Grenzenlose Begeisterung für die Europareise der Blasmusik

„Musik ohne Grenzen“ in Zeiten des Brexits und der unseligen Rückbesinnung aufs Nationale: Die Blasmusik Schimmeldewog setzte mit ihrem Jahreskonzert unter der Leitung von Christian Schuppel ein Zeichen für die (musikalische) Völkerverständigung. Mehr als zwei Stunden lang brachte das Ensemble im sehr gut besetzten Haus des Gastes ein flottes, eingängiges Stück nach dem anderen zu Gehör. Durch das Programm führte in bewährter Manier Donat Skroch.

Italienische Opernklassiker, ein deutsches Volkslied, ein englisches Traditional, ein schwedischer Abba-Evergreen oder das unverwüstliche Azzurro, bekannt durch Adriano Celentano, wussten das Publikum zu begeistern. Das kam bereits im ersten Set gut in Fahrt, klatschte beim weltbekannten Thema von Bizets „Carmen“ mit, um dann nach der Pause voll einzusteigen. Das Orchester durfte sich über herzlichen bis überbordenden Applaus für seine Leistung freuen.

Den hatte sich die Blasmusik auch redlich verdient. Der etwa 30-köpfige Klangkörper mit drei Gästen folgte dem Dirigenten auf den Punkt. Voll, majestätisch, aber dann auch wieder zart, fein, kamen die einzelnen Melodien zum Tragen. Einmal leise Querflöten, dann wieder donnerndes Schlagzeug zeigten zusammen mit dem eindrucksvollen Tutti die gesamte Bandbreite des Könnens.

Kein Wunder, dass eine begeisterte Menge die Musiker nach Ende des regulären Programms nicht ziehen lassen wollte. Dafür war das von Paolo Conte stammende „Azurblau“, also Azzurro“, der perfekte Anheizer, um damit den Wunsch nach mehr kräftig zu befördern. Der wurde auch erfüllt – und wie: „Pfeffer und Salz“, berühmt durch Ernst Mosch, brachte die Egerländer in den Überwald. Kein Konzert ohne das Markenzeichen der Blasmusik: Zum Ausklang ertönte das obligatorische „Schimmeldewog-Lied“ bei stehendem und mitsingendem Publikum.

Ein weiterer Höhepunkt nach der Pause: „The Blues“ von Arrangeur Zane van Auken. Die lebhafte Solisten-Parade wurde durch die Zuschauer immer wieder mit „One more Time“-Rufen unterstützt, wenn Schuppel die Hand hob. Alle Register spielten stehend ihren Part und die Füße der Gäste wippten im Takt mit. Zum Schluss musizierte dann das komplette Orchester im Stehen.

War der erste Set musikalisch sehr anspruchsvoll, so kam im zweiten die Nähe der Stücke zum „normalen“ Konzertbesucher noch hinzu. Das Feedback war von allen Seiten sehr positiv. Es gab Lob und Anerkennung für die musikalische Leistung sowohl von Laien als auch von den zahlreich anwesenden „Spezialisten“ anderer Ensembles.

Urdeutsch vom Ursprung Idee her, aber erfrischend flott und mitreißend gestaltete sich der Auftakt mit „Along the Weser“. Jacob de Haan gestaltete, inspiriert vom traditionellen „An der Weser“, eine Hommage an diesen doch sehr deutschen Fluss. „Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen; denn hier entsteht durch diesen Kuss, deutsch bis zum Meer, der Weser Fluss“: Das hat jeder schon mal irgendwo gehört.

Analog der Nationalflaggen im Programmheft prangten diese auch über der Bühne und waren auf den Tischen zu finden. Vorsitzender Hans Vogel forderte zu Beginn die Zuschauer auf schmunzelnd auf, sich die gewünschten Fähnchen zusammenzusuchen, „wenn einer nicht mit Brexit in Verbindung gebracht werden will“. Patrick Walter am Schlagzeug, das erste Mal dabei, holte sich später ein dickes Lob von Donat Skroch ab. Dennis Nußbeutel vom Blasmusikverband Rhein-Neckar nahm zwischenzeitlich Ehrungen vor.

Von Heinz Briegel stammt die Bearbeitung des Folksongs „Scarborough Fair“ für Blasorchester. Denn eigentlich ist das Lied durch Simon & Garfunkel weltbekannt. Briegel malt die magisch, mystische Liebesgeschichte in dunklen Klangfarben aus, die weltbekannte Melodie kann ihre traurige Schönheit in ergreifenden Bläserklängen entfalten, um schließlich leise in der Ferne zu verklingen.

Salzburg? Klar, die Mozartstadt. Da ist es nur naheliegend, in der „Salzburg Impression“ das Andante in G-Dur KV 501 von Wolfgang Amadeus Mozart umzuarbeiten. Dizzy Stratford alias Jacob de Haan, der sich in etlichen Songs wiederfand, war hier wieder einmal am Werk. Er nahm die bezaubernde, leichte Melodie und setzte sie in ein etwas moderneres, aber ebenso leichtes und reizvolles Stück für Blasorchester um.

Sehr beeindruckend durch seinen Abwechslungsreichtum: „Crith Mhonadh“ von Alfred Bösendorfer, der sechs musikalische schottische Bilder zeichnet. Das stimmungsvolle, wunderschöne „Only Time“ von Enya hat sich 2001 im Nachgang des 11. September wohl in alle Herzen eingebrannt. An „Poupée de cire, poupée de son“ von Serge Gainsbourg werden sich die Älteren noch gut erinnern, denn von France Gall gesungen gewann es den Eurovision Song Contest 1965.

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