Die Besonderheit ist der interkonfessionelle Ansatz

Oft sind es die Ärmsten der Armen, die am meisten unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden. Nicht einmal so sehr unter der Krankheit selbst, sondern unter den wirtschaftlichen Folgen. Gerade Afrika und Asien sind besonders betroffen. Die evangelische Kirchengemeinde Hammelbach unterhält seit fast sechs Jahren eine Partnerschaft mit der Moravian Chruch auf Sansibar.

Pfarrer Stefan Ningel bekommt durch Fainess Kasote von der dortigen Kirchengemeinde regelmäßig Infos von der zu Tansania gehörenden Insel. Bettina Nasgowitz von der Herrnhuter Missionshilfe in Bad Boll, die die Unterstützung federführend koordiniert, hält ständig Kontakt. Zum Glück gibt es noch nicht viele Fälle, so ihre Info in den Überwald. Allerdings wurde ihrer Kenntnis nach auch wenig getestet.

Gottesdienste finden zwar teilweise noch statt, die jedoch nur von wenigen Gläubigen besucht werden. Was zwar einerseits gut ist, weil sich so die Krankheit nicht ausbreiten kann, andererseits aber haben die Kirchen kaum Einnahmen, weiß Nasgowitz. „Sie können dann Pfarrer nicht bezahlen“, berichtet sie. Alle Schulen auf Sansibar sind geschlossen, informiert die Kontaktfrau. Was wiederum bedeutet, dass durch die fehlenden Schulgebühren „massive Probleme“ auftreten.

Die Herrnhuter Brüdergemeine stattet derzeit ihre Krankenhäuser mit Hygieneartikeln und Sauerstoffmasken aus. „Die Situation ist nicht einfach“, sagt die Projektverantwortliche. Außer Abwarten, wie sich alles entwickelt, ist nicht viel möglich. „Hoffen wir, dass sich das Virus nicht weiter in Afrika verbreitet“, lautet ihr Wunsch.

Die Moravian Church, wie die Herrnhuter aufgrund ihrer Herkunft aus dem Böhmischen im Englischen bezeichnet werden, sind in einer überwiegend muslimischen Gesellschaft aktiv. Auf Sansibar beträgt deren Bevölkerungsanteil 99 Prozent. Ende 2014 startete das Schulprojekt. Seit dieser Zeit besteht auch die Partnerschaft mit Hammelbach. 2015 wurde im Überwald an der Kirche dazu ein Gedenkstein errichtet.

Eigentlich wollten die Konfirmanden in diesem Jahr wieder für Sansibar sammeln, aber wegen Corona wurde die Feier auf Ende November verschoben. Auch die Kollekte des Vorstellungsgottesdienstes war dafür geplant. „Das Geld kommt dort an“, weiß Ningel, der 2017 selbst eine Woche zu Besuch war. „Es versickert nicht in dunklen Kanälen“, betont er. Entweder die Herrnhuter nehmen es bei Besuchen mit oder es wird an Vertrauenspersonen überwiesen.

Vor kurzem wurde eine neue Grundschule mit 120 Kindern und ein neuer Kindergarten mit 138 Kindern in Mwera eröffnet, erklärt Pfarrer Ningel. Beide werden von Hammelbach aus unterstützt. „Die Schule ist gut anerkannt“, weiß er. Die Besonderheit ist der interkonfessionelle Ansatz. Einige Lehrkräfte sind Muslime, andere Christen. Auch die Kinder gehören verschiedenen Konfessionen an. „Spielen und lernen in Frieden und Harmonie zusammen.“

Die Kinder feierten mit ihren Eltern und Lehrkräften die Fertigstellung der zusätzlichen Schulgebäude. Dazu war auf dem Schulgelände ein Festzelt aufgestellt und ein buntes Programm vorbereitet worden. Die Schule, in der auch Englisch unterrichtet wird, genießt einen sehr guten Ruf und kann nun viel mehr als bisher aufnehmen. „Viele Kinder haben keine Eltern oder kommen aus sehr armen Familien“, so Nasgowitz.

Nun sind in den neuen, geräumigen Gebäuden zehn Klassenzimmer mit ausreichend Platz vorhanden. Die Kinder können nun in einer sicheren Umgebung und ohne Angst um gesundheitliche Gefährdungen auf die anstehende Zukunft vorbereitet werden, hebt sie hervor. 2017 unterstützten die Herrnhuter eine Kinder-Sonntagsschule in den Räumlichkeiten. Mehr als 100 Heranwachsende, auch Muslime, kommen bis heute regelmäßig, um zu singen, zu tanzen, zu spielen und biblische Geschichten zu hören.

Anfang dieses Jahr wurde mit dem Bau einer Mehrzweckhalle neben der Schule begonnen, teilt der Hammelbacher Geistliche mit. Unter der Woche wird diese von der Schule und am Sonntag für Gottesdienste genutzt. Bisher versammelten sich die Christen zum Gebet in der Ruine einer anglikanischen Kirche. Innerhalb von zwei Monaten wurde der neue Bau fertiggestellt.

Damit kann das Ziel des Stiftungswerks, den Dialog zwischen Muslimen und Christen zu fördern und jungen Christen in einer muslimisch dominierten Gesellschaft eine Zukunft zu ermöglichen, unter neuen, besseren Voraussetzungen verfolgt werden, erklärt Nasgowitz. Die neue Halle ist groß genug, um in Corona-Zeiten das Abstandsgebot einzuhalten.                                     tom

 

Info: http://www.herrnhuter-missionshilfe.de