Franz Kain lud sich unterhaltsame Gäste in den Schlosshof ein

Da ist der Lokalmatador in seinem Element. Wenn Franz Kain einlädt, ist natürlich auch ein saftiges Stück Franz Kain mit drin. Der Kabarettist kennt sie alle, die Woinemer Befindlichkeiten, und lässt sich trefflich „uff Woinemerisch“ drüber aus. Eingeladen hat er sich zum „Zehnjährigen“ als Solokünstler alte und junge Weggefährten zum Open-Air in den Schlosshof.

Eine sticht dabei besonders heraus und läuft dem Gastgeber fast den Rang ab: Anna Krämer, die als Sängerin begeistert und dabei noch Witz ohne Ende mitbringt. Aber sicher kein Problem für Kain: Denn er kennt die Vollblut-Entertainerin der „Schönen Mannheims“ ja schon lange. Markus König von den „Spitzklickern“ sowie Felicitas Hadzik und Kains Tochter Patricia als Duo „Zweisamkeit“ runden den gelungenen Abend ab.

Die Kugel Eis beim „Eishäusl“ für 1,10 Euro. „Ist auf die Waffel Pfand?“, fällt Kain da nur noch ein. Von Tempo 10 auf der Mannheimer Straße ist es nur ein kleiner Sprung zu den ewigen Autobahnbaustellen, bei denen nie ein Bauarbeiter anzutreffen ist. Der Kabarettist lässt sich wort- und gestenreich über die „Orte der Ruhe und des Friedens“ aus, menschenleer, das „Stonehenge des Straßenbaus“ mit den weiß-roten Pylonen.

Mit den Kaulquappen im Schlossparkteich hat Kain ein lohnendes Ziel seines Spotts gefunden, das mit viel Applaus honoriert wird. Schon wieder kann die Bühne dort nicht gestellt werden – letztes Jahr waren die Enten schuld. Seine Erstbesteigung des Boxspringbetts und der gequälte Müsliriegel-Ruf von Seitenbacher sind ebenfalls mitten aus dem Leben gegriffen.

Kontrastprogramm dann mit Felicitas Hadzik und Patricia Kain. „Waterloo“ aus dem Abba-Musical, das beeindruckende Duett „A million Dreams“ und „One Night only“ als Grund, „weshalb wir uns extra in die Paletten geschmissen haben“. Die beiden verstehen die Gäste im sehr gut gefüllten Schlosshof zu begeistern. „Der Papa hatte keine andere Wahl als uns auftreten zu lassen“, scherzt Patricia. Aber bestimmt nicht nur, weil sie seine Tochter ist… Das zeigen sie auch noch einmal in der zweiten Hälfte.

Markus König, grinst der Angesprochene, kennt er länger als seine Tochter. „Mit dem trete ich schon 36 Jahre auf“ – davon 27 mit den „Spitzklickern“. Beide schreiben auch gemeinsame die Szenen – das merkt man. Kain-König harmonieren wie ein altes Ehepaar und spielen sich wortreich gegenseitig die Bälle zu.

Ihr Sketch rund um die Fußballer-Väter, die sich einen Showdown neben dem Spielfeld liefern und dabei die Kids aufstacheln, dem jeweils anderen eine „Blutgrätsche“ zu verpassen, ist klasse. Immer mehr steigern sich die Comedians hinein, um sich dann selbst an die Gurgel zu gehen – wie aus dem richtigen Leben, woher die Idee natürlich auch stammt.

Auf die Spitze treiben es die beiden später als Kampfhundehalter von Drago und Milo. Das ist so derb, so herrlich, wie sich Kain und König über die Intoleranz der Nichthundehalter aufregen, aber gleichzeitig ihre Vierbeiner noch so richtig aufhetzen, am Jogger zu knabbern, dass einem fast das Lachen im Hals stecken bleibt. Die Rolle traut man Markus König, der sich vorher noch filigran auf dem Piano über die mitmenschlichen Klischees beklagt, gar nicht zu.

Zu didaktischer Hochform läuft der Spitzklicker daneben auf, wenn er falsche Wortbilder karikiert. Ob es ein Schlag mit Bronchial-Gewalt ist, Verkehrsschilder retouchiert werden, dem Kerl eine Lotion erteilt wird oder der Pflichtverteidiger eine Konifere ist: Wie er da auf dem Stuhl vor sich hinsinniert, hat das viel von einem Rolf Miller, der ebenfalls die Macht des (unausgesprochen) Wortes par excellence beherrscht.

Und dann kommt sie: Anna Krämer. Die „Crème de la Krämer“ hat es in sich. Das Publikum kann gar nicht anders, es ist mitten im Geschehen. Anna Krämer schreitet durch die Reihen, improvisiert, singt, bezirzt die Leute. Sie sprüht förmlich vor Lebenslust, ihre große Präsenz als Entertainerin ist im ganzen Schlosshof spürbar.

Einen drauf setzt sie noch mit dem „Baby don’t care“. Nicht nur die Stimme ist klasse, voluminös, wandlungsfähig, melodisch, Krämer schafft es zwischen den Songfragmenten in einer Riesenshow die Besucher mit deren angeblichen Gedanken einzubinden und später dann auf der Bühne das gleiche in umgekehrte Richtung zu variieren. Dann noch eine Hommage an Edith Piaf und Udo Jürgens: Das macht jetzt schon Lust auf ihren Soloauftritt in der Alten Druckerei am 8. November.

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