Austausch bei Windbeuteln über Windkraft

Die Lage ist einfach nur sehr idyllisch. Saftig-grüne Wiesen, dunkle Wälder ringsherum, viel Sonne: So herrlich liegt das Café Bauer im Gassbachtal. Von der Terrasse aus kann man in absoluter Ruhe den Blick über die Odenwald-Landschaft schweifen lassen. Bis er an dem Windrad hängen bleibt, das direkt über dem Waldstück in die Höhe ragt. Ein passender Ort für Landrat Christian Engelhardt, um unter dem Motto „Nachhaltiger Klimaschutz gegen nachhaltiger Landschaftsschutz“ über Windkraft ins Gespräch zu kommen.

Von der Walburgiskapelle aus war die kleine Gruppe zuvor mitten durch die Windenergieanlagen des Kahlbergs hinüber nach Hammelbach gewandert. Engelhardt besorgte sich noch kurz seine Sonnencreme, bevor man Open-Air Platz nahm. Roland Bauer gab dort Infos zum 1965 von seinem gegründeten Café, das er seit dem Jahr 2000 leitet. Spezialität: Windbeutel. Bürgermeister Markus Röth zeigte sich „froh über das Gassbachtal“, das „hochfrequentiert von Touristen“ sei. Die Windkraft sah er im Spannungsfeld zwischen Natur und Tourismus.

Röth war das „schwierige Feld“ bewusst, auf dem er sich bewegte. Denn Diskussionen seien leider „gar nicht großartig sachlich möglich“. An diesem Tag sowieso nicht, denn Windkraftgegner waren zu dem Termin nicht eingeladen. Mit dem BUND Bergstraße und seinem Vorstandssprecher Guido Carl kam allerdings ein expliziter Befürworter dieser Form der Erneuerbaren Energien ausführlich zu Wort.

Im Bereich Kahlberg arbeiteten laut Röth die Gemeindevertretungen von Grasellenbach und Fürth einvernehmlich zusammen. Zusammen mit einer guten Information der Bürger sah der Bürgermeister dies mit als Grund, dass es „eine im Vergleich ruhige Ecke“ sei, wenn es um Proteste gehe. Jedoch gibt es seinen Worten zufolge „sicherlich Dinge, die Anwohner stören könnten“. Deshalb sollte man eventuell auch Nachuntersuchungen ins Auge fassen und über die Abschaltzeiten reden.

„Wenn das mit den Leitungen funktionieren würde“, so Röth, könnten theoretisch 18.000 Haushalte und somit mehr als der gesamte Überwald durch die fünf Windräder mit Strom versorgt werden. „Auf jeden Fall besser als Kohlestrom oder Atomkraft“, postulierte er die Rotoren als eine Art kleineres Übel. Windkraft ist seiner Meinung nach „machbar und sinnvoll, wenn der Odenwald nicht zugekleistert wird“.

Wenn es aber zu viele Anlagen werden, meinte er mit Blick auf den benachbarten Odenwaldkreis, in dem mehr Vorrangflächen als im Kreis Bergstraße ausgewiesen sind, „dann ist der Grundkonsens in der Bevölkerung weg“. Deshalb müsse die Landesregierung auch darauf achten, „dass die Verteilung nicht zu ungleich wird“.

Laut Engelhardt ist die Position des Kreises eindeutig. Oder anders: Er hat keine eigene dazu und unterstützt die Kommunen in ihren jeweiligen Ansinnen, egal wie die jetzt aussehen – ob sie für oder gegen Windkraft ausgerichtet sind. Denn: Diese Energieform leiste ihren Beitrag zum Klimaschutz, aber sei in ihrer Auswirkung doch sehr lokal bezogen, sagte der Landrat. Da die Gemeinden für die Lebensverhältnisse vor Ort zuständig sind, wolle man diesen die Entscheidung überlassen. Denn: Was geschehe, muss in einen demokratischen Prozess einbezogen und „dauerhaft mehrheitsfähig sein“.

Fürths Bürgermeister Volker Öhlenschläger erläuterte, dass man sich im Weschnitztal „dem Thema frühzeitig stellte“, nämlich schon ab 2009. Zum Kalhberg gab es dort ein klares Bekenntnis. Die weitere Entwicklung, betonte er, sollte weitgehend im Konsens mit dem Bürgern gestaltet werden. „Sonst werden wir Schiffbruch erleiden.“ Öhlenschläger ist eine klare Linie, eine ordentliche Steuerung wichtig, „damit die Menschen keine Angst haben“.

Laut dem Gemeindeoberhaupt hat die Anlage auf dem Kahlberg den höchsten Ertrag der fünf ähnlich gelagerten EnBW-Anlagen in Süddeutschland. Gewerbesteuer wird daraus in den ersten Jahren noch keine fließen, da es hohe Abschreibungen aus den Investitionen gibt. Die Pachteinnahmen für die Grundstücke teilen sich beide Gemeinden hälftig. „Wir wollen gestalten“, betonte er, um die weitre Planung nicht über sich ergehen zu lassen.

Der BUND versteht sich laut Carl „als Energiewendeverband“. Der Klimawandel komme viel schneller als erwartet und deshalb müsse zügig gehandelt werden. „Wo ist die Alternative zur Windkraft“, stellte er in den Raum. Es gehe nicht um die Frage, wie viel es sein solle, sondern „wie wenig wir uns noch leisten können“, um den Klimawandel aufzuhalten. Die Menschen, so seine Vermutung, „werden sich daran gewöhnen und in Zukunft ihren Frieden damit machen“.

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