Gleich zwei Mal fällt die Kerwe flach

Die Kerwe fällt aus, es lebe die Kerwejugend. Das Verbot von Großveranstaltungen in Corona-Zeiten bis zum 31. August gilt auch für die verschiedenen Kirchweih-Veranstaltungen. Ein Dorf ist gleich doppelt betroffen: Schönmattenwag. Dort wäre im Juni in einwöchigem Abstand erst im oberen, dann im unteren Ortsteil gefeiert worden. Beide Male in diesem Jahr Veranstalter: die Freiwillige Feuerwehr.

Im Juni herrscht somit tote Hose in Schimmeldewog. In ganz Schimmeldewog? Nein, in „Unner“ regt sich Leben. Die Kerwejugend lässt von sich hören. Mit einer Collage macht sie auf sich aufmerksam, um zu zeigen, „dass auch wir zu Hause bleiben“. Da in diesem Jahr eventuell alle Kerwen im Überwald ausfallen werden, wollen sich die Jungs und Mädels mit Kerweparre Jens Gam nicht unterkriegen lassen.

Als der Vorschlag gemacht wurde, die Collage zu erstellen, waren gleich alle Mitglieder der Kerwejugend begeistert, erzählt Cindy Gam. Die Hoffnung ist groß, „dass wir nächstes Jahr das traditionelle Dorffest in Schimmeldewog wieder feiern können“. Die junge Partygesellschaft möchte damit zeigen, „dass auch wir mal die Füße still halten können“, kommt mit der Schrift „Wir bleiben alle zuhause“ und dem Button „Time to stay Home“ zum Ausdruck.

„Es war alles geplant bis auf Kleinigkeiten“, erzählt Ralf Scheib, der in Unter-Schönmattenwag federführend am Kerwe-Organisieren war. Der ehemalige Feuerwehr-Vereinsvorsitzende blickt traurig auf die bisherige Arbeit zurück. „Da wir in der aktuellen Situation keine Sitzungen zur Planung machen konnten“, wäre eine Durchführung aber sowieso schwierig geworden, weiß er. Zudem müssten sich ja auch die Grundschule Schimmeldewog und der Kindergarten St. Marien sowie Pfarrer und Bands auf den Auftritt vorbereiten – das wäre momentan nicht wirklich möglich.

„Ob wir genügend Helfer gefunden und wie wir dann den Infektionsschutz sichergestellt hätten, wäre auch schwierig geworden“, weiß Scheib um die diffizile Vorplanung. Nach dem Verbot von Großveranstaltungen in der vergangenen Woche „haben wir mit allen Lieferanten und Vertragspartnern gesprochen – und es war eigentlich keiner über meinen Anruf überrascht“, sahen es laut dem Feuerwehrmann alle irgendwie kommen. „Ich hatte bis heute kein negatives Feedback, alle hatten Verständnis.“

Nichtsdestotrotz war es seinen Worten zufolge ein schwer Schritt, „da wir ja schon viel Zeit und Arbeit investiert hatten“. Für die Brandschützer fallen zwar jetzt zwei große Feste weg, „aber unsere Gedanken sind auch bei unseren Geschäftspartnern“, sagt Scheib. Denn denen brechen praktisch alle Veranstaltungen weg. „Eine schlimme Situation, aber die Gesundheit geht nun einmal vor“, betont er. „Wer unsere Kerwen in Schönmattenwag kennt, kann sich sicher vorstellen, wie schwer die Absage fällt. Aber keine Frage – wir kommen wieder“, schreibt die Feuerwehr auf ihrer Facebook-Seite.

Wie Ralf Scheib ging es auch Jürgen Walter, seit vergangenem Jahr Vorsitzender des Feuerwehrvereins beider Ortsteile. „Bis auf die Feinheiten war das Programm fertig“, erzählt der Mann aus Ober-Schönmattenwag. Die Musiker hatte man bereits verpflichtet. „Wir hätten es nicht mehr durchziehen können“, wäre eine Ausrichtung auch ohne Verbot von Großveranstaltung wohl nicht möglich gewesen, meint er. „Das ist sehr schade“, so Walter, aber anderen geht es genauso.

Eine Alternative lassen sich die Feuerwehrleute noch offen: Kurzfristig ließe sich im Spätjahr eventuell eine improvisierte gemeinsame Kerwe am Feuerwehrhaus in der Mitte zwischen den beiden Orten ausrichten. Aber das will in Ruhe überlegt werden, betont Walter. Man will sich an den dann aktuellen Gegebenheiten orientieren.

Dass nun zwei große Feste wegbrechen, macht sich in der Vereinskasse negativ bemerkbar. Zum Glück waren erst kleine Kosten aufgelaufen – nicht wie beim Kohlenmeiler, der vor zwei Jahren wegen der Trockenheit am gleichen Tag abgesagt wurde. „Irgendwann muss halt eine Entscheidung her“, meint Walter – denn sonst geht es mehr ins Geld. Eigentlich hatten die Brandschützer in spe mit der Anschaffung eines Mannschaftstransportwagens geliebäugelt, wenn die Einnahmen reingekommen wären. Der muss jetzt aber erstmal warten.

Zum Glück, erzählt Walter, „haben wir noch ein paar Reserven“. Dazu werden parallel die Ausgaben zurückgefahren. Der Blick richtet sich schon Richtung 2021, wenn dann hoffentlich kräftig gefeiert werden darf. Denn dann begeht die Feuerwehr ihr 125-jähriges Bestehen, übernommen aus dem Gründungsjahr der Unter-Schimmeldewäer Wehr.