Schneeflocken auf dem Sauerteigbrot

„Das hatten wir noch nie, dass es am ersten Backtag eines Jahres dicke Flocken schneite“, meinte Gundolf Reh schmunzelnd. Er stand zusammen mit Dieter Kunkel am Backhaus auf der Hofwiese und holte an zwei Tagen leckere 72 Kilo Sauerteigbrot aus der Glut. Die Aktiven des Museums- und Heimatvereins zogen dieses Mal zusammen mit den Überwälder Landfrauen und dem kompletten Equipment in die Tenne, um so ein Dach über dem Kopf zu haben.

Trotz des unwirtlichen Wetters freute man sich über einen regen Besuch von hungrigen Mäulern. Es waren zwar nicht „die Massen an Leuten“ wie sonst, beobachtete Reh, aber gekauft wurde trotzdem wie immer. „Nur ein Brot blieb übrig, das habe ich mitgenommen“, sagte der Vorsitzende lächelnd. Zu den Zweipfündern werden selbstgemachte Marmeladen, aber auch Kochkäse nach einem eigenen Rezept angeboten, sodass sich das Sauerteigbrot gleich vor Ort genießen lässt. Dazu wird Kaffee ausgeschenkt.

Bis auf 330 Grad heizt sich der Ofen beim Einschießen hoch, um sich dann innerhalb einer Stunde wieder auf 220 Grad abzukühlen. Drei Stunden dauert es, bis das Holz verbrannt und die Glut entstanden ist. Dann geht es daran, alles auszuräumen und zu putzen. Eine Stunde sind die 36 Laib Brot im Ofen, ehe sie dann von Reh normalerweise im Schweiße seines Angesichts rausgeholt werden. Dieses Mal wurde er um den warmen Arbeitsplatz beneidet. Ein Privatmann kam zusätzlich mit zehn Brotlaiben aus verschiedenen Teigsorten vorbei, die kurzerhand ebenfalls gebacken wurde.

Schon am Abend vorher saß man gemütlich zusammen, als die ersten 36 Sauerteigbrote im Backhaus über sich hinaus wuchsen. Die kann man auch ohne Probleme zuhause machen. Benötigt wird nur der Natursauerteig zum Ansetzen, den man entweder in der Apotheke bekommt – oder bei Bäcker Lipp wie die Akteure des Backtags. Die Brote bestehen aus 90 Prozent Roggen und zehn Prozent Weizen. „Das Besondere daran ist die dicke Kruste“, erläutert Reh. Sie entsteht durchs Backen bei diesen hohen Temperaturen und sorgt dafür, dass die Brote länger frisch bleiben.

Der Kuchenteig ist selbst gemacht. Dazu stehen die Landfrauen um halb 6 auf und legen los. Das Backen auf traditionelle Art und Weise ist begehrt, wie der Andrang zeigt. Was früher als Kuchenrezept gang und gäbe war, wird heute je nach Jahreszeit frisch belegt und bei 170 Grad gebacken. Die 120 Stück Riwwelkuchen und Apfelstreusel wurden wie üblich ratzeputz verkauft. Aus dem wieder aufgelegten Buch „Wolters Hefeteig“ mit Rezepten von Lore Walter hatte Anneliese Daub außerdem ein Rezept mit süßem Hefeteig herausgesucht und daraus ein paar leckere Zuckerguss-Knoten gezaubert.

Das Buch war längere Zeit vergriffen, aber es gab immer wieder die Nachfrage. Deshalb trat der Museums- und Heimatverein an die Gemeinde zwecks einer Neuauflage heran. Auf dem Großkopierer im Rathaus entstanden so die Broschüren in Spiralbindung, die dort und im Überwald-Museum zu den normalen Öffnungszeiten für drei Euro erhältlich sind. Auch beim Backtag wurde „ein ganzer Stapel verkauft“, freute sich Reh.

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