Eine rockige Reise in die 80er Jahre

Als wäre die Zeit stehengeblieben: Mit „Mallet“ gab‘s einen Ausflug in die 80er Jahre. Aber das Hardrocks und nicht irgendwelche bunter elektronischer Musik-Phantasien. Die drei gestandenen Jungs von „Mallet“ rockten die Live Music Hall mit ihrer Mischung aus Coverversionen von bekannten Hits und Eigenkompositionen. Wobei die selbst geschriebenen Songs dem Trio aus dem Wiesbadener Raum fast besser zu Gesicht standen, zeigten sie doch eine erfreuliche Bandbreite und viele kreative Ideen.

Der einzig verbliebene aus der alten Garde und gleichzeitig Bandgründer ist Manfred Dünzl an Bass und Gesang. Er ist auch 41 Jahre später noch voll im Saft und lässt seine Finger über die fünf Saiten wirbeln. 1986 kam Gitarrist und Sänger Jürgen Rehberg dazu, der bei den meisten Songs am Mikro steht. Das „Küken“ der Truppe, auch wenn er nicht danach aussieht, ist Mario Gerhards an den Drums, der aber auch mal seine Stimme bei Billy Idol-Stücken ertönen lassen darf.

„Mallet“ zählt in der Live Music Hall zu den Urgesteinen. „Wir haben schon hier gespielt, als die Hall noch weiter unten war“, zeigt Rehberg Richtung Tal zur früheren Location. Entsprechend kann die Band auf ihre treuen Fans der alten Garde zählen, die auch nach vielen Besetzungswechseln dem Hardrock-Urgestein die Treue halten. Es sind aber ebenso ein paar jüngere dazugekommen, die handgemachte Rockmusik zu schätzen wissen.

Sie werden nicht enttäuscht. Der Dreier bietet das Beste aus vier Jahrzehnten, melodische Stücke mit eingängigen Soli, die sich in angenehmer Lautstärke in den Ohren festsetzen. Passend zum 40. Bandjubiläum im vergangenen Jahr lassen sich Dünzl, Rehberg und Gerhards als „Rock’n’Roll-Heroes“ auf ihrer neuen, inzwischen zwölften Platte feiern. Aus der gibt’s neben dem Titelsong mit „Stand up für your Life“ ein weiteres geschmeidiges Lied zu hören.

Ebenfalls in die 80er Jahre geht es mit „Beds are Burning“ von Midnight Oil, geboten mit fettem Sound und Wahwah-Gitarre. Vier Jahre älter, von 1983, ist der Mallet-Song „Evil“, den die drei Relikte aus einer anderen Zeit mit stampfenden Rhythmus runterrotzen. „Rebel Yell“ wird einmal durch den Wolf gedreht und kommt mit erhöhter Umdrehungs-Geschwindigkeit hinten wieder raus. „Locomotive Breath“ sieht die älteren Herren durch den Jethro-Tull-Song schnaufen.

Rosa Leggins und Vokuhila: „Da können wir ein Wörtchen mitreden“, grinst Rehberg. „Wir sind damit die ersten, die so rumgelaufen sind.“ Dieser Zeit entspringt die Idee für den Titeltrack der neuen Scheibe. Das Stück hat was von einer großen Party à la Mötley Crüe. „Don’t cry anymore“, „Shine On“ und „To the Ocean“ von der neuen Platte haben ebenfalls den Weg auf die Setliste gefunden.

Nach der Pause geht’s mit „Radar Love“ von Golden Earring gleich in die Vollen. Auch die Beastie Boys mit „You got the Right“ dürfen natürlich nicht fehlen. Bei „White Wedding“ von Billy Idol kann nochmal Gerhards mit seinem Reibeisenorgan ran. „Ohne Leidenschaft geht’s in unserem Alter nicht“, schmunzelt Rehberg. Müdigkeit verspüren die drei nicht, aber gewisse Alterserscheinungen, grinst er.

Die riesengroße Spielfreude macht das wett. „Die merkt man uns hoffentlich an“, kokettiert er mit dem über zweistündigen Auftritt. Aber klar. Wäre die nicht mehr gegeben, „müssten wir aufhören“ – aber daran denkt „Mallet“ noch lange nicht. 150 Konzert im In- und Ausland spielt die Band jährlich. Elf Jahre lang gab es in Wiesbaden das Rockballett „Rock aoround Barock“ mit fast immer ausverkauften Shows, ist der Sänger stolz. „Sogar ein paar aus Weiher waren schon bei der Show“ weiß er. Inzwischen ist die Show nach Essen gewandert und feiert auch dort Erfolge.

Die Fangemeinde von früher, die mit 16 oder 17 noch in der alten „Hall“ die Band anfeuerte, hält ihr die Treue. „Ein paar bekannte Gesichter sind immer da“, weiß der Gitarrist um die Beständigkeit. Heute sind zwar alle von früher um die 40, aber wissen eben immer noch gute Rockmusik zu schätzen. Wenn die Gruppe dann wie jetzt – nach längerer Pause – mal wieder zu sehen ist, ist ein Besuch Pflicht.

Info: Das nächste Konzert in der Live Music Hall Weiher findet am Samstag, 1. Februar, statt. Dann steht ab 20 Uhr als Headliner Michael Bormanns „Jaded Hart“ auf der Bühne. Typischer AOR und Melodic Rock wechselt sich mit akustischen Songs, kraftvollen Uptempo-Nummern und wunderschönen Balladen ab, die Stimmung von Melancholie bis hin zu überschäumender Lebensfreude auslösen. „Jaded Heart“ gab es von 1990 bis 2004. Aufgrund der großen Resonanz auf eine Tour mit alten Stücken brachte Bormann 2019 eine neue Scheibe „Feels like Yesterday“ raus. Unterstützung gibt’s von den beiden Support Acts „Last Jeton“ und „Steel Dawn“. Mehr unter http://www.live-music-hall-weiher.de/events