Langsame Rückkehr zur Normalität

Ganz langsam geht der Übungsbetrieb bei den Freiwilligen Feuerwehren im Überwald wieder los. Seit Anfang des Monats dürfen Übungen in kleinem Rahmen bis sechs Personen wieder stattfinden. „Anfang März wurde nach Abstimmungen im Kreis der Übungsbetrieb zunächst eingestellt“, erzählt Carsten Kling, Gemeindebrandinspektor (GBI) von Abtsteinach. Ein Ausgleich bildeten  „Video-Gruppen-Chat-Übungen“. Zunächst nur theoretisch, „wurden später auch per Übertragung aus dem Gerätehaus technische Unterrichtseinheiten durchgeführt“, berichtet er. Die Resonanz hierauf war sehr gut, freut sich Kling.

Seit Monatsanfang üben die Abtsteinacher wie andere Wehren auch wieder in Staffelstärke mit sechs Personen. Es gibt keinen personellen Wechsel und währenddessen wird durchgängig Mund-/Nasenschutz getragen, erläutert der GBI. Aktuell sind pro Woche fünf Staffeln an wechselnden Wochentagen im Übungsbetrieb, die sich somit auch nicht in den Gerätehäusern begegnen.

Während des „Feuerwehr-Shutdowns“ organisierten die Gerätewarte, dass Fahrzeuge und Gerätschaften regelmäßig gewartet wurden. Hierzu wurde laut Kling nach Feierabend und am Wochenende „im Schichtbetrieb“ einzeln das Gerätehaus aufgesucht. Er hofft, dass andere Abtsteinacher Abteilung wie Kinder- und Jugendwehr bei weiter rückläufigen Infektionszahlen bald wieder starten dürfen.

„Aktuell halte ich den Ausbildungs- und Übungsstand der Feuerwehr Abtsteinach trotz der Corona-bedingten Einschränkungen für gut“, bekräftigt Kling. Alle Beteiligten „haben ideenreich und hoch engagiert versucht, aus der Situation das Beste zu machen“. Eine nachteilige Auswirkung des eingeschränkten Übungsbetriebs kann er nicht feststellen. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, betont der GBI.

„Das ist schon eine verdammt schwierige Zeit“, nimmt Wald-Michelbachs GBI Peter Capuani kein Blatt vor den Mund. Der Lockdown war zu Anfang mit sehr viel Überzeugungsarbeit seitens der Führungskräfte verbunden, erläutert er. Nach diversen klärenden Gesprächen „war aber letztlich allen klar, dass eine Quarantäne von Einsatzkräften unbedingt zu verhindern ist“, so Capuani. Deshalb war die strikte Einhaltung des Kontaktverbotes „für uns noch wichtiger, als für andere“. Jeglicher Dienstbetrieb mit Ausnahme des Einsatzdienstes wurde eingestellt. Das wurde bis vor knapp vier Wochen durchgehalten.

Ab Anfang des Monats ging man in der Überwald-Gemeinde dazu über, in kleinen Einheiten auch wieder praktisch zu üben, „weil das einfach unumgänglich ist“. Dafür wurden Gruppen gebildet, die für die nächste Zeit konsequent zusammen bleiben und nicht gemischt werden, erklärt er die ähnliche Vorgehensweise wie in Abtsteinach. Sollte also jemand nach einer Übung erkranken, bleibt die restliche Mannschaft einsatzfähig.

Problematisch ist Capuani zufolge die Situation bei Einsätzen: „Da geht so eine Trennung nicht.“ Am Anfang waren die Abstimmung und die Einhaltung der Hygieneregeln „etwas holprig, aber mittlerweile funktioniert das ganz gut“. Capuani vermutet, dass sich die Maßnahmen auch deshalb langsamer einspielten, weil die Einsatzzahlen von Anfang April bis heute rund ein Drittel unter denen des Vorjahres liegen. „Durch die Beschränkungen ist einfach weniger passiert.“

Die Landesfeuerwehrschule will den Regelbetrieb erst nach den Sommerferien wieder aufnehmen, dann aber auch nur mit der Hälfte der Kapazitäten, weiß der Wehrführer. Zusätzlich finden derzeit auch keine Kreislehrgänge statt. „Das wird uns in der Ausbildung sehr weit zurück werfen“, befürchtete er.

In der Zeit ohne Präsenzübungen hielt die Feuerwehr Siedelsbrunn Schulungen per Webex ab, erläutert Wehrführer Lars Gremm. Schulungsvideos wurden an die Aktiven versendet. „Negative Auswirkungen hatte die übungsfreie Zeit bisher nicht“, hebt er hervor. Durch den Stopp der Lehrgänge konnten sich zwei Brandschützer nicht zum Atemschutzgeräteträger weiterbilden, bedauert Gremm.

„Wir in Hammelbach werden erst wieder nach den Sommerferien mit Übungen und Treffen beginnen“, kündigt Wehrführer Marco Stein an. „Momentan ruht alles zu 100 Prozent in allen Abteilungen“, sagt er. Ob gemeinsam mit Scharbach gestartet wird oder jeder für sich, wird die weitere Entwicklung der Corona-Lage zeigen. Auch Lehrgänge und Fortbildungen sollen nach jetzigem Stand erst Mitte August starten.

Die Besatzung auf den Fahrzeugen während der Einsätze wurde verringert. So wird das Löschfahrzeug LF 10 derzeit nur mit fünf anstatt neun Personen besetzt, erklärt Stein. „Im Team sind wir stark“, machte sich die fehlende Übung laut dem Wehrführer nicht negativ bemerkbar. Er registrierte wie Capuani eine geringe Zahl von Einsätzen.