Pyromantiker lassen nichts anbrennen

Die Wiese oberhalb des Hoftheaters wird an diesem Abend zum großen feurigen Bauernhof mit Garten. Die Pyromantiker aus Berlin, Marlis Hirche und Oliver Dassing, haben ihn mit viel Liebe zum Detail gestaltet, um hier ein Feuerwerk abzubrennen. Nicht nur eines mit Raketen, sondern auch ein wortgewaltiges, in dem sich die beiden als Vadder und Mudder Schulten (mit Zwergenmasken) norddeutsch wie ein altes Ehepaar kabbeln, dass neben den Böllern auch die Pointen in einem fort zünden.

Sonnenblumen, Waschzuber, Milchkrüge, Kellen, Gartenzwerge, Laternen, Sonnenschirme und eine Kuh: Die beiden früheren Ensemblemitglieder des Kammertheaters Neubrandenburg waren den ganzen Nachmittag am Aufbauen. Denn fast jedem kleinen Teil kommt in ihrer Aufführung eine Bedeutung zu, als Vadder Schulten angeblich nur ein kleines Gartenfeuerwerk abbrennen will und damit aber mehr und mehr die Lunte zum Ärger seiner Frau legt.

Die ist als Sicherheitsbeauftragte eigentlich immer am Rennen, schleppt Wasser vom einen Ende zum anderen, ohne dem Mann jemals wirklich hinterher zu kommen. Köstlich der Versuch von Marlies Hirche, sich auf einen kleinen Zwergenstuhl zu platzieren. Slapstick pur. Wie auch Oliver Dassing immer wichtig über die Wiese schreitet, immer auf der Suche nach Brennbarem, und sich in Pose wirft, wenn was klappt.

Running Gag der beiden ist das Warten auf Angelika, die aber auf dem Hof nach den Eseln schauen muss („Können wir jetzt anfangen, Jürgen?). Daraus entwickelt sich inmitten einiger unfreiwilliger Mitwirkender wie zahlreichen Fledermäusen und einer Armada von Heuschrecken das Vorspiel zum bunt-leuchtendem Himmel, wie er bereits mit viel Geböller ein paar Minuten vorher aus Richtung Lindenfels vom Burgfest zu erahnen war.

Alles blitzt, funkelt, leuchtet. Ob’s der Gartenzaun ist, die Gießkanne Funken sprüht oder Oliver Dassing mit grünlichen Sensennebel als ebensolcher –mann über die Wiese schreitet: Die beiden Komödianten zelebrieren ein großes Schauspiel vor den Ahs und Ohs der Zuschauer, die beim einen oder anderen Knall heftig zusammenzucken. Das Ganze angereicht mit ein paar Geschlechterklischees und fertig ist ein 45-minütiges Schauspiel.

Pyro im Namen deutet daraufhin, dass viele der Aufführungen mit theatralisch eingesetzten pyrotechnischen Elementen arbeiten, was sich auf der Tromm bestens erleben ließ. Die Romantiker wiederum verweisen auf den Wesenszug in ihrer künstlerischen Arbeit, der an die Veränderung der Welt durch (Theater-)Kunst glaubt, der die Szene noch als einen Ort der Verwirklichung von Träumen und Sehnsüchten sieht.

Vadder Schulten ist eigentlich immer am Schrauben. Natürlich klappt nicht alles, was bei seiner Frau zu einigem Ärgernis führt. Kurzer Familienstreit und Versöhnung inklusive, wird kurzerhand die Kuh angebrannt, die sowieso aussieht, als wäre sie Gunther Hagens für seine Körperwelten in die Hände gefallen. Alles dient der Vorbereitung aufs große Finale: Wenn sich der Feuerregen auf die Wiese ergießt, die bunten Raketen in den Himmel schießen und die ganze Tromm im großen Feuerwerk den sommerlichen Abgesang erlebt.

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