Fahrradwerkstatt ist eine Erfolgsgeschichte

Von den Nachfragen und den Spenden „sind wir sehr positiv überrascht“, freut sich Dennis Johann nach einem Jahr Fahrradwerkstatt in der Pestalozzistraße 15. Das ehrenamtliche Projekt der Initiative „Wald-Michelbach hilft“ wird von ihm zusammen mit Rüdiger Mieslinger betreut. „Die 100 dürfen wir geknackt haben“, schätzt dessen Frau Gabi die Gesamtzahl der inzwischen reparierten, angenommenen und vermittelten Untersätze. Eine Erfolgsgeschichte, die weitergeführt wird.

Bevor die Fahrradwerkstatt ins Leben gerufen wurde, „sammelte“ bereits AWo-Vorsitzende Christine Engesser Drahtesel, die damals in Schönmattenwag gelagert wurden. Mit Einweihung im ehemaligen Feuerwehrgebäude gab es einen Spendenaufruf, der auf große Resonanz stieß. Was Gabi Michel-Mieslinger freut: „Die Räder waren alle in einem recht guten Zustand.“ Viele konnten, wenn sie verkehrstauglich waren, direkt vermittelt werden.

Zuerst profitierten davon nicht motorisierte Flüchtlinge, nach und nach wurde das Angebot dann auch auf Wald-Michelbacher Bürger ausgeweitet, die nicht so flüssig sind und sich keinen fahrbaren Untersatz leisten können. Sie weiß um die große Dankbarkeit der Rad-Empfänger. „Die sind dann unabhängig und mobil.“ Michel-Mieslinger hörte sogar von einem, der jeden Tag damit zur Arbeit ins Ried fährt. Die Kinder, die bisher nicht Rad fahren konnten, üben sich darin „und führen uns dann ganz stolz vor, dass sie es gelernt haben“.

Auf der faulen Haut liegen, während andere das Rad reparieren, ist aber nicht. Der neue Besitzer sucht sich das Gefährt aus und hilft bei der Instandsetzung mit, betont Dennis Johann. Bezahlt werden muss dann nur das notwendige Material. Hier kann die Werkstatt einen guten Preis machen, da einiges davon über eine Spende des Programms „500 Land-Initiativen“ angeschafft werden konnte. Meistens, weiß Johann, sind Reifen, Mantel und Schläuche oder Verschleißteile wie Bremsen, Sattel oder Ketten zu ersetzen.

Der ehrenamtliche Helfer betont den Charakter der „Hilfe zur Selbsthilfe“, egal ob ein gespendetes Rad ausgesucht oder ein reparaturbedürftiges vorbeigebracht wird. So oder so: Das gemeinsame Schrauben steht im Mittelpunkt. Derzeit gibt es etliche Räder im Lager. Johann zeigt sich selbst überrascht davon, „dass so viele nicht mehr benötigte im Umlauf sind“. Das könnte am E-Bike-Trend liegen, mutmaßt er.

Die Nachfrage ist nach wie vor gegeben, stellt er immer wieder fest. „Besonders samstags ist richtig viel zu tun.“ Stark gefragt sind Mountainbikes, deshalb stehen auch etliche Trekkingräder bei den Stahlrössern. Kinderräder werden ebenfalls immer gebraucht. „Wir hatten bei denen mal eine Durststrecke, sind aber jetzt wieder ganz gut ausgestattet“, freut sich Johann.

Was Rüdiger Mieslinger ganz wichtig ist: „Jeder kann in die Fahrradwerkstatt kommen, nicht nur Flüchtlinge.“ Die Initiative hat inzwischen Kreise gezogen, stellt er fest. Auch aus umliegenden Gemeinden, sogar aus Weinheim und dem Weschnitztal, waren schon Leute da. Die gaben zum einen Räder ab, holten sich aber „nach gemeinsamer Reparatur auch welche ab“.

Das Team will aber nicht nur dabei unterstützen, den Drahtesel auf Vordermann zu bringen, sondern gleichzeitig auch das richtige Verhalten im Straßenverkehr vermitteln. „Wir haben die Verkehrsordnung in verschiedenen Sprachen als Infoblatt parat“, erläutert Johann. Außerdem ist die Werkstatt auch gut mit Kinderhelmen eingedeckt. „Das Radwegenetz im Überwald ist nicht so gut ausgebaut“, weiß er.

Nach dem letzten Runden Tisch Anfang des Jahr stieg zwar der Bekanntheitsgrad der Radwerkstatt, „aber wir wollen noch mehr in der Öffentlichkeit präsent sein“, sagt der Helfer. Er hebt hervor: „Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu Fahrradgeschäften.“ Für weitere Unterstützung sind die beiden dankbar, da sich bisher die Arbeit nur auf ihre Schultern verteilt. Dennis Johann denkt dabei an Jugendliche, „die Lust haben zu schrauben“. Zu diesem Zweck will man in die Vereine reingehen und Werbung machen.

Die „500 Land-Initiativen“ als Teil des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung waren ein Segen für den Aufbau der Radwerkstatt, erläutert Dennis Johann. Denn damit konnte eine Grundausstattung realisiert werden. Außerdem hatte man die Möglichkeit, einen gewissen Bestand der meist benötigten Reifengrößen von 26 und 28 Zoll anzuschaffen. Klingeln, Ständer, Beleuchtung, Schläuche, Birnen und Griffe gehören ebenfalls zum Grundbestand.

Info: Die Fahrradwerkstatt in der ehemaligen Feuerwehrwache Wald-Michelbach, Pestalozzistraße 15, hat wieder am Samstag, 15. Juni, von 10 bis 13 Uhr geöffnet, danach am Dienstag, 18. Juni, 17 bis 18.30 Uhr. Die Reparatur der Räder geschieht zusammen mit dem (neuen) Besitzer. Fahrräder müssen gebracht werden. Eine Abholung gibt es nicht mehr. Kontakt: Rüdiger Mieslinger, Telefon 06207/9499220.

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