Begeisternde „Zeitreise“ der KKM beim Jahreskonzert

Zum Schluss gab’s Standing Ovations. Die waren nur folgerichtig und verdient. Denn was Jugend- und Gesamtorchester sowie die Formation Sax-Pur in den drei Stunden zuvor im Pfarr- und Jugendheim geboten hatte, war eine „Zeitreise“ allererster Güte. Unter dieses Motto hatten die drei Ensembles der katholischen Kirchenmusik (KKM) ihr Jahreskonzert gestellt. Weil man im Ort weiß, was man an seinem Kulturträger hat, platzte der ausverkaufte Saal aus allen Nähten.

Ein Verein ist nichts ohne seine helfenden Hände, ein Orchester ist nichts ohne seine aktiven Musiker. Neben allen anderen an diesem Abend Beteiligten wurden zwei besonders hervorgehoben: zum einen die „Beerenweiber“, die in den 40 Jahren ihres Bestehens der KKM immer unter die Arme griffen. Von ihnen wurden unter anderem die Jubiläumsschnitzel serviert, die reißenden Absatz fanden und mittendrin nachgeordert werden mussten. Zum anderen Ulrich Schmitt, auch „Tuba-Uli“ genannt, der dem Ensemble seit aktiven 40 Jahren angehört.

Als das große Orchester, wie die Jugend ebenfalls unter der Leitung von Alexander Kropp, mit 45 Mann und Frau nach der Pause auf der Bühne Platz nimmt, macht sich erwartungsvolle Stille breit. Ehrenvorsitzender Michael Wetzel ergreift in diesem Teil des Abends das Mikro, während zuvor der neue Vorsitzende Thomas Rolli durchs Programm führt. Mächtig, majestätisch und durch den damaligen Hauptdarsteller auch sehr muskulös startet „Conan der Barbar“, mit dessen Aufführung die KKM gleich ein Zeichen setzt.

Dominiert von den widerhallenden Trommelklängen, beeindruckt das Stück von Basil Poledouris mit vielen Tempiwechseln, gibt den einzelnen Instrumentengruppe viel Luft, sich in Szene zu setzen, fordert das 1963 gegründete Orchester sowohl in seiner Gesamtheit als auch in den klangvollen Teilen. Schon hier zeigt sich, dass Alex Kropp und der Musikerausschuss bei der Songauswahl voll ins Schwarze getroffen haben.

Fetzige Stücke, egal ob sie nun aus der Klassik oder dem Rockbereich stammen – oder wie Bachs „Toccata“ in einer Version der Rockgruppe „Sky“ zu hören sind –, wechseln sich ab mit eher getragenen Liedern wie Mozarts „Arietta“, die Arie des Cherubino. Die lassen einen Moment innehalten, bevor der Klangkörper dann wieder mit seinem perfekten Spiel, dem Mann am Dirigentenpult aufs Genaueste folgend, die Gäste mitnimmt durch Raum und Zeit.

Wie etwa beim Thema von „Zurück in die Zukunft“, den Klassiker aus dem Jahr 1985 mit Michael J. Fox. Die Musik zu dieser Filmkomödie wurde von Alan Silvestri geschrieben. Frank Bernaerts hat das heldenhafte Hauptthema so geschickt arrangiert, dass man den zeitreisenden DeLorean mit dem Flux-Kondensator meint durch die Halle fliegen zu sehen, umgebend von durch die Musik herbeigezauberten Blitzen.

Zurück zu Bachs Toccata, deren Interpretation eine Zeitreise par excellence darstellt. Das d-Moll-Werk, Anfang des 18. Jahrhunderts geschrieben, ist mit dem treibenden Schlagzeug eine Perle des Abends. Ein voller, voluminöser Big-Band-Sound schallt von der Bühne, das klassische Stück wird mit einem enormen Drive gespielt, sodass man seine Herkunft fast nicht glauben mag.

Rolli und Wetzel streuen neben den Infos zu den Liedern auch immer wieder Informatives ein, so zum 2003 gegründeten Jugendorchester oder zu Sax-Pur, das 2015 aus der Taufe gehoben wurde. Das Quartett, bestehend aus Leiterin Kathrin Lammer (Bariton-Saxophon), Lisa Beckert (Altsaxophon), Alexandra Schmitt (Sopran- und Altsaxophon), Richard Hintenlang (Tenorsaxophon), hatte sich einigen Musikklassikern angenommen: „Viva la Vida“, „Hit the Road Jack“ und die Titelmelodie des „Rosaroten Panthers“ wussten zu gefallen.

Den Anfang machte das 18-köpfige Jugendorchester. Alexander Kropp setzte auch hier auf eine Reise durch Zeit und Stilrichtungen. Über „Game of Thrones“ und „Pachelbels Kanon“ bis hin zu „Hooked on a Feeling” oder „Happy“ von Pharrell Williams erstreckte sich der Musikgenuss der jungen Musiker, deren Entwicklung auf ihren Instrumenten dank der intensiven Arbeit von Kropp deutlich herauszuhören ist.

Ein Name fiel während des Konzerts immer wieder: der des im vergangenen Jahr verstorbenen Vorsitzenden Thomas Lammer. Seine Leistung über drei Jahrzehnte hinweg wurde allseits gewürdigt, wie auch die von Ehrendirigent Artur Kumpf. Was beide in dieser Zeit mit aufbauten, ließ sich bei der Veranstaltung immer wieder eindrucksvoll miterleben.

Und kam auch im letzten, gefeierten Stück vor der Zugabe rüber: dem 80er-Jahre Medley. Bei „Skandal im Sperrbezirk“,  „Ohne dich schlaf` ich heut Nacht nicht ein“, „1000 und eine Nacht“, „Rock Me Amadeus“ und als krönenden Abschluss „Sternenhimmel“ von Hubert Kah, als der ganze Saal mitsang, zeigte sich das große Orchester noch einmal von einer überbordenden Spielfreude, die einfach nur mitriss.

Das Jahreskonzert, in den vergangenen Jahren zu unterschiedlichen Terminen, soll wieder seinen festen Platz bekommen: immer am Abend vor Muttertag, kündigte Rolli an. Wetzel nutzte kurz vor Schluss die Gelegenheit und machte ein wenig Werbung in eigener Sache: Die Owwer-Stoanischer Kerwe vom 21. bis 24. Juni wird von der KKM ausgerichtet und bietet einige Highlights. Neben dem Auftritt der bayrischen Partyband „Die Lausbuba“ am Kerwefreitag wird der Samstagabend „sicherlich in die Annalen unseres Dorfes eingehen“, versprach Michael Wetzel. Auf Initiative der Stoanischer Vollblutmusiker Peter Beckenbach, Roland Grössl und Peter Becker heißt es dann „Ein Dorf macht Musik“ mit über 30 Mitwirkenden aus allen drei Ortsteilen.

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