Kitzretter waren wieder auf Tour

Dieses Mal blieben die Kitzretter – zum Glück – ohne Fund. Aber es gab auch andere Einsätze, erinnert sich Jagdpächter Jürgen Behrens, als auf den Feldern das eine oder andere Rehjunge gefunden und gesichert wurde. Vor kurzem waren wieder zehn Ehrenamtliche auf Wiesen, die danach gemäht werden sollten, unterhalb von Siedelsbrunn unterwegs. Die liegen zusammen mit anderen im Gebiet von Behrens Pacht.

„Die Landwirte rufen vorher an“, schildert er das Prozedere, „und sagen, ich will wieder mähen. Habt ihr Zeit durchzugehen?“ Die Zeit findet sich immer. Um die 40 Telefonnummern hat der Jagdpächter in der entsprechenden WhatsApp-Gruppe gespeichert, in die er dann die Nachricht sendet. Ein Jäger begleitet am betreffenden Tag die Kitzsucher-Gruppe, vor allem aus Frauen bestehend.

Ist eines gefunden, wird ein Korb darüber gestülpt und mit einem Netz auf dem Boden befestigt. Zwei große Stangen kommen daneben, um dem mähenden Landwirt zu signalisieren, dass er an dieser Stelle aufpassen soll. Der mäht dann logischerweise um diesen Fleck herum. Ist der Bauer fertig mit der Arbeit, lassen die Helfer das Kitz wieder springen.

Dieses aufwändige Prozedere hat seinen Grund. Zum einen „müssten wir die Rehjungen mit Kraft anfassen und hochheben“, schildert Behrens das Problem. Und dann würde das Kitz von der Mutter nicht mehr angenommen, wenn dieses den Mensch daran riecht. Zum anderen würde es, außerhalb des Feldes abgesetzt, wieder ins ungemähte Gras springen, um Deckung zu suchen. Denn die Tiere „drücken sich und warten, bis die Gefahr vorüber ist“ – beim Mähen genau das falsche Verhalten.

Wenn auch glücklicherweise oft keine Kitze gefunden werden, gibt es durchaus Felder, wo es dann sogar mehrere sind. So betreut der Jagdpächter auch zwei andere Wiesen in der Nähe der Wittmannskurve an der Straße von der Kreidacher Höhe nach Wald-Michelbach. Binzig, Königsbuckel, Geisberg, Mühlklingen, Fischerloch und Galkenhöhe sind neben dem Schwimmbadweg bis hoch zur Landesstraße ebenfalls Teil der der betreuten Fläche.

Seit Behrens 2014 die Pacht in diesem Gebiet übernommen hat, arbeitet er mit den Landwirten zusammen. Die könnten doch gerne, so sein Wunsch, ihre Mähaktion nicht oft erst von einem Tag auf den nächsten ankündigen. Denn die meisten Helferinnen sind berufstätig und nicht so kurzfristig verfügbar. Neue Aktive gibt es über Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder. „Die melden sich dann und fragen, ob sie mitmachen können“, freut er sich.

Auch wenn Behrens seit 1993/94 Jäger ist, gibt es die Kitzrettung erst seit 2014. Sein damaliger Mitpächter brachte ihn auf die Idee, erzählt er. Eigentlich, lächelt er, liegt das Thema in der Verantwortlichkeit der Landwirte, denen man damit unter die Armen greift. Aber die Helfer(innen) werden natürlich gerne tätig und es ist ein schönes Erfolgserlebnis, ein Kitz im hohen Feld zu entdecken und damit vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Dass es in diesem Jahr erst so wenige Funde gibt, erstaunt den Jäger fast etwas. Denn vom Hochsitz aus erblickte er bereits einige Jungtiere. Allerdings „ist das kein Automatismus“, dass sich dann etliche in den Feldern verstecken, erläutert er. Und letztlich ist es ja umso besser, wenn sie in der sicheren Deckung bleiben.