Unter- und Gesangverein Harmonie Ober-Schönmattenwag die Notbremse ziehen. Die scharfen Vorschriften können von den Ehrenamtlichen nicht gestemmt werden.

„Wir können die Verantwortung als Verein nicht übernehmen“, erläutert FC-Vorsitzender Bernd Egner auch im Namen seines Kollegen Christof Klos. Ein Hygienekonzept erstellen und dann über zehn Tage umsetzen: „nicht machbar“, ergänzt der Sängerchef. Sein schwacher Trost: Es gibt auch sonst keine Veranstaltung, anderen Vereinen ergeht es ähnlich.

„Vier Jahre lang fällt quasi unsere Haupteinnahmequelle weg“, erzählt Egner. Denn der Raubacher Meiler wird im zweijährlichen Wechsel mit dem Hinterbacher ein paar Meter weiter unterhalb entzündet. Da es dort und auch in Wald-Michelbach ebenfalls Veranstaltungen gibt, „können wir einen Ersatz nicht beliebig legen“, sind einem „Nachholmeiler“ kalendarische Grenzen gesetzt. Denn bisher feierten die Schimmeldewäer in den geraden, die anderen beiden in den ungeraden Jahren.

Jetzt wäre es vom Wetter her gegangen, das vor zwei Jahren einen Strich durch die Rechnung machte, ärgert sich der FC-Vorsitzende – aber dann kam Corona dazwischen. Da jedoch eine Absage schon länger im Raum stand, wurden dieses Jahr zumindest nicht so viele Vorbereitungen getroffen wie 2018. Dann damals trudelte die Absage erst am Eröffnungstag bei den beiden Vereinen ein, die ersten Gäste standen praktisch schon auf dem Platz.

Egner befürchtet, dass es nach diesem Ausfall-Doppelschlag beim nächsten Mal schwierig sein könnte, wieder ehrenamtliche Helfer zu motivieren. Denn die richteten bisher ihren Urlaub an den Kohlenmeiler-Tagen aus und könnten in Zukunft darauf keine Rücksicht mehr nehmen. Dann aber wäre das Großevent nicht mehr zu stemmen, wenn nicht möglichst viele anpacken.

Im Gespräch mit Bürgermeister Dr. Sascha Weber ging es vor kurzem um das Ausloten von Möglichkeiten, die Veranstaltung doch durchziehen zu können. Da der Meiler jedoch einen anderen Charakter als etwa eine große Hochzeit hat, wäre er besonderen Hygienevorschriften unterworfen, sagt Egner – eben denen für Großveranstaltungen. Und da hört es für die Vereine auf, noch organisier- und abschätzbar zu sein.

Dazu kommt: „Wir haben einige ältere Helfer, denen das Risiko zu hoch ist“, weiß der FC-Vorsitzende. Die Besucher würden bestimmt kommen, aber „mit einer reduzierten Helferzahl und diesen Bestimmungen ist es leider nicht zu machen“. Denn Abstands- und Hygieneregeln wären sehr personalintensiv in der Umsetzung. Somit ist es die Summe von allem, die die Absage begründete.

„Es ist zum Haare raufen, wenn ich noch welche hätte“, ärgert sich Bernd Egner. Doch ändern können weder er noch Klos etwas. „Es ist halt so“, meint der Gesangvereins-Vorsitzende. „Abhaken, weitermachen und vorwärts schauen“, ergänzt der Fußballer. Beide bedauern wie auch Weber die Entscheidung. Unter diesen Umständen hält sie der Rathauschef aber „für die einzig richtige“. Egner hofft zumindest für 2021 auf planbare Bedingungen.

Wie die meisten des übrigen Kohlenmeiler-Teams hatte auch der FC-Mann bereits seinen Urlaub für Ende Juli und Anfang August eingereicht. Der bleibt bestehen, nur wird er ihn woanders verbringen. Denn Bernd Egner ist frischgebackener Opa und wird dann ein paar Tage mit Tochter und Enkel in München verbringen. Jede Enttäuschung bringt eben auch etwas unverhofft Gutes mit sich.