Die „Hall“ kann auf ihre treuen Fans zählen

Auf seine eingeschworenen Fans kann sich Carsten Piwko verlassen. Die Live Music Hall Weiher muss während der Corona-Pandemie wie andere Clubs auch natürlich geschlossen bleiben, aber „Caschi“, wie er von allen nur genannt wird, ist nicht untätig, um die Zukunft der Live-Location in der Odenwälder Provinz zu sichern. Seine „Heavy-Metal-Community“ greift ihm dabei nach Kräften unter die Arme. Eine am Wochenende ins Leben gerufene Spendenaktion dürfte aktuell schon über eine Monatsmiete reinbracht haben, freut sich der 40-Jährige.

Der Live Music Hall geht es derzeit wie vielen kleineren Club landauf, landab. Alles musste abgesagt werden, ein paar Wochen (oder Monate) wird nichts stattfinden, aber die Kosten laufen weiter. Da sind unkonventionelle Ideen gefragt, um die Existenz zu sichern. Den Spenden-Tipp bekam Piwko von Veranstalter-Kollegen. „Wir tauschen uns in regelmäßigen Abständen aus“, erzählt er. Besonders der 7er Club in Mannheim ist bei dieser Aktion sehr gut aufgestellt, weiß er. Ein Videoteam baute für die „Hall“ einen Clip mit Caschis persönlicher Botschaft, der auf die Homepage hochgeladen wurde.

60 bis 70 Prozent der Spender „sind regelmäßige Besucher“, hat er festgestellt. Den Rest lokalisiert er in der „alten Heimat“ (Piwko kommt aus der Heavy-Metal Hochburg Wacken) oder es sind einfach solche, die Kultur unterstützen wollen. „Die Szene ist mega“, freut er sich. Es gibt unheimlich viele Rückmeldungen.

Die Leute schreiben, „es muss weitergehen“, war der allgemeine Tenor. Sie wissen, was sie an der Location im kleinen Mörlenbacher Ortsteil haben, die sich im Laufe der Jahre zu einem begehrten Veranstaltungsort gemausert hat. Es gibt laut Piwko „ein sehr großes Interesse und viel Anteilnahme“. Die Szene ist aktiv und glänzt mit einem riesigen Zusammengehörigkeitsgefühl, weiß er. „Das ist echt Wahnsinn.“ Die Clubbetreiber helfen sich auch gegenseitig mit Spenden. „Es ist ein Geben und Nehmen.“ Alle wissen: „Wir sitzen im selben Boot.“

Die Live Music Hall will nach vorne schauen und „am Ende der stillen Zeit“ weiterhin wie gewohnt die fetten Konzerte bieten, verspricht er. „Seit nun knapp elf Jahren halten wir in einem kleinen Dorf im Odenwald die rockende Fahne hoch“, schmunzelt Caschi. „Das soll auch so bleiben“. Alles begann mit einem „Ach komm, wir machen mal ‚nen Live-Club“, erzählt er. Längst ist die Location eine feste Größe.

Carsten Piwko hofft daneben auf die baldige Umsetzung der angekündigten staatlichen Förderung für Selbständige. Wenn hier die angekündigten 9000 Euro für Kleinbetrieb mit bis zu fünf Angestellten fließen, dann dürfte er inklusive der Spenden seine laufenden Kosten bis zum Sommer gedeckt haben, hofft er. Dann steht allerdings schon das Sommerloch vor der Tür. „Das muss man mit einplanen.“

Denn der Clubbetreiber ist Realist. Er rechnet vor dem Sommer nicht mit einer Wiederaufnahme der Konzerte. Die Termine im Mai und Juni stehen zwar pro forma noch im Kalender, aber wie er gehen auch die Kollegen eher davon aus, dass sie ebenfalls abgesagt werden könnten. Deshalb gilt es, die zur Verfügung stehenden Mittel sparsam einzusetzen, um bis September durchzuhalten. Zum Glück gab kein einziger Musikfan die bereits gekauften Eintrittskarten zurück, was Piwko ermöglicht, mit dem Geld bis zum Ausweichtermin zu arbeiten. Auch andere Clubs können auf diese Solidarität der Besucher zählen.

Wenn dann im Juli und August wieder Veranstaltungen laufen, „wird es indoor bei 40 Grad schwierig“, erläutert der Hall-Pächter. Deshalb dürfte bei ihm und seinen Kollegen, die keine Open-Air-Events anbieten können, das eigentliche Geschäft erst wieder im September loslegen und ab dann normal laufen. Piwko weiß „seine“ Bands hinter sich. Bisher sind schon vier Benefizkonzerte geplant, um den Club zu unterstützen. Die können ziemlich kurzfristig auf die Beine gestellt werden, „wenn es grünes Licht von oben gibt“.

Für ihn ist eine schnelle und unkomplizierte Staatshilfe das A und O, um die nächsten Monate durchzuhalten. Gerade kleine Clubs sind Piwko zufolge auf ihr Stammpublikum angewiesen, „weil die Leute im Sommer außer Haus sind“. Deshalb macht es keinen Sinn, „dann tonnenweise Shows reinzuballern“, zu denen zu wenig Besucher kommen.

Der Hall-Betreiber ist stolz darauf, dass die Spendenaktion bisher in diesem kleinen Rahmen so gut funktioniert. Die Aussagen „Caschi, wir glauben an dich“ und die große, persönliche Anteilnahme berühren ihn sehr, sagt er. „Ich will nur den Laden retten und mich nicht gesund stoßen“, bekräftigt Piwko, den Spenden dankend. Bei allem schwingt aber die latente Angst mit, dass die Schließungen noch länger dauern könnten. Weshalb er aufmerksam die täglichen Nachrichten verfolgt.

Info: Mehr unter www.live-music-hall-weiher.de

 

Zur Person: Carsten Piwko, 40, stammt aus Wacken in Schleswig-Holstein. Er kam 2001 in den Odenwald und übernahm 2009 die Live Music Hall. „Was als Spaßprojekt begann, wurde mittlerweile zu einer Lebensaufgabe“, erzählt er.