Ein bunter Melodienstrauß unterhielt prächtig

Mit seinem Programmtitel hatte das „Consortium felicianum“ nicht übertrieben. „Einen bunter Melodienstrauß“ hatten die fünf Musiker auf Einladung des Azurit-Gruppe und des Hauses „Talblick“ in Gras-Ellenbach für die evangelische Gustav-Adolf-Kirche Affolterbach angekündigt. Und genau diesen bekamen die Zuhörer an einem wie im Flug vorbeiziehenden Nachmittag im gut gefüllten Kirchenschiff zu hören. Mal fulminant-fetzig, mal getragen-melancholisch wussten die Könner auf ihren Instrumenten bestens zu unterhalten.

Konzertmeister Arne Müller, Felicitas Schönfeld an der Obligatvioline, Felix M. Schönfeld auf dem Violoncello, Kontrabassist Christian Thürmer und Klavierspieler Reinhardt Naumann unternahmen dabei eine weitgestreckte musikalische Reise durch zwei Jahrhunderte von Oper über Walzer bis hin zu Operette und Liebesliedern. Der richtige Rahmen für den Stoff, aus dem die Melodien-Träume entstehen.

Viel Applaus war der schöne Lohn der mehr als zweistündigen Konzertreise in musikalisch heitere Welten. Zwischen den einzelnen Stücken schuf Felix Schönfeld mit seinen einleitenden Worten immer wieder den Bezug zum Komponisten oder zur jeweiligen Ära, in der die Lieder entstanden. Begrüßt hatte für die Talblick-Einrichtung, Dimitrij Petuchov, Assistenz der Hausleitung.

„Freut Euch des Lebens“ von Johann Strauss war genau passend für das Konzert. Komponiert für die Wiener Gesellschaft der Musikfreunde, tauchte diese Walzerfolge immer in den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker auf, erläuterte Schönfeld. Hier wie auch bei anderen Stücken wusste Arne Müller mit seinem filigranen Geigenspiel zu begeisterten. Er entlockte dem Instrument alle Arten von Tönen – von leise, schmeichelnd, verspielt bis fordernd, fetzig, vorantreibend.

Die Balkan-Klänge der Bulgaren Vesco und Ljubomir D’Orio waren deutlich im nächsten Stück zu spüren. Traurige Passagen, abgelöst von lebenslustigen, schnellen Teilen, beeindruckten durch ihre große Bandbreite. Die Musiker harmonierten prächtig, wenn die perlenden Klavierläufe die Geige zu immer neuen Höchstleistungen anstachelten, mit punktgenauen Einsätzen von Felix Schönfeld am Violoncello.

Fritz Kreislers Karriere startete 1899 mit einem Konzert zusammen mit den Berliner Philharmonikern. Von ihm hatte das Ensemble ein paar Stücke im Programm. Erst „Liebesleid“ und dann das folgende „Liebesfreud“. Zum Komponisten hatte Schönfeld eine nette Anekdote parat: Kreisler hatte seine ersten Werke unter dem Namen anderer, bereits verstorbener Komponisten veröffentlicht.

Erst 1935 machte er das selbst öffentlich. Was heute einen Riesenskandal bedeuten würde, blieb damals aus: „Wohl weil es den Musikwissenschaftlern zu peinlich war, dass sie das nicht bemerkt hatten“, schmunzelte der Musiker. In dem Stück mit seinem mächtigen Beginn sind deutlich die Einflüsse der 1920er Jahre zu spüren.

 „Tanzt der Pole die Masur“ aus der Operette „Die Blaue Masur“ von Franz Lehar hieß es flott nach der Pause. Weiter ging es mit einer Operetten-Ouvertüre von Johann Strauss. Die bestach durch ihr flottes Zwischenspiel von Geige und Klavier sowie dem Wechsel von schwungvollen und getragenen Teilen, um dann im furiosen Finale des Müller’schen Saiteninstruments zu enden.

Walzerseligkeit kam bei der Operette „Das Schwarzwaldmädel“ von Leon Jessel auf. Denn der hat den Schlussgesang mit dem Titel „Erklingen zum Tanze die Geigen“ zu einem Walzer verarbeitet. Es jubilierte die Geige im Dreivierteltakt. „Tanzen möchte ich, Jauchzen möchte ich“ hieß es passend zur Stimmung in der Operette „Die Csardasfürstin“ von Emmerich Kalman. Viel Beifall verabschiedete das Ensemble.

Den Azurit-Häusern geht es darum, die Bewohner mit den Bürgern zusammenzubringen, erläuterte Dimitrij Petuchov die Intention. „Die Gemeinde soll mit einbezogen werden.“ Man wolle ein kleines kulturelles Highlight bieten. Das „Consortium felicianum“ ist bereits 14 Jahre für die Azurit-Gruppe in ganz Deutschland unterwegs. Für die älteren Bewohner sind die Konzerte eine willkommene Abwechslung. Die Melodien erinnern sie oftmals an die Jugendzeit. Spenden aus den Ticketeinnahmen gehen an die zwei Kindergärten im Ort, „Die kleinen Strolche“ in Wahlen und den „Purzelbär“ in Hammelbach.  

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