Der Hammer kam 1838 unter den Hammer

Der ehemalige „kurpfälzische Eisenhammer in der Neckarstraße“ ist auch heute noch ein ortsbildprägendes Gebäude von Wald-Michelbach. Seit 150 Jahren erfüllt er zwar seinen früheren Zweck nicht mehr, da 1865 der Umbau in eine Mahlmühle erfolgte. Aber die Dimensionen lassen erahnen, was sich damals hinter den Mauern verbarg. Davon zeugt auch ein Bericht aus dem Heppenheimer Kreiswochenblatt von 1838, als der komplette Komplex aus dem Nachlass des Mannheimer Kaufmanns Carl Renner versteigert wurde.

Zu dieser Zeit hatte das Schloss bereits eine bewegte Geschichte hinter sich, die Hans-Günther Morr in seinem Buch „Bergbau und Industrie im Odenwald“ nachzeichnet. Eisenhammer, Wald-Michelbacher Hammer, Huy’scher Hammer oder Hammerschlösschen: Über die Jahrhunderte gab es viele Namen für das Gebäude. Sein Erbauer Ende des 16. Jahrhunderts, Johann Caton, findet sich allerdings nirgends wieder. Der ließ es damals als Herrenhaus zum industriellen Eisenhammer erbauen.

Vater Hans Caton nannte bereits das Kupferbergwerk bei Reichenbach, heute Lautertal, sein Eigen. Johann Caton wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts so etwas wie der „Hammer-Pate“ des Odenwalds. Ab 1606 gehörte ihm das Kupferbergwerk bei Gorxheim, fünf Jahre später kamen die Weschnitzer Eisenerzgruben dazu. Danach expandierte er weiter, wurde 1613 Chef einer Eisenhütte im Hunsrück und 1619 einer Schmiede bei Weilmünster. Er starb ohne Nachkommen 1623.

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 bedeutete einen großen Einschnitt, auch im Odenwald. Die Zeit stand still. 1657 erwarb der aus dem Elsass eingewanderte Conrad Ensinger den heruntergekommenen Eisenhammer. Im Familienbesitz blieb der Betrieb dann bis mindestens Ende des Jahrhunderts. Danach kamen verschiedene Eigentümer zu Zuge.

Zuerst folgte als Besitzer der Kaufmann Johann Heinrich Weyl, dem der Besitz aber kein Glück brachte. 1739 hatte er sich aber so überschuldetet, dass sein Gläubiger die Nutzungsrechte erhielt. Nach beider Ableben endete der folgende Rechtsstreit erst 1770. Ab 1779 folgte die Ära der Familie Renner. Von Johann Wolfgang Renner, der viel Geld in die Sanierung steckte, ist überliefert, dass er den Hammer mit Gewinn führte.

Sohn Carl trat in seine Fußstapfen, starb jedoch 1835 wohl ohne Erben. Hier setzt nun der Artikel aus dem Wochenblatt ein, in dem der Eisenhammer mitsamt Gerätschaften und Landbesitz in den höchsten Tönen gepriesen wird. Sieben Morgen Fläche werden für den Besitz angegeben. Dazu gehören ein „Factoriehaus mit einem Thurme sammt Uhr und Glocke“. Das Haus wird als dreistöckig mit sechs schönen Zimmern, zwei Küchen, Waschkammer, Dachzimmer, geräumigem Speicher und gewölbtem Keller beschrieben.

Scheuer, zwei Stallungen, ein Eisenmagazin und Geflügelställe werden ebenso erwähnt wie „vier Schweinställe unter einem Dache“. Natürlich kommt der industriellen Tätigkeit eine große Bedeutung zu. Deshalb ist auch von zwei „Großhammer-Gebäuden“ mit Großfeuern sowie Aufwerf- und Schwanzhammer die Rede, verschiedenen Reck-, Klein- und Kohlfeuern sowie diversen Wohnungen für die Arbeiterfamilien.

Das Großherzogliche Hessische Landgericht in Fürth bestimmt mit Datum 18. Juli 1838 den Versteigerungstermin auf „Freitag den 31ten August d.J., Vormittags 10 Uhr“. Es wird von sehr vorteilhaften Bedingungen für die Bieter gesprochen. „Fremde Steigerer haben sich mit legalen Vermögens-Zeugnissen auszuweisen“, heißt es weiter.

Die Straßenverbindung aus dem Überwald an den Neckar war damals schon in der Mache: „Hart am Werke vorüber wird demnächst aufs Staatskosten eine von Fürth nach Hirschhorn ziehende Chaussee erbaut“, ist in der Versteigerungsmitteilung zu lesen. Bietern wird der Mund wässrig gemacht: „Der gute Ruf und bedeutende Ablaß, dessen sich stets das Werk zu erfreuen hatte, sprechen am deutlichsten für den vortheilhaften Betreib desselben.“

Wie weit die Wege damals im Vor-Auto-Zeitalter waren, lässt an den Zeitangaben herauslesen. Denn das Werk „liegt in einem reizenden Thale des Odenwaldes, ungefähr eine Viertelstunde von dem nicht unbedeutenden Marktflecken Waldmichelbach“, entfernt. Drei Stunden wird die Reisezeit nach Weinheim angegeben, vier Stunden ach Heidelberg, drei Stunden an den Neckar und zwei Stunden zum Landgerichtssitz Fürth.

Höchster Bieter dürfte damals in Fürth Ende August 1838 ein Baron von Riedheim gewesen sein, der als folgender Eigentümer genannt wird. 1853 ging das Werk an den Wald-Michelbacher Bürgermeister und späteren Landtagsabgeordneten Christian Huy über, der dem Eisenhammer einen weiteren Beinamen verschaffte. 1865 war im Zuge der industriellen Revolution langsam, aber sicher, die Zeit der Hammer vorbei. Aus dem Komplex wurde eine Mahlmühle.                                            tom

 

Zitat: „Der gute Ruf und bedeutende Ablaß, dessen sich stets das Werk zu erfreuen hatte, sprechen am deutlichsten für den vortheilhaften Betreib desselben.“

Aus dem Artikel über die Versteigerung des Wald-Michelbacher Eisenhammers 1838

 

Hintergrund:

Wald-Michelbach hatte im Jahre 1834 laut Akten 2040 Einwohner und war in mehrere Siedlungsflecken aufgeteilt, die heute noch als Straßennamen vorhanden sind. Beispiel hier sind der Seckenrain, der Binzig, die Spechtbach, Halle und Straßburg. Neben dem Hammerschlösschen gab es zur besagten Zeit auch noch den Aschbacher Hammer, das heutige Sägewerk Kurtz. Weiterhin gab es in Wald-Michelbach eine Papiermühle und zwei Mahlmühlen. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor waren der Abbau von Eisenerz sowie Sandstein- und Granitsteinbrüche, erläutert Andreas Arnold vom Museumsverein. Das in Wald-Michelbach vorkommende Mangan wurde noch nicht abgebaut, weil in der Eisenverhüttung das sogenannte Thomas-Bessemer-Verfahren noch nicht bekannt war. Dass in einer Heppenheimer Zeitung von Wald-Michelbach berichtet wurde, ist einem besonderen Umstand zu verdanken, weiß der Hobbyhistoriker. Denn der Ort wurde erst 1832 dem Kreis Starkenburg zugeschlagen, nachdem er bis 1803 kurpfälzisch war und zwischenzeitlich zu Lindenfels gehörte.