„Sugar Queen“ gab den Blues-Fans Zucker

Die „Sugar Queen“ machte mit den süßen Seiten des Blues bekannt. Michele Denise, die unter ihrem Künstlernamen in Europa, Amerika und Asien unterwegs ist, war aber das erste Mal mit ihrer „Straight Blues Band“ im Muddy’s Club zu Gast. Und bestimmt nicht zum letzten Mal. Nicht nur die stimmlich absolut präsente zuckersüße Queen, sondern auch ihre Mitmusiker hinterließen einen musikalisch perfekten Eindruck beim Konzert, dem man aufgrund seiner Qualität – bei schon relativ gutem Besuch – noch ein paar Zuschauer mehr gewünscht hätte.

„340 Blues“ hieß des Debut des Fünfers vor zwei Jahren, jetzt wurde mit „Sugar Queen Live“ gleich eine Konzertaufnahme hinterher geschoben. Aus dieser speisten sich auch die meisten gespielten Lieder. Denn es ist beim Blues wie bei anderen Musikstilrichtungen: Auf der Bühne kommt er einfach besser. Roh, unverfälscht, erdig, ehrlich bringt die Band die handgemachte Musik ohne Schnörkel rüber. Das Quintett geht in seinem Blues in all sein Spielarten von souling über funkig bis rockig, natürlich inklusive der bekannten Standards, förmlich auf.

Andy Aerts und Jean Raven, die sich an der Leadgitarre abwechselten, stahlen der Frontfrau fast die Show. Aber nur fast. Sugar Queen, mit Rastalocken, Creolen-Ohrringen und hautengem Kleid, dominierte die Bühne. Sie ging die Soli mit, feuerte die Meister auf den sechs Saiten an, gab die Einsätze, bestach mit ihrer Präsenz. Nach der Pause merkte man ihr an, dass sie wohl an  Selbstsicherheit gewonnen hatte. Denn nach dem Opener „Give Sugar“ gestand die Sängerin ein, beim ersten Auftritt in Deutschland überhaupt doch einigermaßen aufgeregt zu sein.

Erwin Huigen am Bass und Schlagzeuger Thierry Stievenart bildeten als Rhythmus-Sektion das unverwüstliche Rückgrat hin. Während sich Aerts und Raven vorn oft mit Zwischenapplaus bedachte Gitarreneinlagen lieferten, die Queen mit ihrer powervollen Stimme die Menge begeisterte, waren die beiden stoisch bei der Arbeit und sorgten für das Fundament der Songs, die sich oft mehrfach verzweigten.

Mit ihrer Power ging Michele Denise fast ein wenig zu vorsichtig um. Man merkte, dass da noch einiges mehr an Volumen dahinter war, als sie im Muddy’s rausließ. Andererseits war die Band auch angenehm, fast leise abgemischt, sodass weiter hinten das Gemurmel von unnötigen Unterhaltungen der Besucher den Musikgenuss manchmal beeinträchtigte.

Ihre Live-CD hat die aus Alabama stammende Musikerin ihren Vorfahren gewidmet. So etwa „Big Mama told me“ der Großmutter. Der stampfende Rhythmus wurde ein ums andere Mal durch Gitarrensoli angereichert. Andy Aerts steuerte eine fetzige Blues-Nummer bei, bei der Raven für die funkigen Zwischentöne sorgte. Ganz stark das „Nothing Gonna Hold Me Back“, in dem die Gospel-Vergangenheit der Blues-Queen überdeutlich zu hören war. Der Song ist der Sklavenvergangenheit ihrer Familie in den 1880er Jahren gewidmet.

Der augenzwinkernd wichtigsten Person auf einer Tour, dem „Bartender“, ist der folgende Knaller gewidmet. Jean Raven bekommt für seine Fingerfertigkeit, mit der er dem klassischen Blues-Schema immer wieder neues Leben einhaucht, zurecht Zwischenapplaus. Virtuos interpretiert er die Melodie, sorgt für den rockigen Touch, während Michele Denise immer wieder den für die Getränke zuständigen Mann herbeiruft.

Andy Aerts will ihm da nicht nachstehen. Bei „Big Leg Girl“ zaubert er mit Wahwah-Effekten fast Southern-Rock-Klänge herbei, ehe es mit dem „Crab Boil Shuffle“, ebenfalls mit rockigen Bestandteilen, in die Pause geht. „Wanna take my Man“ schleicht sich danach ganz langsam in die Gehörgänge, um aber dann einen umso nachhaltigeren Eindruck zu hinterlassen. „Two and Fews“ zeigt die Band wiederum von einer ganz anderen, fetzigen Seite.

Nicht nur hier war die Sugar Queen in Hochform. Sie schien sich vorgenommen zu haben, im zweiten Set ihrer Stimme ein wenig mehr Power zuzugestehen. Mit ihrem variablen Organ heizte sie dem Publikum kräftig ein. Ihrem Vater, wie sie auch Alabama stammend, widmete sie „Hold Your Drank“. Bei Boogie-Klängen kam kräftig Bewegung in die Besucher. Die ließen die Band natürlich nicht ohne umjubelte Zugabe ziehen.

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