„The Intersphere“ lassen das Café Central glühen

„The Intersphere“ ist so etwas wie die deutsche Progressive-Rock-Antwort auf all die bekannten Bands aus Skandinavien oder den USA. Während „Dream Theater“ bereits die ganz großen Hallen füllt, das neue Album von „Opeth“ in den höchsten Tönen gelobt wird, genießen die vier Mannheimer noch mehr oder weniger den Status eines Geheimtipps. Aber eines, der immer mehr von sich reden macht und immer größere Locations bespielt.

Ein eindrucksvoller Schritt nach vorn ist „The Grand Delusion“, mit dem die Band jetzt auch im Café Central Weinheim zu Gast war. Das Album erschien bereits Ende 2018, womit „The Intersphere“ jetzt quasi seit einem Jahr auf Tour ist. Vielleicht haben sich die vier damit auch ein wenig in der Region totgespielt, denn im Januar waren sie bereits in der Heidelberger Halle 02 zu Gast, im Mai dann mit dem Prog-Metal-Heroen „Coheed and Cambria“ in Karlsruhe.

Denn das dämpfige Café Central ist an diesem Abend nur wenig mehr als zur Hälfte gefüllt. Was aber für die Fans eher von den Vorteil ist, denn der Sound ist im vorderen Bereich sowieso immer besser als hinter der Zwischenwand. Allerdings ist die Luft weiter vorn dafür auch gnadenlos zum Schneiden, was sich an der schweißtropfenden Performance von Christoph Hessler, Thomas Zipner, Daniel Weber und Moritz Müller erkennen lässt.

Wo „The Grand Delusion“ und sein Vorgänger „Relations In The Unseen“ im Studio noch um einiges glatter wegkommen, erscheinen sie live viel roher, ungeschliffener. Aber trotzdem perfekt bis auf den Ton genau gespielt, jedoch mit viel mehr Power, mehr Körpereinsatz, zwischenzeitliches wildes Gehüpfe inklusive. Das stützt den Ruf der Mannheimer als Liveband, die schnell den Zutritt zu großen Festivals schafften. In diesem Jahr gab’s so etwas wie den Prog-Rock-Ritterschlag mit der Teilnahme am Midsummer Prog Festival in Falkenburg/Niederlande.

Trotz des treibenden Schlagzeugs und der fetzigen Basstöne bleiben die Stücke aber immer eingängig, oft ein wenig verspielt, dazu dynamisch und powervoll. Die tiefer gestimmten Gitarren sorgen manchmal für eher schwermütige Klänge, die aber in einer Form rausgerotzt werden, dass gar keine Melancholie aufkommen kann. Schaffen es zwischenzeitlich ein paar ruhige Klänge in ein Lied, so werden diese gleich wieder von einem Gitarrengewitter abgelöst.

Dass „The Intersphere“ früher nach Sänger und Gitarrist Christoph Hessler die „Hesslers“ hießen, hat einen ganz profanen Grund: Er dominiert eindeutig die Bühne, ist am besten ausgeleuchtet, während die Mitmusiker präzise wie ein Uhrwerk ihre Arbeit verrichten und den Songs Struktur verleihen. Die Bandmitglieder lernten sich an der Mannheimer Popakademie kennen und spielen bereits schon seit über zehn Jahren zusammen.

„Relations in the Unseen“ ist so ein typisches Prog-Rock-Stück mit gezupften Gitarren, um dann verzerrt loszulegen, als gäbe es kein Morgen. Das hymnische „Man on the Moon“ mit Keyboard-Einspielungen hat Hitcharakter wie auch „Secret Place“, dessen Refrain „You are“ ins Ohr geht. „Panic Waves“ präsentiert sich mit zarten Zwischentönen, während „I Have a Place for You on Google Earth“ eher episch mit sphärischen Gitarrenkängen daherkommt, unterbrochen von krachenden Drums, die die Hosenbeine erzittern lassen.

Überhaupt Schlagzeuger Moritz Müller: Der kommt, wenn mal ein paar Bühnenstrahler auf ihn fallen, in seinen weit ausladenden Bewegungen wie das Tier aus der Muppets-Show rüber. Seine diffizilen Beats sitzen perfekt. Daniel Weber am Bass ist schon längst nicht mehr der Ersatz für den ausgeschiedenen Sebastian Wagner, der jetzt bei „Kasalla“ aktiv ist. Beide sorgen für den packenden Groove der Truppe.

Weber und Gitarrist Thomas Zipner unterlegen außerdem mit ihren Backgroundvocals fast jeden Song, machen ihn damit etwas griffiger, eingängiger, als das nur mit Hesslers Organ möglich wäre. Nicht nur die Hitze im Café Central, auch der fette Sound erfordert Arbeit: Vor den beiden Gitarristen liegen etliche Pedale, um immer neue Facetten entstehen zu lassen.

Mit „Don’t Think Twice“ und „Mind over Matter“ hat die Band den richtigen Einstieg, um gleich viel Beifall einzuheimsen. Der wird im Laufe des Konzerts nicht weniger, auch wenn die Kommunikation der Musiker mit den Fans zu wünschen übrig lässt. Von der Bühne kommt außer den Songs – nichts. Die bloße Aneinanderreihung von Liedern hinterlässt deshalb unfreiwillig den Eindruck, als gehe da jemand etwas unlustig zu Werke. Ganz davon abgesehen, dass es musikalisch ein wenig zum Einheitsbrei wird, wenn ohne Pause Song auf Song folgt.

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