Bei Stillfüssel geht’s jetzt in die Hauptklage

Verbinden und nicht spalten: Unter dieses Motto hatten die Initiatoren von Bürgerinitiativen (BI) Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbachtal ihr zweites „Schwachwindfest“ gestellt, das – guter Planung sei Dank – dieses Mal nicht den Wetterunbilden ausgesetzt war, sondern im Bürgerhaus stattfand. Drei Bands spielten am Nachmittag und Abend auf, während fürs leibliche Wohl bestens gesorgt war und natürlich die Info-Vermittlung im Mittelpunkt stand.

„Es war eine gute Veranstaltung“, bilanzierte Organisator Udo Bergfeld. Der Zuspruch litt im Außenbereich leider unter dem Wetter, aber drinnen war es zu jeder Zeit gut besucht. Er stellte eine stetes Kommen und Gehen fest. Auch die Bands kamen seiner Beobachtung nach „hervorragend an“. Auf der Bühne waren Peter Geisinger mit „Jazz & Samba by P.M.D.“, die „Paraberries“ und die „Old farts on stage“ (Ofos) vertreten.

In Sichtweite der fünf Windräder am Windpark Stillfüssel, die sich gemächlich in der Wolkendecke drehten, meinte Bergfeld: „Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen.“ In diesen Zusammenhang stellte er auch die Infos über die sogenannten Weißflächen, die dem Windenergie-Regionalplan am 14. Juni in der Regionalversammlung zur Verabschiedung verhelfen sollen. Dabei handelt es sich um Gebiete, die aufgrund bestimmter Kriterien wie besonders schützenwerte Fauna erst einmal aus der Planung herausgenommen werden sollen.

Für Bergfeld handelt es sich dabei aber um „eine Hütchenspielerei“. Denn diese Gebiete würden nur vorübergehend zurückgestellt. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid wolle mit diesem „Taschenspielertrick“ nur erreichen, dass über den Regionalplan abgestimmt werde „und die Flächen dann zur Verfügung stehen“. Den BI geht das gegen den Strich. Sie setzen sich laut Bergfeld vehement für eine dritte Offenlage des Regionalplans ein und wollen in deren Rahmen weitere Gutachten erstellen lassen. „Wir kämpfen dafür“, ergänzte auch Matthias Vercrusse.

Denn: „Die Weißflächen sind nicht aus der Planung draußen, sondern können wieder reingenommen werden“, betonte Bergfeld die „Augenwischerei“. Die Bürger werden seiner Meinung nach getäuscht, weil ihnen suggeriert werde, dass Flockenbusch oder Meisenberg auf Wald-Michelbacher Gemarkung windradfrei blieben. Beide seien zwar im Flächennutzungsplan der Gemeinde nicht enthalten, aber eben im Regionalplan. Und der greift im Zweifelsfall, da er auf höherer Ebene verabschiedet werde, hob der Aktive hervor.

Der BI-Sprecher führte mehrere Argumente gegen Windräder ins Feld: Inzwischen gebe es 31.000 davon in Deutschland, „aber keine CO2-Reduzierung“. Und die Förderung erneuerbarer Energien werde ja immer damit begründet, dass man dem durch fossile Energieträger forcierten Klimawandel infolge von zu viel Kohlendioxid-Ausstoß entgegentreten will. Zweiter Punkt: Der Strom wird immer teurer. „Die Deutschen zahlen in Europa den höchsten Preis“, so Bergfeld. Je mehr Windräder gebaut werden, desto größer sei deren Förderung über die EEG-Umlage, desto höher der Preis für die Endverbraucher.

Bergeld wies in seinen Worten auf die zahlreichen Aktionen der vergangenen Zeit hin. So etliche 10.000 Einwendungen gegen den Bau des Windparks, 21.000 Unterschriften gegen den Teilflächennutzungsplan Erneuerbare Energien, wie der Regionalplan ausgeschrieben heißt, oder das deutschlandweite Lichtermeer am 7. März. Was ihn zur pauschalen Aussage führte: „Die Leute sind nicht damit einverstanden, dass Windräder gebaut werden.“

Denn letztlich, bemängelte der BI-Mann, könnten die Überschüsse sowieso nicht gespeichert und müssten ins Ausland verkauft werden. Paradox: Wenn der Wind zu heftig weht und damit sehr viel Strom produziert wird, müssen die Anlagen abgeschaltet werden, weil man nicht wisse, wohin mit der ganzen Energie. Die die leistungsfähigen Leitungen fehlten.

Mit dem Windpark Stillfüssel „gehen wir jetzt in die Hauptklage“, erläuterte Bergfeld. Auch wenn es vielleicht durch vorherige Entscheidungen so aussehen könnte, „ist noch nichts aussichtslos“, betonte er. Denn letztendlich fange das Verfahren jetzt ganz neu am Darmstädter Verwaltungsgericht an. Er rechnete damit, dass es sich ein paar Jahre hinziehen wird.

„Was den Betreibern weh tut“, weiß Bergfeld, seien die Abschaltzeiten etwa wegen Fledermausflug. Er wies daneben auf den Schaden hin, den die Rotoren in der Insektenwelt anrichteten. Dass diese ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden müssten, weil sonst die Leistung zurückgehe, komme nicht von ungefähr. „Die richten so viel Schaden an wie im Jahr 40 Millionen Autos“, sagte er.

 

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