Querfeldein durch musikalische Welten

Matz Scheid ist nicht nur einer der Macher hinter dem „Odenwälder Shanty Chor“ (OSC), sondern vielfältig musikalisch aktiv. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er fester Bestandteil der Kulturszene rund um den Odenwald, die Pfalz und Hessen. In eine Schublade ließ sich der bärtige Bergsträßer Barde nie stecken. Auch bei seinen Solo-Auftritten geht es querfeldein durch die musikalische Welt. Wie jetzt im vollgestopften Obergeschoss des „Gude Drobbe“.

„Es macht viel Spaß, allein aufzutreten“, meint er. Da kann Matz Scheid dann aus dem Vollen schöpfen. Odenwälder und Pfälzer Mundart wechseln sich ab mit Beatles-Klassikern, bayrischen und irischen Folkliedern sowie eigenen Stücken, oft zusammen mit Manfred Maser vom OSC komponiert. Die Gäste im urigen Saal danken es ihm mit einer super Stimmung, viel Gelächter angesichts der den lustigen Texte und großer Begeisterung. „Das war ein Hammer-Abend“, sagt der Musiker beeindruckt im Rückblick.

Drei Stunden lang singt und plaudert Matz Scheid aus seinem großen Geschichten- und Lieder-Fundus. Ein Shanty zum Start ist bestens geeignet, die Stimmung in die Höhe zu treiben. „Hielan‘ Laddie“ animiert zum Mitsingen, was die Zuschauer im aufgeheizten Dachgeschoss sehr gerne tun. „Norwegian Wood“ von den Beatles passt da gut hinterher. Das kennt auch jeder und kann ungehemmt mitsummen.

Der „Star of the County Down“ ist einer der bekanntesten irischen Folksongs. Van Morrison verhalf ihm schon zu viel Popularität außerhalb der Grünen Insel. Diese Version hat Matz Scheid bereits vor vielen Jahren gehört. „Sie ist sehr schön“, meint er verschmitzt. Es gibt nur eine, die ihm noch mehr gefällt, schmunzelt er – und stimmt auf der Gitarre seine eigene an.

Sowieso stand das Lachen hoch im Kurs. Matz Scheid blickt in etliche Gesichter, das aus dem Lachen gar nicht mehr rauskamen. Seinem Eindruck nach „haben viele mein Solo-Programm das erste Mal gehört“, freut er sich. Auch dabei: „Vom Odenwald aufs weite Meer“ vom OSC. Die australischen Klänge hat das zweite OSC-Mastermind Manfred Maser textlich aufgepeppt.

Den pfälzischen „Singer-Songwriter“ Alfred Dexheimer bindet der Kurpfälzer gern in seinem Programm mit ein. Dessen Stück über die Vergesslichkeit mit dem Titel „Alleweil hob ich’s noch gwisst“ ist aus dem Leben gegriffen. Man geht auf den Speicher, um etwas zu holen. Oben angekommen, weiß man nicht mehr was.

In Dexheimers „Hundeknoddel-Song“ wird ebenfalls ganz plastisch geschildert, was die Hinterlassenschaften des Vierbeiners so auslösen können. Und beim Kochen der „Tomatensoße“ kommen skurrile Typen zusammen. „Ich werr moin Dannebaam net los“ zeugt von der Verzweiflung, das nadelnde Ungetüm im neuen Jahr entsorgen zu können.

Matz Scheid sorgt aber auch für einen sorgenlosen Abend. Beim „Jammertal-Blues“ dürfen die Gäste all das bedauern, was sie bedrückt, und mit einem kräftigen Jammern von sich geben. Der „Gude Drobbe“ erzitterte… Der bayrische Barde Fredl Fesl ist neben Dexheimer ein zweiter Mundartsänger, der es dem umtriebigen Scheid angetan hat. „Ein Pferd hat vier Beine“, heißt es zuerst von diesem.

„Ritter Hadubrant“ mit seinen zahlreichen Strophen ist beinahe schon legendär. „Ein Reim ist bescheuerter als der andere“, lächelt er. Alles wird so hingebogen, dass es passt, egal ob der Wortsinn dabei flöten geht oder nicht. „Da muss ich mich total darauf konzentrieren“, meint der Musiker, damit der ganze Unfug nicht auch noch falsch rüberkommt. „Weil I net mog“, heißt es nochmal mit Fesl, während „Adjö Farväl“ einen Abschied auf Schwäbisch beleuchtet.

„The last Shanty“ heißt es A-Cappella zum Mitmachen. Die Besucher lassen sich nicht zweimal bitten. Zwei irische Folksongs im Anschluss, „Dark old sailor“ und „Whisky in the Jar“, sind dann Gassenhauer, bei denen keiner ruhig sitzenbleiben kann. „Die Leute waren klasse drauf“, ist viel Beifall der schönste Lohn eines Künstlers.

Ein Refrain zum Mitsingen: So kündigt Matz Scheid Georg Kreißlers Telefonbuch-Polka an. Was natürlich nicht ernst gemeint war, denn der Song ist ein wahrer Zungenbrecher, wenn alle Namen mit V hintereinander gereiht werden. Ludwigs Hirschs „Hand“ sprüht nur so vor Wiener Morbidität, wenn bei einer Hochzeit alles schiefgeht, was nur möglich ist.

Mit schottischen Tönen untermalt, gab’s zum Schluss Manfred Maser Hymne „Dafür ist das Leben da“ zu hören, ehe Matz Scheid logischerweise nicht ohne zwei Zugaben gehen darf. So begeistert wie die Gäste ist er auch: „Das war eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt der Musiker. „Urig gemütlich ohne Technik“, mit super Publikum. Foto: Matz Scheid

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