Besuch in Bédarrides liegt auf Eis

Frankreich und Spanien werden neben Italien besonders schlimm von der Corona-Pandemie heimgesucht. Deshalb sind die Verordnungen der Regierungen im Vergleich zu Deutschland noch um einiges strikter, wenn es um Schließungen und Ausgangsbeschränkungen geht. Da es sich bei den beiden Grasellenbacher Partnergemeinden Bédarrides und Cunit um vergleichsweise kleine Kommunen handelt, ist die Zahl der Erkrankten nicht allzu hoch.

„Wir wollen im Mai hin“, erzählt Edgar Schmidt vom Freundeskreis Bédarrides. Die Reise, an der auch die ÜWG-Big Band teilnehmen sollte, „war schon durchgeplant“. In den umliegenden Ortschaften und Bédarriedes selbst sollte es mehrere Konzerte geben, teilweise sogar zwei am Tag. Über 80 Personen mit zwei Bussen wollten sich auf den Weg machen, informiert Schmidt.

„Jetzt werden wir das Ganze um ein Jahr verschieben“, will der Freundeskreis auf Nummer sicher gehen. „Alles andere ist zu vage.“ Zu den offiziellen Stellen, erzählt Schmidt, gibt es derzeit keine direkten Kontakte. Von den französischen Bekannten aus dem Freundeskreis „ist derzeit niemand erkrankt“, zeigt er sich froh.

Der Bürgermeister von Bédarrides, Christian Tort, wendet sich jede Woche mit einer Videobotschaft an die Bürger, erfuhr der Freundeskreis-Vorsitzende. Daneben ist die örtliche Verwaltung viel auf Facebook aktiv und versucht den Bürgern Tipps zu geben, wie diese durch die schwierige Zeit kommen können. Über 5000 Bürger wohnen in der Gemeinde im Département Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, nahe Avignon gelegen.

Der Lockdown in Frankreich ist um einiges rigoroser als hierzulande. Die Menschen werden aufgefordert, nur für die allernötigsten Dinge außer Haus zu gehen – und dann allein. Sie brauchen dafür einen Passierschein. Paris erließ jetzt gerade die Verordnung, dass zwischen 10 und 19 Uhr selbst der Sport unter freiem Himmel untersagt ist. Da sind Tipps Gold wert, wie man sich die Zeit vertreiben kann, wenn man nur zu Hause sitzt.

Um in Form zu bleiben, gibt es auf Facebook etwa virtuelle Trainingsstunden der „Cailles Tonic“, der Frauenrugby-Mannschaft von Bédarrides. Gepostet werden daneben Aktivitäten für die gesamte Familie. Als weiterer Beschäftigungs-Tipp werden die Bewohner aufgefordert, doch mal den Hausstand auf Vordermann zu bringen, den „alten Kram“ zu sortieren und später, wenn sie wieder „Ausgang“ haben, zu den Sammelstellen zu bringen.

Der wöchentliche Montagsmarkt ist zu, der Sommermarkt geschlossen, ebenso wie das Rathaus, das jedoch von 8.30 bis 16.30 montags bis samstags telefonische Sprechstunden anbietet: Das Leben ist in Bédarrides ein langer, ruhiger Fluss, der derzeit überhaupt keine Bewegung kennt. Im sozialen Netzwerk wartet noch ein Ratespiel auf die von Langeweile geplagten Bürger. „Kennst du dein Viertel im Laufe der Zeit“, heißt es da auf der Seite des Nationalen Geographischen Instituts.

„Einkaufen geht noch, alles andere ist dicht“, hat Bürgermeister Markus Röth von seinem Schwiegervater aus dem spanischen Cunit erfahren. Glücklicherweise soll es in der Region nur wenige Todesfälle geben, so die Auskunft. Im Strandort am Mittelmeer ist noch keine Saison, weswegen sich dort noch wenige bis keine Touristen aufhielten. Die 13.000-Einwohner-Kommune zwischen Barcelona und Tarragona in Katalonien wuchs seit Beginn der Partnerschaft sehr stark, weiß Röth.

Gemessen an der Zahl der Erkrankten „ist die Lage noch nicht so dramatisch“, erzählt der Bürgermeister. Allerdings ist es für die Menschen eine große Belastung, immer zu Hause bleiben zu müssen, bekam er von seinem Schwiegervater mit auf den Weg. Denn das gesellschaftliche Leben spielt sich in den südlichen Ländern oftmals draußen ab – was derzeit unmöglich ist.