Harald ist derzeit nicht auf der Walz

Der Song „Helden“ war für Harald Walz ein Herzensanliegen. Er widmet ihn allen, die in Corona-Zeiten wichtige Dinge tun, unverzichtbare Arbeiten erledigen, sich für andere einsetzen. „Das ist nicht hoch genug einzuschätzen“, meint der Aschbacher Musiker zu seinem gesellschaftskritischen Stück, das den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge richten möchte. Eigentlich ist Walz das ganze Jahr unterwegs, meistens mit zwei bis drei Terminen in der Woche. Doch davon ist während Corona nichts mehr übriggeblieben.

Ein „Trostpflaster“ hat der 66-Jährige noch: seine sonntäglichen Auftritte im Park bei der Residenz „Leben am Wald“ in Gras-Ellenbach. Mittlerweile ist es schon über fünf Jahre her, dass er darauf angesprochen wurde. Bei der Residenz handelt es sich um eine Facheinrichtung der Neurophase F, in der Menschen ab dem 18. Lebensjahr umfassend betreut werden. „Als ich gefragt wurde, hätte ich nicht geahnt, dass daraus mittlerweile so viele Jahre würden“, sagt er.

In all den Jahren, erzählt der Musiker, „habe ich gesehen, was die Menschen die dort arbeiten und leisten“. Es gibt viele Jobs, weiß er, die man kaum wahrnimmt und leider erst jetzt bemerkt, „wie wichtig diese für unser Leben sind“. Die Einschränkungen durch Corona, so Walz, „machen uns sehr deutlich, was wirklich zählt“.

„Die Helden dieser Stunde war’n schon immer für uns da“, heißt es im Refrain. „Nicht unsichtbar, doch leise, man nahm sie nur nie wahr“. In schweren Zeiten, wenn man so viel vermisst, „da lernt man das zu schätzen, was wirklich wichtig ist“, textet Walz weiter in seinem Statement gegen die Ellbogengesellschaft, das auf seinem YouTube-Kanal abzurufen ist.

„Hut ab“, sagt er nur. Denn der Aschbacher möchte nicht wissen, wie viele mit einem mulmigen Gefühl derzeit an ihren Arbeitsplatz gehen, „um das Rad weiter zu drehen“. An die 500 Aufrufe hat der Musiker bereits für das Lied bekommen – zusätzlich zu den schönen Kritiken, die ihn persönlich erreichten. Die Aufnahme machte er selbst in seinem eigenen Studio.

Und verwendete dafür das neue Mischpult, auf dem er das Lied teils analog, teils digital einspielte. Um darauf umzusteigen, hatte Walz jetzt genug Zeit: Denn seit Mitte März gibt es für ihn keine Auftritte mehr. „Ich wollte das schon seit einem Jahr angehen und hatte jetzt die Zeit dazu“, erzählt er schmunzelnd.

Mit seinen 66 trifft der Ausfall den seit Jahrzehnten aktiven Musiker nicht mehr ganz so schlimm wie jüngere Kollegen. „Ich habe mir was aufgebaut und komme zurecht“, erläutert er. Wenn er aber 20 Jahre jünger wäre, noch etliche Jahre bis zur „Rente“ hätte, eventuell noch Equipment abzuzahlen und Miete fällig wäre, sähe das ganz anders aus. Walz weiß, wie schwer es die ganze Musikerzunft getroffen hat, der von einem Tag auf den nächsten sämtliche Engagements bei laufenden Kosten wie etwa Sozialversicherungen, Miete und Lebenshaltungskosten wegbrachen.

Für den Mitgründer der „Outlaws“ Ende der 60er Jahre, im Odenwald bekannt wie ein bunter Hund und heutzutage viel als Entertainer unterwegs, ist sein Alter „nur eine Zahl“, kokettiert er. „Ich bin froh, dass ich noch so gut im Geschäft bin“. Aber: Kerwen in Aschbach, Affolterbach, Weinheim, Scharbach, Haisterbach oder Güntersfürst, Oldie Night in Mossau oder das traditionelle Maifest in Hamm am Rhein – alles weg.

Selbst für den Oktober gab es schon eine Absage der Feuerwehr Frankfurt. Da fragt sich Walz, wie es mit dem Faschingsauftakt am 11.11. aussieht. „Es ist schon schade, weil dieses Jahr sehr viel gewesen wäre“, meint er resigniert zum leeren Terminkalender.

Zum Glück ist er keiner, der den Kopf in den Sand steckt und dann Trübsal bläst. „Am Haus ist immer was zu tun“, meint der handwerklich Begabte. Oder er sitzt im Studio und schraubt an was rum, wenn er nicht gerade mit dem Rad unterwegs ist oder den vor ein paar Jahren erworbenen Motorrad-Führerschein für eine Ausfahrt nutzt.

„Wir haben es auf dem Land schon gut“, betont der 66-Jährige, wenn hinterm Haus das große Grundstück liegt – kein Vergleich zu den engen städtischen Wohnungen. Deshalb sagt Walz auch: „Wir dürfen uns nicht beklagen.“ Denn über kurz oder lang „wird das vorbeigehen“.  Dem jung gebliebenen Opa ergeht es derzeit wie anderen Großeltern. Wenn er die Enkel in Mossau besucht, ist Abstand halten angesagt. Schwer für einen, „der ganz verrückt nach denen ist“.

Der Song „Helden“ ist auf YouTube zu finden unter www.youtube.com/watch?v=8i3KW6vahTo

 

Der Aschbacher Harald Walz ist musikalisch in der Region bekannt wie ein bunter Hund. Mit 14 gründete er zusammen mit Rudi Boml, Günter Reinhard und Linda Sauer die Band „Outlaws“, die heute noch in anderer Besetzung tourt. Mit 17 spielte er bei „Blauweiß“ (einer im Odenwald bekannten Tanzcombo). In den 80er Jahren war er mit der Band „Sunshine“ unterwegs. Walz veröffentlichte damals die erste Single „Halt, wenn du gehst, bin ich sauer“, die wochenlang im Deutschen Schlagerlotto des HR auf Platz zwei stand. Mit Linda Sauer, die wie er aus Aschbach stammt, ist Walz als „Odenwälder Nibelungen Duo“ auf sämtlichen Kerwe-Veranstaltungen landauf, landab unterwegs, tourt mit seinen „Outlaws“ auf Oldie-Veranstaltungen und bestreit mit seinen „Friends“ Partyveranstaltungen. Daneben wird er auch oft als Alleinunterhalter gebucht.