In den Partnergemeinden steht alles still

Die Welt steht still. Das Corona-Virus brachte das öffentliche Leben zum Erliegen. In Deutschland sind die Auflagen für die Bürger im Vergleich zu Frankreich (mit der Partnergemeinde Montmirail) noch einigermaßen erträglich. Dort hat die Regierung viel strengere Vorschriften erlassen, um der Krise Herr zu werden. Großbritannien, wo sich die andere Partnergemeinde Hassocks befindet, zog erst relativ spät mit Verordnungen nach, ist aber nun ebenfalls voll im Strudel der täglichen Horrormeldungen von Infizierten und Toten durch das Virus.

In diesem Frühjahr sollte das im dreijährlichen Rhythmus rotierende Partnerschaftstreffen eigentlich turnusmäßig in Hassocks stattfinden, erläutert Tobias Johann, der sich auf dem Rathaus um den Kontakt mit den beiden Gemeinden kümmert. Daraus wird nun leider nichts, bedauert er. Ein neuer Termin soll in Ruhe gesucht werden. Mit Stephanie White, erst seit kurzem neue Vorsitzende der „Hassocks Twinning Association“, dem Verschwisterungsverein, war er bereits im Gespräch bezüglich eines Termins für das diesjährige Dreier-Treffen.

In Hassocks machen die Menschen derzeit die gleichen Erfahrungen wie in Deutschland, schreibt White in einer E-Mail an Tobias Johann. Viele arbeiten von zu Hause aus. Betriebe, Schulen, Universitäten sind geschlossen. Sie bezeichnet die derzeitige Situation als „very strange“, sehr seltsam. Es ist eine Zeit, die sie wie die meisten Mitbürger auch „noch nie in meinem Leben erlebt habe“.

Die Briten in Hassocks dürfen einmal am Tag eine Stunde lang Sport treiben, so White. Nur gelegentlich ist das Einkaufen von Lebensmitteln oder der Gang zur Apotheke erlaubt. Er sollte, wenn möglich, nur einmal in der Woche stattfinden. „Wir wurden gebeten, dass nur ein Mitglied des Haushalts einkaufen geht“, erzählt sie. Das sollte vorzugsweise vor Ort geschehen, anstatt weiter als nötig zu fahren.

Da die englische Gemeinde in der Region West Sussex wie auch Wald-Michelbach eher ländlich geprägt ist, gibt es dort zum Glück relativ wenige Fälle einer Ansteckung mit dem Coronavirus. White schreibt von 175 Fällen in ganz West Sussex. In den größeren Städten ist die Lage aber sehr viel schlimmer, weiß sie – insbesondere in London. Die Vorsitzende schließt mit der Hoffnung, dass ein unbeschwertes Reisen bald wieder möglich ist und dann ein Treffen mit den Freunden aus Wald-Michelbach und Montmirail stattfinden kann.

Der dortige Bürgermeister Etienne Dhuicq ist im Überwald bereits ein alter Bekannter. In Frankreich waren erst kürzlich Kommunalwahlen, erzählt Johann. In Montmirail gab es nur eine Liste mit Dhuicq als Spitzenkandidaten. Da danach keine öffentlichen Sitzungen mehr stattfanden, fand seine Wiederwahl durch den Gemeinderat noch nicht statt. „Dies ist aber nur eine Formsache“, weiß der Amtsverweser.

In Montmirail müssen – wie in ganz Frankreich – die Einwohner zu Hause bleiben, beschreibt Dhuicq die großen Einschränkungen im öffentlichen Leben. Schulen und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Nur die vier Supermärkte (Carrefour, Leclerc, Lidl und Leader Price) sowie die drei Bäckereien, zwei Metzger und zwei Apotheken sind noch geöffnet. Die Bürger sollen dort dann (allein) möglichst für eine komplette Woche einkaufen.

Wer aus dem Haus will, muss laut dem Bürgermeister von Montmirail ein Zertifikat vorlegen. Sieben Gründe sind erlaubt: zur Arbeit oder einkaufen gehen, sich medizinisch behandeln lassen, Angehörigen, insbesondere Älteren, helfen, mit dem Hund spazieren gehen, ein Gerichtstermin und schließlich eine Dienstleistung von öffentlichem Interesse anbieten. „Die Gendarmerie und die Polizei patrouillieren regelmäßig, um diese Regeln durchzusetzen“, teilt er mit.

Die Leute in Montmirail kommen laut Dhuicq mit der „Haft“ ganz gut zurecht, weil viele einen Garten haben und sich deshalb dort entspannen können. In großen Städten, wo Menschen in kleinen Wohnungen leben, ist dies komplizierter. Die meisten Unternehmen (außer Axon Cable) arbeiten nicht, schreibt er. Viele Bürger sind im Home Office tätig, wieder andere arbeitslos, weil die Firmen zugemacht haben. „All dies sorgt für eine besonders ruhige Atmosphäre in der Stadt“, so der Rathauschef. Die Leute auf der Straße tragen fast alle Masken und Handschuhe.

Im medizinischen Zentrum von Montmirail wurde eine spezielle Covid 19-Einheit eingerichtet, um alle Patienten zu untersuchen, bei denen Symptome auftreten. „Im Ort gibt es jedoch nur wenige Fälle“, erläutert er. Eine Person befindet sich auf der Intensivstation des Krankenhauses von Reims. Einige andere Menschen werden zu Hause behandelt, aber die Symptome sind sehr mild.