Schon die Uroma gab Klavierkonzerte: Carsten Best leitet seit einem Jahr die Concordia Unter-Abtsteinach

Bereits seit vier Generationen ist die Familie Best mit Musik verbunden – und die fünfte macht sich gerade einen Namen. „Ich habe noch ein Plakat aus dem Jahr 1915, als die Uroma Klavierkonzerte gab“, lächelt Carsten Best (56), der seit einem knappen Jahr die Concordia Unter-Abtsteinach leitet. In der Familientradition geht es munter weiter, da sein Sohn Julian (20) Musik studiert. Der Filius produzierte bereits sein erstes Album und ist seit seinem 16. Lebensjahr in der Band „BestFriends“ seines Vaters als Gitarrist und Sänger dabei.

Im Zweiten Weltkrieg brachte die Großmutter die Kinder durch, als sie in Langenthal (einem Stadtteil von Hirschhorn) in der Lindenbaumkapelle Geige spielte und sang. Davon erzählte dem Enkel eine alte Dame, die als junges Mädchen zur Kerwe nach Heiligkreuzsteinach ging und sie dort erlebte. „Das ging mir schon unter die Haut“, gesteht der Musiker. In Langenthal genoss er schon mit acht Klavierunterricht bei Karl Zentler. In dessen Band spielte auch sein Vater Gitarre und „war damals, in den 60er Jahren, ein Hammersänger“, ist der Sohn stolz.

Bald ging’s für den aufstrebenden Musiker zum Fernsehen, als Carsten Best bei „Was wäre wenn“ mit Hans-Jürgen Bäumler auftrat. Es folgte die Teilnahme an der Rudi Carrell-Show, wobei er von Adam Schairer entdeckt wurde, dem Produzenten von Andy Borg und Claudia Jung. „Dadurch gab‘s sogar einen fünfwöchigen Charterfolg“, erinnert er sich – unter dem Künstlernamen Tim Capri. Die Tour durch einschlägige Fernsehsendungen mit Songtiteln wie „Die Sommernacht von Santorin“ oder „Der Wind wird sich drehn“ folgte.

Die beeindruckendsten Auftritte waren für ihn auf der Loreley. „Da war alles dabei, was Rang und Namen hatte“, weiß der Hirschhorner: Nicole, Jürgen Drews, Claudia Jung. Die goldene Stimmgabel gab es obendrauf. Damals stand Carsten Best mit etlichen namhaften Leuten wie Udo Jürgens, Modern Talking, Dieter Thomas Heck, James Last, Meat Loaf oder Celine Dion auf der Bühne. Heute ist er mit seiner Band „BestFriends“ oft auf den Bühnen der Region unterwegs. „In fast allen Musikrichtungen“, schmunzelt der Chorleiter.

Ab 1996 widmete er sich dem Aufbau eines professionellen Tonstudios, was den Kontakt zu den „Riverside Gospel Singers“ aus Eberbach schuf. Das Ensemble unter Leitung von Karin Conrath „buchte mich, um ein CD zu produzieren“, erzählt der Musiker. Die Arbeit machte ihm so viel Spaß, dass er einfach mitsang.

Als eine Zeit später ein neuer Chorleiter zur Probe keine Zeit hatte, wurde Best gefragt. „Seit diesem Tag bin ich der neue Dirigent der Riversider“, lacht er. Er kam dazu quasi wie die Jungfrau zum Kinde. Das war vor neun Jahren. Damals zählte der Verein 49 Mitglieder, heute sind es fast 90, ist er begeistert über den Aufwärtstrend. Vor einem Jahr wurde er dann von den Unter-Abtsteinachern angesprochen, berichtet der Hirschhorner. „Ich sagte nach einem Probedirigat direkt zu.“

Die Concordia-Mitglieder des neu gegründeten gemischten Chors sind „mit unheimlich viel Spaß dabei“, lobt er die Sängerinnen und Sänger. „Ich freue mich auf jede Probe“, sagt Best über die Treffen jeden Mittwoch um 20 Uhr. Für den Fortbestand sieht des Ensembles es als wichtig an, dass bereits zwei Jungsänger hinzustießen: eine 23-Jährige im Sopran und ein 17-jähriger Tenor. „So verjüngt sich der Chor stetig“, sagt der Musiker.

Ihm ist es wichtig, moderner zu werden, „ohne altes Liedgut zu vernachlässigen“. Mit der Liedauswahl sollen alle Generationen begeistert werden. In seiner Chorarbeit stellte Carsten Best fest, „dass 95 Prozent der zu kaufenden Chorsätze moderner Songs falsch sind, wenn man sie mit dem Original vergleicht“. Die mittlere Lage macht die Melodie, weiß er, darüber kommt eine zweite und dritte Stimme, den Bass kann man auch darunter legen. So gewinnt man eher den Sound des ursprünglichen Popsongs „und es klingt nicht mehr so heftig nach Gesangverein“, betont der Dirigent. Das gibt dem Publikum, aber auch den Sängern ein ganz neues Chorgefühl.

Derzeit ist die Concordia am „Kleinen grünen Kaktus“ dran, erzählt der Hirschhorner. „Der fordert den Chor gewaltig“, hat er beobachtet. Danach planr Best „We are the world“ von Michael Jackson. Und irgendwann stehen wieder die Weihnachtslieder ins Haus. In den Proben „sind alle sowas von konzentriert“, freut er sich – aber ohne dass der Spaßfaktor darunter leidet. „Das ist das Wichtigste“, hebt Best hervor. Jedem Sänger gibt das erarbeitete Ergebnis einer Probe wirklich viel, weiß er. Dazu kommt, dass auch eigene musikalische Ideen mit eingebracht werden.

Info: Carsten Best gestaltet mit einer Sängerin den „Rosentanz“ in den Mai am Dienstag, 30. April, im Gasthaus „Zur Rose“, Hauptstraße 338, Trösel. Mehr unter http://www.carsten-best-musik.de

Dem Langenthaler Carsten Best wurde die Musik in die Wiege gelegt, denn mehrere Generationen mütterlicher- und väterlicherseits lebten mit – und teilweise von – ihr. Ab dem achten Lebensjahr bekam er Klavierunterricht bei Karl Zentle, im Alter von 14 folgte Schlagzeugunterricht bei Mani Neumeier von Guru Guru. Ab 1985 absolvierte er ein Musikstudium unter anderem bei Eugen Cicero (Klavier, Jazz), Sabine Gölz (Klavier Klassik) und David Hieronimi (Gesang). Seit 1978 bis heute tritt Carsten Best alleine oder mit seiner Band „BestFriends“ bei vielen unterschiedlichen Events auf. Seit 1996 betreibt er ein professionelles Tonstudio. Darüber hinaus unterrichtet Best in den Fächern Klavier, Keyboard, Schlagzeug und Gesang privat und zusätzlich in der Musikschule Gorxheimertal. Er leitet neben der Concordia Unter-Abtsteinach seit 2010 die Eberbacher „Riverside Gospel Singers“.

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