Selbst Hergestelltes stößt auf großes Interesse

Wenn Helena Clemens-Kohrt zum Kunsthandwerkermarkt auf die Tromm ruft, dann ist eines garantiert: Sonne und Hitze. Zum Glück waren die Temperaturen dieses Mal noch im Endzwanziger-Bereich. Denn es gab auch Jahre, da ging ohne Schatten gar nichts mehr. So aber herrschte den ganzen Nachmittag reger Betrieb und viel Interesse an den schönen handgemachten Dingen, die es im lauschigen Garten zu erstehen gab.

Inzwischen zum achten Mal immer am ersten August-Wochenende durchgeführt, ist der Markt immer eine feste Bank im Veranstaltungskalender. Regelmäßig füllt sich der Höhenrücken mit vielen Menschen, wenn es rund um das Goldschmiede-Atelier schönes Kunsthandwerkliches und kulinarische Genüsse gibt. Schon um die Mittagszeit herrschte bei herrlichem Wetter reger Betrieb.

Dorothee Flachs aus Hirschhorn war zum fünften Mal dabei. Sie stellt all ihre Kreationen selbst in ihrer Hirschhorner Werkstatt „Midlandfilz“ her. Filztiere sowie Gartenstecker sind im Sortiment. Dieses Mal hat sie mit Vögeln verzierte Filzkörbchen neu dabei, aber auch Broschen. „Filz ist wasserabweisend“, erläutert sie. Es ist eher die Sonne, die das Material beeinträchtigen kann und ausbleichen lässt. „Regen macht dem nichts aus.“

Peter Hermans beschäftigt sich seit 20 Jahren im Lindenfelser Stadtteil Winterkasten mit Kunstglaserei. Den im Stand hängenden Drachen malte er auf Glas, „bevor es das Drachenmuseum gab“, lächelt der Künstler. „Die Leute kommen mit ihren Vorstellungen zu mir und ich setze diese um“, beschreibt er einen Gutteil seiner Arbeit. Da passt es, dass seine Frau Jeanne Kloepfer als Illustratorin für die perfekten Entwürfe sorgt.

Schreibgeräte, Gewürzmühlen und Holzgefäße hat Thomas Sauer aus Wahlen mitgebracht. Einheimische Obsthölzer wie Birne, Kirsche oder Zwetschge verwendet er ebenso für seine Arbeiten wie Eiche, Esche und Ulme. Seine Gewürzmühlen „sind der Renner“, freut er sich. Die Käufer kommen von weit her, um die filigran selbst gedrechselten Schmuckstücke zu erwerben. Deshalb hat er auch ein großes Sortiment dabei.

Die Gäste können ihm auch bei der Herstellung zuschauen, wenn die Späne nur so fliegen. Eher etwas für Liebhaber sind die Holzschüsseln oder auch die Deko-Holzkugeln. „Das ist eine alte Technik“, erläutert Sauer. Mit der wurden früher Billardkugeln gedreht. Der Wahlener hat sie bei der Meisterprüfung gelernt und macht jetzt immer mal wieder Kugeln „just for fun“.

Messermacher Otto Morr aus Wald-Michelbach hat vom kleinen Küchenmesser bis hin zum großen Hirschfänger alles ausgestellt. Über die Jahre hat sich sein Sortiment immer weiter entwickelt. So sind bei ihm jetzt auch Schneidwerkzeuge aus andren Kulturen zu finden. Er fertigt sowohl Griffe als auch Stahl in Handarbeit. Verschiedene Hölzer und Gehörne kommen dabei zum Einsatz. Je nach Einsatzmöglichkeit werden unterschiedliche Stahlsorten verwendet.

Ein paar neue Kreationen haben Monika und Johannes Gehrig von den Odenwälder Feinen Bränden aus Litzelbach im Gepäck. Etwa Honig-Zwetschge oder Honig-Apfel aus „100 Prozent Handarbeit“, wies auf dem Etikett steht. Die Schnäpse sind trotz der Schärfe angenehm mild. Die Idee haben die beiden aus dem ehemaligen Jugoslawien. Odins Nacht, Erdas Muse oder „Mer sinn quitt“ sind weitere klangvolle Kreationen.

Mit Produkten aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier des Imasgo-Vereins sind Martine Rüdinger und Franz Stevens erstmalig dabei. Der Erlös der Produkte aus Burkina Faso geht wieder an die Menschen vor Ort. Unter den Waren sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff oder filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen. Der Scarabee-Stuhl aus alten Ölfässern gewann bereits einen Designpreis in Paris, erläuterte Rüdinger.

Aktuell kümmert sich der Verein um den Brunnenbau in mehreren zu Imasgo gehörenden Dörfern. Denn einer davon mit Pumpe kostet über 8600 Euro. Damit sich die Investition lohnt, müssen es mindestens drei sein. Mit Willi Jäger aus Birkenau hat man bereits einen Sponsor gefunden, der 25.000 Euro besteuert.

Stelen in verschiedenen Formen und Farben sind das Metier von Claudia Rippl aus Schönau. „Ich liebe die Schatten, die von den Gläsern geworfen werden“, sagt sie. „Deshalb gefällt mir meine Arbeit besonders.“ Gerade von unten nach oben Strebendes kennzeichnet ihre Werke. Kräuterorakel, Dilsberger Landseifen, Tonwaren, Steinarbeiten oder Olivenölspezialitäten waren nur einige der vielen weiteren Angebote an diesem Tag.

Das Odenwald-Institut lud ein paar Meter weiter zum Stöbern in der neugestalteten Buchhandlung ein. Neben Gedrucktem und auf CD Gepresstem sowie Dingen für Körper, Geist und Seele fanden sich dort auch handgefertigte Taschen von Claudia Kappeler. Regina Klieber aus Kocherbach verkaufte auf dem Flohmarkt viele Dinge für einen guten Zweck. Der Erlös geht an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

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