Ostap Popovich gibt den Ton an

„Die Farbe Blau“ stand im Mittelpunkt des Neujahrskonzerts der Starkenburg Philharmoniker. Genau das richtige harmonische Ambiente mit darauf abgestimmter Beleuchtung, um die kalten Temperaturen außerhalb der Rudi-Wünzer-Halle vergessen zu machen. An die drei Stunden lang verbreitete das Ensemble wohlige musikalische Wärme. Nicht nur die Musiker allein, sondern auch die beiden Solisten Gunda Baumgärtner (Sopran) und vor allem Solo-Trompeter Ostap Popovich heimsten immer wieder begeisterten Applaus ein.

Mit einer weiteren Besetzung hatten die Philharmoniker unter ihrem künstlerischen Leiter Günther Stegmüller und dem Vorsitzenden Rúnar Emilsson einen Glücksgriff gelandet. Letztes Jahr war kurzfristig Jutta Werbelow als Moderatorin eingesprungen, die man in der Region von den „Nachtigallen“ kennt. Sie ist in dieser Rolle eine echte Bereicherung und „durfte“ dieses Mal „geplant“ ran. Werbelow führte charmant, witzig und spritzig durch ein langes Programm, dem sich nach reichem Applaus noch Zugaben anschlossen.

Zu Beginn hatte Bürgermeister Dr. Sascha Weber als Schirmherr die Besucher in der wieder einmal sehr gut besetzten Halle willkommen geheißen und seine Freude über das inzwischen fünfte  Neujahrskonzert als „feste Institution“ im Wald-Michelbacher Veranstaltungskalender geäußert. Die „Ouvertüre zu „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß sah die Philharmoniker danach mit einem flotten Auftakt.

Auch die weiteren Stücke ließen die Besucher in schönen Erinnerungen schwelgen, wenn in Franz Lehàrs „Blaues Himmelbett“ eingeladen wurde oder es wieder mit Johann Strauß spritzig wurde: Die „Champagner-Polka“ leitete über zu den Auftritten der Solisten. Erst war Baumgärtner dran, deren Interpretation von „Wien wird bei Nacht erst schön“ (Robert Stolz) bereits die Zuschauer mit Beifall nicht sparen ließ.

Aber dann: Als wichtigstes Stück zur Farbe Blau kündige Werbelow George Gershwins „Rhapsody in Blue“ an. Das war Popovich wie auf den Leib geschrieben, der zuvor von der Moderatorin mit vielen Vorschusslorbeeren eingeführt worden war. Der Komponist holte mit seinem Werk Blues und Jazz in die Klassik, verschmolz die verschiedenen Stile.

Wie die Streicher das Thema der Trompete aufnahmen, sie majestätisch ablösten, um dann die Melodie wieder zurückzugeben, war großes Kino. Um die 17 Minuten dauert das Stück, die weltbekannten Töne inklusive. Teilweise kann man zwischendurch die berühmte Stecknadel fallen hören. Der Ukrainer zeigt solo oder im Zusammenspiel mit den Philharmonikern seine ganze Klasse, sodass sich ein Gast sogar zu einem „Bravo“-Zwischenruf hinreißen lässt. Diese Interpretation ist sicherlich das Highlight des Abends.

Ähnlich flott geht es nach der Pause weiter. Der „Kopenhagener Eisenbahn-Dampf-Galopp“ sieht das Orchester flott über die Schienen schnaufen. Man sieht förmlich den Dampf der Geschwindigkeit über den Instrumenten aufsteigen. Dirigent Stegmüller scheint sich einen Kindheitstraum zu erfüllen, wenn er mit sichtlichem Spaß den Schaffner mimt und die Trillerpfeife ertönen lässt.

Von der Schiene auf den Fluss: Ein Raunen geht durch die Menge, als Werbelow den Klassiker „An der schönen blauen Donau“ ankündigt. Wieder ist es Gunda Baumgärtner, die hier ihren Sopran ertönen lässt. Sie animiert das Publikum zum Mitklatschen und erntet für ihre Interpretation rauschenden Applaus. Wer gemeint hatte, damit wäre es getan mit der Bewegung, sieht sich getäuscht. Es geht bei „Pomp and Circumstance“ erst so richtig los. Die englische Hymne, traditionell zum Abschluss der Proms gespielt, ist laut Werbelow „eine Mischung aus Klassik und Konzert, Konzert und Party“. Mitsingen und Tanzen sind Pflicht. Nach zwei Stunden ist ein wenig Bewegung sicherlich willkommen. Die Menge wippt kräftig mit.

Der „Blue Tango“ mit dem von den Streichern getragenen Melodie, unterbrochen vom präganten Einsatz der Blechbläser, bietet ein wenig Zeit zum Luftholen. Langsam neigt sich das Konzert rauschend dem Ende zu. Es wird feurig-ungarisch mit Auszügen aus der Operette zu „Maske in Blau“ von Fred Raymond. Baumgärtner wirbelt erneut so vehement über die Bühne, dass sie dabei fast das Gleichgewicht verliert.

Dass nach dem Champagner-Galopp von Hans Christian Lumbye keiner gehen will, ist klar. Natürlich erklatscht sich das begeisterte Publikum mit Standing Ovations eine Zugabe. In der Pause hatte die Damen- und Herrenmannschaft der Siedelsbrunner TV-02-Handballer zusammen mit Yannik Ehret für die Bewirtung gesorgt.