Dem Mond einen musikalischen Kick versetzen

Ein wenig Wehmut klingt mit, als Trommer-Sommer-Mastermind Jürgen Flügge den letzten Act des 24. Veranstaltungsjahrs ansagt: die Frauenband „Kick La Luna“. Die hat an diesem Abend ein eher überschaubares Publikum, das aber umso begeisterter bei der Sache ist. Und das, obwohl an diesem Sonntag die Temperaturen nicht so schnell fallen wie sonst, es in der Mitte des Theaters-Dreiseithof nicht gleich in den Keller geht, sodass alle zu bibbern anfangen. Dafür sorgen auch die drei Frauen, die kräftig zum Mitsingen und –klatschen animieren.

Ein paar aus den Anfangsjahren „sind noch dabei“, meinte Flügge mit Blick in die Menge. Darüber freute er sich besonders, denn für den Trommer Sommer gibt es kein Abo, „wo man hingeht, weil man muss“, wie er schmunzelte. Sondern alle kommen freiwillig auf die Höhe. Deshalb galt den „Hardcore-Fans“ sein besonderer Dank. Gerade weil diese damit Kultur abseits des Mainstreams unterstützten, kleine Perlen, die man in dieser Form sonst nicht auf dem Land findet.

Flügge bedauerte, dass die Kultur in der hiesigen Region „noch nicht so sehr in den Menschen verankert ist“. Das zeigte für ihn auch die Diskussion am Vormittag mit Kulturmachern und politischen Entscheidungsträgern. Er ätzte, dass für Kanaldeckel und Sportplätze mehr Geld vorhanden sei. Das Trio „Kick La Luna“ machte jedenfalls noch einmal deutlich, was den Überwäldern ohne den Trommer Sommer an Kulturellem fehlen würde – wie auch der Rest des Wochenendes Veranstaltungen bot, die man sonst eher nicht zu sehen bekommt.

„Tanze aus der Reihe“ heißt der neueste Song der weiblichen Weltmusik-Band. Seit 1992 vermischen die Frauen Ethno-Funk, Bossa, Soul, A-Cappella-Perlen und pulsierende Rhythmen. Einen Querschnitt des bisherigen Schaffens gab es nun auf der Tromm. Die Texte und Kompositionen stehen für Vielfalt und ein friedvolles Miteinander, machen Mut, berühren, reißen mit und rütteln auf, sagen sie von sich selbst.

Großen Anteil daran hat Frontfrau Elke Voltz (Gitarre), die sich den Gesang mit Uli Pfeifer (Bass/Gitarre) teilt. Sie ist von Soul und Gospel geprägt, was auch deutlich in ihrer ausdrucksvollen, wandlungsfähigen Stimme zum Ausdruck kommt. Mit der dominiert sie die Songs, bekommt das eine oder andere Mal auch Zwischenapplaus, etwa wenn sie ohne jegliche Begleitung ein Stück anstimmt.

„Wir spielen eine Auswahl unserer Lieblingslieder“, hatte Voltz zu Beginn angekündigt. Dass die Spannbreite ziemlich weit sein würde, ergab sich von selbst. Ganz in Weiß gekleidet, waren zuerst die USA das Ziel der musikalischen Frauenreise – natürlich nicht ohne ein paar Seitenhiebe gegen den dortigen herrschenden Mann. Großteils sind die Stücke von „Kick la Luna“ selbst geschrieben. Und die wenigen gecoverten Ausnahmen hört man sonst auch nicht jeden Tag im Radio.

Etwa Uli Pfeifers Erfahrungen damit, oft unvernünftig entschieden zu haben und es super zu finden. Mit einer Stimme wie früher Sade gibt sie dem Song einen besonderen Klang. Wie sich überhaupt die beiden Frauen am Mikro sehr gut ergänzen: die eine dunkel, rauchig, sonor, die andere hell, soulig, mit viel Power drin.

Und dann noch Angela Frontera am Schlagzeug. Die ist ein kleines Energiebündel. Sie wuselt schon zu Beginn auf der Bühne herum, als sie verspätet ihr Schlagzeug zusammenschraubt und dann auch noch einen Stimmen-Soundcheck machen muss. Der funktioniert zur Belustigung des Publikums nur, wenn sie dazu die Schlagzeugstöcke in die Hand nimmt und den Takt klopft. Auch zwischendurch ist sie immer für ein paar Grimassen gut oder werkelt unbeobachtet hinter ihrem Drumset herum, während sich die anderen beiden unterhalten.

Die Anfänge der Band liegen in Frankfurt, als sich dort Elke Voltz, Uli Pfeifer und Anne Breick kennenlernen. Letztere ist zwar auf der Tromm nicht dabei, aber nach wie vor Teil der Gruppe. Die Chemie stimmte gleich trotz der unterschiedlichen Charaktere. Die beförderten eher die große Bandbreite an Songs und Stilarten. Lateinamerikanisch, afrikanisch, maorisch oder auch mal „ganz langweilig“ deutsch angehaucht sind die Stücke. Jazz, Funk, Gospel, Pop fließen zusammen.

Das ergibt einen eingängigen Mix aus Gute-Laune-Musik, der auch im Überwald bestens ankommt, wie der herzliche Beifall beweist. Südamerikanische Rhythmen entführen an den Trommer Strand, perlende Klänge machen spontan Lust auf „Ice in the sunshine“. Aber wer die Frauenband-Band kennt, weiß auch, dass sie sich einmischt, gesellschaftskritisch ist. Und dafür auch ihre Stimme erhebt, was an diesem Abend ebenfalls deutlich wird.

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