Nach zwölf Jahren kehrt der Landkreis Bergstraße in die gemeinsame touristische Vermarktung des Odenwalds zurück

West- und Ost-Odenwald sind wieder vereint. Oder wie es der Landrat des Odenwaldkreises, Frank Matiaske, formulierte: „Alte Liebe rostet nicht.“ Nach zwölf Jahren Pause machen die vier Landkreise mit Odenwald-Anteil in Sachen Tourismus wieder gemeinsame Sache, da der Kreis Bergstraße seine „Auszeit“ aufgab und zum bisherigen Trio zurückkehrte. Dessen Landrat Christian Engelhardt betonte ebenso wie sein Amtskollege die große Bedeutung dieses Schritts, um jetzt als Destination Bergstraße-Odenwald zusammen mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem bayrischen Miltenberg geschlossen auftreten zu können.

Seit Matiaske und Engelhardt im Amt sind, war es ein gemeinsames Vorhaben der beiden, die touristischen Aktivitäten wieder unter einem Dach zu bündeln. Viele Hürden galt es allerdings zu überwinden, bis es jetzt mit der feierlichen Vertragsunterzeichnung soweit war. Um deren Überwindung kümmerte sich federführend Kornelia Horn vom Verein Touristik Service Odenwald-Bergstraße (TSOB). Der Beitritt gilt rückwirkend zum Jahresanfang.

Der Verein überweist die Mitgliedsbeiträge als Zuschuss an die Odenwald Tourismus-Gesellschaft, die das operative Geschäft erledigt, erläuterte Matiaske. In deren Vorstand wurde Engelhardt auf der Mitgliederversammlung als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats gewählt. Nach zwölf Jahren Trennung „kommen wir mit noch mehr Beteiligung zurück“, betonte dieser. Das neue Gebilde deckt sich seinen Worten zufolge „in großen Teilen mit dem Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald“.

„Es kostete viele Gespräche“, meinte Engelhardt. Dicke Bretter waren zu bohren. Er sieht aber in der Wiedervereinigung „eine tolle Chance für den Tourismus“. Dies mit Unterstützung des Landes Hessen, das „den Tourismus größer denken wollte“. Es lässt dafür auch etwas springen: 125.000 Euro. Der Landkreis Bergstraße, so Engelhardt, investiert sogar eine größere Summe: 200.000 Euro jährlich zusätzlich zu den bisherigen Mitteln, die in diesen Bereich flossen.

Der Landrat bezeichnete den Tourismus auf der einen Seite als Wirtschaftsfaktor, auf der anderen aber auch als Quell der Lebensqualität für die Bürger. „Gemeinsam sind wir das Land der Nibelungen“, hob er hervor, von Worms bis hin zu den Siegfriedbrunnen, die sogar im Bayrischen verortet werden. Die Gebiete „wachsen zu einer gemeinsamen Region zusammen“.

Der Mix aus Bergstraße und Odenwald mit ihren jeweiligen Produkten und die vielen Freizeitaktivitäten „machen die hiesige Lebensqualität aus“, so Engelhardt. Bereits im Vorfeld entfaltete Kornelia Horn einige Aktivitäten, was etwa in den Gruppenangeboten zum Ausdruck kommt. Denn Touristen schauen nicht nur auf die örtlichen Angebote, sondern wollen wissen, was in einem Umkreis von 50 Kilometern geboten wird. „Wir zeigen aber auch den Einheimischen, was es alles gibt“, sagte er. Durch die Förderung des Landes „können wir jetzt mehr machen“.

Mit den neuen finanziellen Möglichkeiten, zu denen auch eine Leader-Förderung über 150.000 Euro zählt, werden „ungeahnte Möglichkeiten eröffnet“, freute sich Matiaske. Vor fünf Jahren sei dies noch nicht möglich gewesen. Er zollte Kornelia Horn große Anerkennung. „Sie hat es wirklich hinbekommen, diese Allianz zu schmieden“. Der Odenwaldkreis-Landrat sprach von einer „Win-win-Situation für alle“.

Das Naturerlebnis sei ein „brandaktuelles Thema“, betonte Matiaske mit Blick auf die Grünen-Erfolge oder die „Fridays for future“-Bewegung. Engelhardt ergänzte: „Der Wunsch nach einer nachhaltig entwickelten Umwelt kann hiererfüllt werden.“ Durch die Eingliederung der Bergstraße sei man nun noch breiter aufgestellt.

Engelhardts Worten nach wurden „komplett neue Strukturen geschaffen“. Was aber nicht heißt, dass es unterschiedliche Ansprachen geben müsse: Deshalb wird eine zweite Strukturebene touristischer Arbeitsgemeinschaften installiert, für Bergstraße und vorderen Odenwald. Der Landrat sprach von einem „richtigen Leuchtturm“, der über die einzelnen Destinationen herausstrahlt. Matiaske wies schmunzelnd auf den Zusammenschluss auch beim Tischgetränk hin: Das Premium-Wasser der Odenwaldquelle wird in Oberzent-Finkenbach im Auftrag einer in Heppenheim sesshaften Firma abgefüllt.

„E kommt wieder zusammen, was zusammen gehört“, meinte für den Landkreis Darmstadt-Dieburg Hans-Georg Schöpp als ständiger Vertreter der Landrats. „Der Verbraucher macht nicht vor Landesgrenzen halt“, sagte er. Die Region hat unheimlich viel zu bieten: „Natur, Kultur, Wein, Brauereien“, schmunzelte er. Kornelia Horn zeigte sich begeistert, „welche Vielfalt jetzt angeboten werden kann“. Man wolle nun „an dem fantastischen Angebot weiter arbeiten“.

Der Verein Touristik Service Odenwald-Bergstraße (TSOB) umfasst die Gebietskulisse des hessischen und bayerischen Odenwaldes. Kooperationspartner im badischen Teil des Odenwaldes ist die Touristikgemeinschaft Odenwald. Ziele des Verbandes sind die Erhöhung des Bekanntheitsgrades des Odenwaldes, die Herausstellung der Vorzüge des Odenwaldes als attraktives Reiseziel, allgemeine Imagewerbung für den Tourismus im Odenwald, die Entwicklung und Umsetzung von Marketingkonzepten für den Odenwald, kreis- und länderübergreifende Kooperationen mit anderen Tourismusorganisationen zum Zweck der allgemeinen Tourismusförderung im Odenwald, allgemeine Marktforschung zum Tourismus im Odenwald.

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