Gefragt ist das eiskalte Händchen beim Ostereier-Fangen

Es sind immer die gleichen, die beim Ostereierwerfen des TSV Aschbach die vorderen Plätze unter sich ausmachen. 2017 siegten Frank Hartmann und Michael Weihrauch mit 40 Metern, ein Jahr später waren es mit 46 Metern Olaf Lanzas und Holger Krapp exakt mit derselben Weite wie Timo Riebel und Carsten Weihrauch. Die hatten bereits 2016 mit damals 48 Metern dominiert. Und jetzt wieder: mit ebenfalls exakt 48 Metern. Im Stechen ließen die beiden Sandro Riebel und Ali Baytürk hinter sich, die Gewinner von 2015. Michael Weihrauch und Frank Hartmann kamen den beiden Finalisten mit 45 Metern ziemlich nah.

So unfair ist eben der Wettbewerb. War einem das Glück einmal hold, so zerrann es das andere Mal wie Eigelb unter den Fingern. Insgesamt 21 Teams, sieben auf Kinderseite, eine Frauenmannschaft und 13 Männerduos waren diesmal beim 24. Ostereierwerfen des TSV Aschbach auf dem Kerweplatz am Start. Was 210 fliegende Eier „von glücklichen Hühnern“ bedeutete, die fein säuberlich abgezählt den beiden Akteuren übergeben wurden. 300 Eier hatte der Verein vorsichtshalber organisiert. In zwei Durchgängen à fünf Wurf galt es nicht nur, das rohe Ei möglichst weit zu befördern, sondern auch so zu werfen, dass es der Fänger in einem Stück aus der Luft holen konnte.

Und genau das war die Schwierigkeit bei dieser Gaudi: Denn weit werfen kann jeder, wie die diversen Einschläge bei über 50 Meter zeigten. Aber das mit dem Fangen müssen ein paar Teams noch in einer ruhigen Minute vor Ostern 2020 üben. Die zahlreichen Schaulustigen auf dem Platz kamen bei herrlichem Frühlingswetter somit voll auf ihre Kosten. Einige hämische Lacher waren zu hören, allerdings mussten die ganz Vorwitzigen ab und zu auch mal zur Seite springen, wenn ein Wurfgeschoss von seinem Weg abkam und zwischen ihnen einzuschlagen drohte. Ein paar Ahs und Ohs begleiteten die Querschläger.

Nicht nur, dass die meisten Eier den Fängern zwischen den Fingern zerklatschten und -matschten. Manchmal standen sie auch den gefährlichen Wurfgeschossen so ungünstig im Weg, dass die Hose danach einen Stich ins Eigelbe hatte, das Hemd ein neues Muster Marke Eischale aufwies. Besonders gefährlich lebte und sah dann entsprechend aus, wer versuchte das Ei direkt vor dem Gesicht aus der Luft zu pflücken anstatt – wie die Profis – die seitliche Herangehensweise zu wählen. Manche Werfer schafften es sogar, bei zu steilem Abflug die überhängenden Äste am Start zu erwischen, womit sich das Ei schon auf den ersten Metern in seine Einzelteile zerlegte.

Horst Gramlich am Mikro blieben diese Patzer natürlich nicht verborgen. Er kommentierte mal liebevoll, mal gehässig kleinere Ausrutscher, motivierte die Zuschauer zum Anfeuern oder hatte ein paar aufmunternde und mahnende Worte für die Werfer parat. Einmal gab’s statt Kaffee und Kuchen rohes Ei als Nachmittagsspeise („Der hat mit dem Mund gefangen“), das andere Mal landete das rohe Stück so unglücklich im Gesicht, dass der Pechvogel neben der Ei-Verfärbung auch ein blaues Auge davontrug.

57 Meter sind in den fast 25 Jahren der Veranstaltung der bisherige, unangefochtene Bahnrekord, den auch dieses Mal kein Team überbot. In früheren Jahren wurde das Ostereierwerfen noch auf dem Sportplatz durchgeführt, doch seitdem dieser einen Kunstrasen hat, ist es dort nicht mehr möglich. Je nach Wetter zieht das Spektakel 200 bis 300 Gäste an, die gerne den tollkühnen Werfern mit ihren tieffliegenden Eiern zuschauen. Und ihnen natürlich auch ausweichen müssen, wenn ein Werfer total verzieht, sich noch nicht richtig auf die Mitte des Platzes eingependelt hat oder einfach nur völlig schräg wirft.

Das eine Frauenteam mit Elli Bernhardt und Petra Hintenlang aus Abtsteinach hatte den Sieg schon vor Beginn sicher. Nach 14 Metern im ersten wurden es dann 25 Meter im zweiten Durchgang. Bei den Kindern siegten Paul Wiegand und Levin Bereuter mit 18 Meter, auf Platz zwei landeten Pia Gries und Paul Wiegend vor Laura Bereuter und Jana Gries. Hier waren die Weiten unter denen der Vorjahre. Auffällig: Bei den Jungs kommt es auf Weite und Schnelligkeit an. Sie holen kräftig hinter dem Kopf aus, während die Mädchen eher sachte und gefühlvoll von unten werfen.

Waren in früheren Jahren die TSV-Fußballer meist unter sich, so hat sich die große Gaudi schon längst in der Region rumgesprochen. „Ich sehe viele Auswärtige“, meinte Horst Gramlich. Nicht nur bei den Aktiven, sondern auch bei den Besuchern. Darmstadt, Pfalz, Vöckelsbach, Abtsteinach, zählte Gramlich die Entfernung der Startenden runter. Allen kam es zupass, dass die Veranstaltung nach dem Graupelschauerwetter des vergangenen Jahres dieses Mal von der Sonne verwöhnt war.

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