Lucky Wilson macht die Zuschauer im Muddys glücklich

Lucky Wilson macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Der Weinheimer Bernd Hoffmann vereinnahmt sie mit seiner Band einfach alle: die Mitmusiker werden quasi adoptiert, die Komponisten der gespielten Coversongs zu entfernten Verwandten erklärt – und eigentlich haben die ja geklaut. Wahrscheinlich wird der Trick bei der Gema trotzdem nicht funktionieren. Mit der Mischung aus Americana, Country (und Western), Blues und einer Prise Rock hatte die Lucky Wilson Band beim Heimspiel im „Muddys Club“ leichtes Spiel.

Santa Claus Wilson (Klaus Pelzer), Virginia Wilson, geborene Woolfe (Verena Rach), „Babyface“ Phil Wilson (Philipp Wetzel) und Willie Wilson (Bernd Windisch) sind der Schnodder-Schnauze des Familienoberhaupts auf der engen Bühne voll ausgesetzt. Erst stellt der mal klar, dass der jüngste der Truppe, Gitarrist Phil, „nicht zu Kelly-Family gehört“. Willie, kolportiert der Bandleader, hat es nicht so mit den Zahlen und wurde deshalb Bassist.

Verena Rach an Geige, Akkordeon und Gesang kommt in der Aufzählung noch am besten weg. Denn Schlagzeuger Sante Claus wird unterstellt, der habe sich in seiner Jugend für ganz anderes Schlagzeug wie etwa Baseballschläger interessiert. Zusammen reiten die wilden Cowboys mit ihren Instrumenten musikalisch wie die wilde Horde an der Bergstraße entlang hinein in den Odenwald. Bieten aber trotz der martialischen Ankündigung Gute-Laune-Musik und angenehme abendliche Klänge.

Als einer der „entfernten Verwandten“ kommt Solomon Burke zum Zug. Der war ein US-amerikanischer Soul- und Rhythm-and-Blues-Sänger, dessen Song „Millionaire“ von der Band rübergebracht wird. Hoffmanns Eigenkomposition „Wedding day“ beschäftigt sich mit dem vorgeblich schönsten Tag des Lebens, „The Castle is still there“ ist der Weinheimer Burg gewidmet, die „Grandpa Wilson“ jeden Tag aus dem Fenster sieht. Hier geht’s durch die sehr gefühlvollen, schwebenden Geigentöne schon fast Richtung Irish Folk.

Ein paar Songs auf der akustischen Gitarre gezupft, dann mal wieder ein paar verzerrte Töne, die melodische Geige: Die beiden Männer und die Frau an den Saiteninstrumenten bestimmen das Bild. Bass und Schlagzeug halten sich dezent im Hintergrund, überlassen dem Bandleader mit seinen launigen Ansagen das Feld.

Die Musik ist an diesem Abend ein langer, ruhiger Fluss, kommt eher gemächlich rüber. Passend dazu lodert neben der Bühne in einem vorgeblich alten Röhrenfernseher ein behagliches Kaminfeuer vor sich hin. Wohlfühl-Atmosphäre pur, die von den Besuchern im Keller immer wieder mit reichlich Beifall für die Leistungen der Musiker goutiert wird.

Fast meint man schon das Bonanza-Thema zu hören oder Fury um die Ecke reiten zu sehen, wenn die Gruppe den „Tennessee Stud“ anstimmt. Virginia Wilson nimmt die à la Monty Python die Kokosnussschalen zur Hand, um Hufgeklapper zu erzeugen. Die E-Gitarre verleiht dem countrylastigen Stück dann doch noch einen rockigen Touch.

Ob Tom Petty oder Tom Waits: Über ein paar Ecken sind sie alle mit den Wilsons verwandt, ob sie wollen oder nicht. Pettys „She’s the one“ kommt mit zwei E-Gitarren und der Mundharmonika schön flott rüber. Auch Hoffmanns Eigenkomposition „Favourite Son“, geschrieben für einen Münsteraner Tatort, sieht den jüngsten im Bunde als filigran auf seinem Instrument. Mit Verena Rach am Gesang bekommt Bob Dylons „Believe in you“ anschließend einen ganz neuen Touch.

„Finest Amerikana Music“ auch danach. Nicht nur Country, sondern auch Chart-Songs und unvergessene Klassiker hat die Gruppe in den mehr als zwei Stunden ihres Programm auf der Setliste. „Come together“ zeigt in den Zugabe die Beatles von einer ganz neuen Seite. Der „Bartender Blues“ von James Taylor ist an diesem Abend natürlich dem Club gewidmet. „Roly Poly” macht Laune: Der humorvolle Western-Swing-Standard, 1946 von Fred Rose geschrieben, ist ein Klassiker mit seiner dauernden Wiederholung des Themas.

„Hidden From The Eyes“ ist ein ironischer Song Hoffmanns über das Chatten pubertierender Jugendlicher. „Happy Sad And Lonely Blues“ war für den Grandpa zwiespältig, denn eigentlich ist er ein viel zu fröhlicher Mensch, um Blues-Songs zu schreiben. „Ol‘ 55“, die Hommage von Tom Waits an einen Straßenkreuzer, gibt‘s zum Schluss auch noch zu hören, bevor sich die Truppe wieder auf die Flucht vor den Sheriffs macht.

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