„Stillfüssel hätte nicht gebaut werden dürfen“

„Die Errichtung der Windenenergieanlagen (WEA) am Stillfüssel ist nach Bundesnaturschutzgesetz illegal“: Dieses prägnante Fazit hatte sich Prof. Michael Wink bis zum Schluss seines Vortrags in der Rudi-Wünzer-Halle Wald-Michelbach aufgehoben, wo er auf Einladung des Vereins „Leben & Freiheit“ referierte. Wink arbeitet als Ordinarius für Pharmazeutische Biologie an der Universität Heidelberg. Zweiter Vortragender war Dr. med. Eckhard Kuck, der sich seit vielen Jahren mit Schallemissionen von Windkraftanlagen auseinandersetzt.

Winks Vortrag beschäftigte sich mit den aktuellen Veröffentlichungen zum Schutz der Artenvielfalt. „Dem Erhalt der bedrohten Biodiversität muss höchste Priorität im Umweltschutz zukommen – ein Konfliktthema für Landwirtschaft und Betreiber von Windkraftanlagen“ lautete der Titel. Der Heidelberger trat zuerst der Behauptung entgegen, es gebe heutzutage ein massives Artenstreben. Davon könne überhaupt nicht die Rede sein.

Festzustellen seien „dramatische Bestandsrückgänge“. Alles andere wertete er als „Panikmache“. Damit werde vordergründig versucht die Umwelt zu schützen. Man sollte mit den Prognosen vorsichtig sein, warnte er. Wink sah die Intensivierung der Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden als vorrangige Ursachen dafür.

Nicht zu vergessen die WEA, wo seinen Worten zufolge „Fledermäuse, Vögel und Insekten in großen Mengen sterben“. Europaweit sei am stärksten der Gänsegeier betroffen, in Deutschland Rotmilan und Mäusebussard. Die bisherigen Tötungszahlen „werden sicher unterschätzt“, meinte der Professor. Der Hambacher Forst, für dessen Erhalt sich viele Menschen einsetzten, sei im Vergleich klein zur Fläche der Wälder, die für Windräder abgeholzt werden. „Das ist bestimmt das 100- bis 1000-fache“, führte er an.

In einem Drei-Kilometer-Umkreis um das Siedlungsgebiet von Schwarzstörchen sei eigentlich keine WEA zugelassen, so Wink. Im Eiterbachtal, also viel näher an den Windrädern, wurden seinen Worten nach viele Flugbewegungen aufgezeichnet. „Die Tabuzone wird nicht eingehalten“, ist deshalb für ihn klar. Alle Beobachtungen seien von den Gutachterbüros der Betreiber negiert worden. Der Professor berichtete von weiteren streng geschützten Vogelarten im Stillfüssel-Gebiet.

Wäre ein Privatmann genauso wie die großen Firmen an die Sache rangegangen, wäre der verknackt worden, so Winks Meinung. Wenn man schon keinen Rückbau mehr erreichen könne, wünschte er sich zumindest eine Abschaltung der Anlagen in der Brutzeit, um den geschützten Tieren eine ungehinderte Vermehrung zu ermöglichen. Denn ihre Zahl nehme langsam, aber sicher ab.

Eckhard Kuck aus Bad Orb sprach zuvor eine Stunde Kuck lang über „Gesundheitsgefahren als Folge der Energiewende“. Der Mediziner wirkt sowohl beim Ärzteforum Emissionsschutz als auch bei der Vereinigung INOVIB (Independent Noise and Vibration Experts) mit. „Es gibt nichts anderes als Abstand“, nannte er als Hauptforderung, um gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Infraschall zu vermeiden.

„1000 Meter sind viel zu wenig“, erklärte Kuck zur aktuellen Diskussion innerhalb der Bundesregierung. Die bayrische Lösung mit dem Zehnfachen der Windradhöhe sah er zumindest als guten Ansatz, aber ebenfalls nicht ausreichend an. Bei einem Festhalten an den bisherigen Ausbauzielen „wird ohne Rücksicht auf die Menschen weitergemacht“, so der Mediziner. Die bisherigen Studien ignorierten einfach das, was krank macht. Das Argument „Es ist nichts zu hören“ bezeichnete er als „einfach dumm“.

Kuck nannte den gesetzlichen Schutz „definitiv nicht ausreichend“. Er sprach sich für ein Moratorium bei der Windenergie und ein entschlossenes Umsteuern aus. Die Investitionen sollten in bessere Formen der alternativen Energien mit geringen Gesundheitsrisiken und höherer Verlässlichkeit fließen, forderte er.

Unter Infraschall könnten 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung leiden, erläuterte der Mediziner. Selbst bei sechs Kilometer Entfernung zum Windrad lasse sich noch eine medizinische Wirkung nachweisen. Er sah eine erhöhte Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall und fürs Immunsystem. Daneben gibt es laut Kuck das „Risiko ernster chronischer Erkrankungen“. Je näher dran, desto höher die Krankheitsrate, so seine einfache Gleichung.

Der aus den Bürgerinitiativen Gegenwind Ulfenbachtal und Siedelsbrunn hervorgegangene Verein hatte den Abend unter die Fragestellung „Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf unser Leben und unsere Umwelt?“ gestellt. Vorsitzende Vera Krug und ihr Mann Bernd stellten die Ziele und das bisher Erreichte zu Beginn vor.

Info: „Leben & Freiheit“ ist ein gemeinnützig anerkannter Naturschutzverein. Er setzt sich für den Erhalt und Schutz wertvoller Lebensräume für Mensch, Umwelt, Flora und Fauna, besonders in den Regionen Odenwald und Bergstraße, ein. Mehr unter http://www.leben-und-freiheit.de