Charleys Tante wird nicht aufgeführt

„Es bricht uns das Herz und wir sind unendlich traurig“: Mit diesem Satz teilen die Aktiven der Theatergruppe Schönmattenwag die Absage ihrer drei Aufführungen von „Charleys Tante“ mit, die vom 20. bis 22. März im Haus des Gastes über die Bühne gehen sollten. Doch das Corona-Virus macht alle Pläne zunichte. „Nach intensiven Gesprächen mit den beiden Vorständen der Gesangvereine und dem Bürgermeister“ wurde am Wochenende alles gecancelt. Gerade die Entwicklungen der letzten Tage „haben uns zu diesem schweren Schritt veranlasst“, teilen die Laienakteure mit Regisseurin Renate Walter mit.

Schon die letzte Probe, die 42. seit dem Start am 7. Oktober des vergangenen Jahres, war von Unsicherheiten geprägt, ob die Premiere überhaupt über die Bühne gehen würde. Denn an diesem Tag hagelte es immer neue Horrornachrichten und Absagen anderer Kulturtermine in der Region und weit darüber hinaus. Noch herrschte das Prinzip Hoffnung vor, aber die schwand am Folgetag immer mehr, bis dann schließlich die Entscheidung getroffen wurde.

„Für uns hat die Gesundheit aller Besucher sowie der vielen Helfer oberste Priorität“, schreiben die Darsteller. Mit der Absage wollen sie präventiv einen Beitrag dazu leisten, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, um so eine weitere Verbreitung des Coronavirus möglichst zu verhindern. Die gesamte Gruppe ist sich einig, „dass wir keine Freude am diesjährigen Theater hätten, wenn wir wissen, dass die Veranstaltung als Risiko gilt“.

Das Stück „Charleys Tante“ soll nun im kommenden Jahr aufgeführt werden. Das aufwändige Bühnenbild, das bereits die Bühne im Haus des Gastes zierte, soll dann wieder zum Einsatz kommen. Knapp zehn handwerklich begabte Mitglieder von MGV Sängerbund und Gesangverein Harmonie um Dieter Walter und Ernst Siefert hatten sich nach Fasching an den Aufbau gemacht. Das Motiv zeigt die Gartenlaube neben der Wohnung der beiden Studenten und wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Jetzt muss es leider wieder abgebaut werden.

Samstag nach Fasching gingen auch die Schauspieler hier an Werk, nachdem sie zuvor mehr als fünf Monate lang im evangelischen Gemeindehaus geprobt hatten. „Charleys Tante“ machte allen so richtig Spaß, erzählt Renate Walter. Was natürlich nun die Absage umso betrüblicher macht. „Wir haben ein paar Tanz-Talente entdeckt“, schildert sie die Rock’n’Roll- und Tango-Ausflüge.

„Wir hatten sehr lustige Proben“, bekräftigt Jürgen Walter. „Ein Making-of wäre klasse gewesen“, schmunzelt Nadine Pohl. Hans-Dieter Martin, der vor 32 Jahren in der damaligen, längeren Aufführung bereits den Colonel Sir Francis Chesney spielte, nennt das Stück einen „echten Klassiker“. Es ist für ihn handwerklich richtig gut aufgebaut. Das Beste: „Die Uniform von früher passt mir noch“, grinst er. Dass in der neueren Variante die Handlung gestrafft und ein paar Personen entfallen sind, wertet Renate Walter positiv: „Jetzt sind die Längen raus.“

Die Textsicherheit läuft, schaut die Regisseurin grinsend zu Jürgen Walter. Der lächelt beschwichtigend-gequält, nachdem er schon in der halben Stunde zuvor das Skript intensiv studiert hat. Wer den Text nicht so gut beherrscht, muss einen Wein mitbringen, erklärt Renate Walter mit Blick auf die paar Flaschen auf dem Tisch lachend. „Habe ich schon ein paar Mal“, meint Jürgen trocken und lässt den Korken ploppen.

„Lange haben wir noch gedacht, das wird was“, schildert die Chefin im Theater-Ring die allgemeine Hoffnung, dass es nicht zur Pandemie kommen würde. Denn gerade wurden die letzten Feinheiten wie Aktschlüsse und Laufwege einstudiert, erläutert Timo Walter. Jeden Abend wären am kommenden Wochenende um die 300 Gäste gekommen, um sich bei der Komödie aufs Beste zu amüsieren. Der Vorverkauf lief bis zuletzt gut, hat sie festgestellt.

„Wir haben viel Herzblut in das Stück gesteckt“, erzählen die Aktiven. Mit „Charleys Tante“ fand man darüber hinaus nach der modernen Aufführung im vergangenen Jahr eine Adaption, die allen so richtig lag und innerhalb der Truppe bestens ankam. Dazu noch die Proben seit sechseinhalb Monaten, zuerst zwei Mal in der Woche, seit zwei Wochen dann täglich und das detailreich gezimmerte Bühnenbild: Es schmerzt, nun vor dem „Nichts“ zu stehen. Aber die Unabwendbarkeit dieses Entschlusses ist allen klar.

 

Info: Bereits gekaufte Karten können bis 31. Mai an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, wo sie auch gekauft wurden. Gutscheine behalten grundsätzlich für das nächste Jahr ihre Gültigkeit, können aber natürlich auch zurückgegeben werden. Ansprechpartnerin ist hier Renate Walter, Telefon 06207/7823.