Die Kombination von allem erzeugt Einmaligkeit

„Mixed Media“ ist das „Ding“ von Christine Wuillemet. Sie schätzt bei diesem Malstil, „dass man sich nicht festlegen muss“. Kurse im Atelier (in der Schreinerei von Volker Ader in Affolterbach) wurden vor Corona gut angenommen, erzählt sie. „Etliche kamen zuerst und sagten, sie können nicht malen“, erinnert sie sich. Die 53-Jährige überzeugte die Teilnehmer vom Gegenteil. „Viele gingen strahlend mit einem Bild nach Hause.“ Und kommen dann auch gerne wieder, wenn etwas Neues angeboten wurde.

„Wir schauen, was gebraucht wird“, ist sie ständig auf der Suche nach neuen Ideen. Stillstand gibt es nicht. So wurden Buchbinder-Kurse mit ins Programm aufgenommen. Einmal im Monat findet eine „Ladies Drawing Night“ statt, ein Abend für Frauen, bei dem ein kleines Thema vorgegeben wird und die Teilnehmerinnen dann mit einem Bild nach Hause gehen. Dazu kommen Kurse für Firmen, so für die Entega in Höchst, oder andere im Kloster Engeltal in der Wetterau.

Aktuell herrscht allerdings Stillstand. „Wir haben sehr gekämpft mit Corona“, schildert Wuillemet die Situation. Alle Kurse wurden abgesagt. Darüber hinaus war ihren Worten nach das Atelier noch zu jung für entsprechende Hilfen. So langsam tastet man sich nun wieder an den Neustart heran. „Wir versuchen, in kleinerem Rahmen weiterzumachen“, erläutert sie. Während der erzwungenen Pause war die 53-Jährige froh, auf ihr zweites Standbein, die Konzeption von Unterrichtsmaterialien, zurückgreifen zu können. Die Malerin hofft, dass die Kunden dem Atelier die Treue halten, bis es weitergehen kann wie bisher.

„Es gibt ein Thema oder ein Motiv, das mich interessiert“, erklärt Wuillemet ihre Herangehensweise. Mit Mixed Media entsteht ihr Werk Stück für Stück, bleibt auch einmal liegen. Manches kommt aus der Stimmung heraus, anderes ist eine Auftragsarbeit. Die Künstlerin experimentiert gern und viel. „Ich habe gerade Tusche für mich entdeckt“, erzählt sie.

Die Kombination von allem bringt in ihren Worten zufolge eine Einmaligkeit zu standen. Es entstehen Collagen aus allen möglichen Stilrichtungen. Genau das ist für Wuillemet das Spannende an ihrer Arbeit: Wie an einem Büffet kann sie an verschiedenen Malstilen naschen und sich genau das heraussuchen, was ihr am besten schmeckt, sie am meisten anspricht.

Kunsthandwerkermärkte wie auf der Tromm im vergangenen Jahr sind für die 53-Jährige eine Möglichkeit, auf ihr Atelier aufmerksam zu machen. Leider wird die Veranstaltung dieses Jahr nicht stattfinden, bedauert sie. „Ich würde gern einmal eine Ausstellung vorbereiten“, erzählt Wuillemet. Die Chance wird es bald bei Faber-Castell geben, freut sie sich.

Schon jetzt sind die Überlegungen gestartet, welche Kurse im kommenden Jahr angeboten werden können – in der Hoffnung, dass dann wieder Normalität eingekehrt ist. „Das Lernen ist nie zu Ende“, betont Christine Wuillemet. Alles ist ein Stück Entwicklung, das auch Spaß macht. Allerdings derzeit mit angezogener Handbremse. „Ich weiß noch nicht, wann wir wieder richtig starten können“, schildert sie die Hängepartie.

So lange läuft auch einiges online. Marion Gross schreibt die Blogbeiträge auf der Webseite. Dort werden einige Techniken erklärt, was auf eine gute Resonanz trifft. Etwa: Lederpaper oder Gelplatten selbst herstellen. Oder die Beschäftigung mit Farbe: „Was bedeutet Rot in der Kunst?“ Dazu gibt es Backstage-Einblicke ins Atelier.                           tom

 

Christine Wuillemet (53) stammt aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen. Dem ersten Besuch im Odenwald mit zwölf Jahren sollte später der Wohnsitz in der Region folgen. Wuillemet arbeitete 25 Jahre lang im Marketing bei Lufthansa und wohnte während dieser Zeit lange in Erbach. Seit 2015 ist sie in Gras-Ellenbach zu Hause, ihr Atelier „in der Schreinerei“ befindet sich in Affolterbach.

Gemalt hat Christine Wuillemet bereits seit frühester Jugend. Nach der Schule begann sie ein Medizinstudium, später dann beschäftigte sie sich mit Orientalistik und Wirtschaftswissenschaften. 2013 gründete sie mit ihrem Bruder Sascha eine Medienagentur, in der sie Unterrichtsmaterialien für Medienzentren erstellt. Die wiederum beliefern Schulen damit. Ihr Bruder dreht die dazugehörigen Filme.

Nach ihrer Tätigkeit bei Lufthansa absolvierte die Wahl-Überwälderin eine Ausbildung zur Grafikdesignerin und Mediengestalterin. Aktuell studiert sie an der Faber-Castell-Akademie Bildende Kunst. Das Atelier in der Schreinerei erblickte Ende 2018 das Licht der Welt. Mit im Boot sind dort Volker Ader, Martin Steffan, Doris Steffan-Wagner und Marion Gross.

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