Ein zweistündiger Streifzug durch 650 Jahre Geschichte

Großer Andrang trotz schlechtem Wetter: Geopark-vor-Ort-Begleiter Theo Reichert führte anlässlich des Jubiläums „650 Jahre Aschbach“ über die Gemarkung und durch die Geschichte. Das Wetter war zwar „sehr, sehr kühl“, schmunzelte Reichert. Aber kurz vor Beginn der Führung, die am Infozentrum im Wiesental startete, hörte es auf zu schneien. Um die 100 Interessierte machten sich auf die etwa zweistündige Tour.

Sehr gut gefiel dem Heimatkundler, dass viele Einheimische dabei waren und an einigen Stellen Beiträge zur Geschichte von Aschbach lieferten. Um die tapferen Rückkehrer zu belohnen, hatte der Ortsbeirat mit Unterstützung einiger Helfer am Geopark-Infozentrum Zelte mit einer Grillstation aufgebaut. Dort war auch eine kleine Ausstellung mit historischen Bildern zu finden. Es wurde noch lange diskutiert und sich über die Aschbacher Geschichte unterhalten.

Bei seinen Ausführungen stützte sich Theo Reichert auf die Broschüre von 1994, die anlässlich der 625-Jahr-Feier entstanden war. Joachim Jänsch hatte dafür viel Wissenswertes mit Jahresangaben aus der Historie zusammengetragen. Herausgegeben wurde das Heft von der Gemeinde Wald-Michelbach. Zum Namen des Ortes nannte er zwei Erklärungsvarianten: Zum einen wird angenommen, dass dort Pottasche zur Seifenherstellung erzeugt wurde, zum anderen, dass entlang des Bachlaufs viele Eschen standen.

Der Vor-Ort-Begleiter wies auf die Besonderheit hin, dass im Dorf „auf wenigen 100 Metern verschiedene Gesteinsarten vorkommen“: Sandstein, Diorit, Granit und roter Trommgranit. Viele Menschen verdienten in den vergangenen Jahrhunderten ihr Brot in den Steinbrüchen – obwohl die Arbeit schwer war und die Steinhauer wegen der Staublunge nicht alt wurden. „Aber es war die einzige Möglichkeit, Arbeit zu finden.“

Durchs Wiesental abwärts bewegte sich die Gruppe auf Hammerstraße und Unterdorf zu. Hier wies Reichert auf die frühere Firma Koch hin, die von 1902 bis 1967 mehrere Produktionsstätten am Ulfenbach hatte. Papier und Kunstleder, später auch Hartpappenprodukte für die Autoindustrie wurden dort hergestellt.

Die frühere Aschbacher Bahnhaltestelle, eigentlich auf Hartenroder Gemarkung, verband den Ort per Zug ab 1901 mit der großen weiten Welt. In den 20er Jahren existierte sogar ein Nebengleis, das zum Abtransport des Roten Granits aus dem Wormser Steinbruch diente. Zwei Mühlen sind im Ort belegt, in alten Unterlagen wird sogar von drei gesprochen. Beide wurden später zu Eisenhämmern umgebaut, erläuterte Reichert.

Der erste, untere Eisenhammer soll schon 1657 errichtet worden sein, belegt ist er aber 1727 mit einem Johann Ezechiel Haffner aus Dürr-Ellenbach. Diese wurde dann von Hermann Rauch 1783 zu einer Papiermühle umgebaut, der ersten in ganz Kurmainz. In der Kurpfalz, zu der Wald-Michelbach nur ein paar Kilometer weiter gehörte, existierte eine solche bereits ein paar Jahrzehnte früher.

1810 begann die Ära der Familie Kurtz. Die Nachkommen des Johann Philipp aus Michelstadt betrieben den oberen Eisenhammer bis 1948. Noch heute gibt es Reichert zufolge auf dem Gelände ein gleichnamiges Sägewerk. Nächstes Ziel der Tour war die 1935 eingeweihte Kirche „Maria hilf“. Der direkt daneben liegende Friedhof entstand 1928. Bis dahin wurden die Toten entweder in Abtsteinach oder in Wald-Michelbach beigesetzt – je nach Religionszugehörigkeit.

Reichert gab dann noch verschiedene Erläuterungen zu Geschehnissen in früheren Jahren. 1369 erfolgt die Ersterwähnung von Aschbach im Zinsbuch der Kellerei Lindenfels. 1509 werden Aschbach und Dornelbach (Dürr-Ellenbach) als Teil der Zent Ober-Abtsteinach erwähnt, mit 45 und 35 Einwohnern. Schweizer besiedeln den Odenwald nach dem 30-jährigen Krieg, während es im 18. Jahrhundert (und wieder im 19. Jahrhundert) Auswanderungswellen gibt. 1838 verlassen Aschbach und Dürr-Ellenbach die Bürgermeisterei Gadern und bilden einen eigenen Bezirk. 1846 übernimmt Ludwig Anton aus Darmstadt die untere Papiermühle und errichtet eine große Zündholzfabrik, in der hunderte von Menschen beschäftigt werden – aber oft unter menschenunwürdigen Bedingungen.

1882 wurde der Männergesangverein Frohsinn gegründet, 1896 eine Turnabteilung im Gesangverein. 1920 wurde dann aus „Frohsinn“ und „Germania“ die heutige „Harmonie“, die Turner verließen den Verein und bildeten den heutigen TSV. Die Bahn hielt ab 1901 (bis 1983) am Ort, den ersten Strom gab es 1923. 1945 bis 48 gab es die Tonbandproduktion der BASF in Unter-Aschbach. Seit 1956 tragen alle Straßen eigene Namen, vorher hieß alles einheitlich „Ortsstraße“. Im selben Jahr geschah auch der Verkauf des Gemeindebullen.

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