„Garden of Delight“ mit Celtic-Pirate-Irish-Folk Schema F

Es ist wie ein einziges großes Déjà-vu: „Garden of Delight“ spielen wieder in der Live Music Hall. Zum zehnten Mal in sechs Jahren. Und es kommen: noch weniger Zuschauer. In den Anfangsjahren waren es mal zwischen 120 und 150. Was sich die Band – neben der Häufigkeit der Auftritte –zum Teil auch selbst zuzuschreiben hat. Gespielt werden fast die gleichen Songs wie vor knapp fünf Monaten, als die Truppe des Lautertalers Michael Jung zum letzten Mal hier gastierte. Und wieder tritt die Band nur zu dritt auf, obwohl sie auf Bildern zu viert beworben wird.

Der Funke will nicht so richtig überspringen. Die meisten Gäste haben an den Bistrotischen Platz genommen, nur einige wenige trauen sich auf die Tanzfläche und gehen zur Musik mit. Von der Bühne kommen auch keine Bemühungen, das groß zu ändern, kaum Animation, doch mal die Wohlfühlzone mit dem Bier in der Hand zu verlassen und etwas Stimmung zu machen. Quasi Business as usual.

Als „mehrfach national und international preisgekrönte Sensationsband aus dem ZDF-Fernsehgarten“ beworben, auf dem Tour-Plakat als „Deutschlands erfolgreichste Celtic-Rockband“ bezeichnet, mit dem „charismatischen Sänger und Bandleader, Mastermind Michael M. Jung“, muss sich eine Gruppe, die sich in dieser exaltierten Form darstellt, daran auch messen lassen. Und kann logischerweise nur verlieren. Wenn sich die Songs wie ein Ei dem anderen gleichen, sind die Voraussetzungen noch schwieriger, die Erwartungen zu erfüllen.

Was „Garden of Delight“ bieten, ist gute, aber auch biedere musikalische Folk-Hausmannskost, gewürzt mit keltischen Elementen, verfeinert mit Piraten-Zutaten und abgeschmeckt mit ein paar netten Cover-Songs aus 20 Jahren, die die Truppe auf ihr neues Album „Eternity“ gepresst hat. Das Problem: Mit ziemlich genau diesen Stücken war „G.O.D.“ bereits Ende Oktober auf Tour. Ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass die Band inzwischen im hiesigen Raum „überspielt“ ist.

Ein stoisches Schlagzeug-Spiel und immer ähnliche Akkorde von Jungs akustischer Gitarre werden zum Glück abgelöst von der prägnanten Geige Dominik Roeschs, die immer wieder für ein Aha-Erlebnis sorgt. Aber auch bei ihm wird im Laufe des Konzerts deutlich, dass er in einem Song drei oder vier Mal die gleiche Melodie spielt, ohne einen Ton zu variieren.

Dass die Truppe um Jung und den „Teufelsgeiger“ deutlich besser kann, hat sie in den vergangenen Jahren als Quartett schon oft bewiesen. Doch als Trio fehlte den einzelnen Stücken irgendwie die Fahrt, die Begeisterung, die Abwechslung, der Drive. Da ist einfach zu wenig zwischen Bühne und Publikum. Sogenannte Piratensongs haben irgendwie doch einen keltischen Touch, Beispiel „Stay with me“.

Wenn Roesch der Geige die eingängigen Töne entlockt, kommt bisschen mehr Bewegung in die Menge. Er ist immer in Bewegung, schwingt den Geigenbogen, wirbelt ihn in die Luft, springt selbst beim Spielen, feixt herum, hüpft auf einem Bein, kann nicht ruhig stehen. Er lebt seine Musik, bringt seine Begeisterung rüber. Wenn Roesch das Instrument an den Hals legt und zu spielen anfängt, taucht er völlig in seine Welt ab.

Lediglich Jungs akustische Gitarre, seine sonore, ewig gleiche Stimmlage, plus das – positiv formuliert – sparsam eingesetzte Schlagzeug hätten die Stücke nicht tragen können. Roesch reißt es immer wieder raus. Mit ihm wird es fetziger Celtic Folk, kommen Gassenhauer und Mitgrölsongs zustande, wo es sonst nur plätschert.

Mehr als 20 Jahre gibt es Garden of Delight bereits. Auf „Eternity“ finden sich Lieder, die die Band in diesen Jahren prägten, Covers, aber auch eigene Stücke. Etwa die gefühlvolle Ballade „Redemption Day“ von Johnny Cash, im Original von Sheryl Crow. Oder das powervolle „I hung my head” von Sting. Wenn dann „The Tramp“ aus dem ersten Album oder der Piratensong „Go Sailing with us“ angestimmt werden, ist Roesch wieder dran, geht es deutlich mehr ab. „The Hopeless Rolling Stone”, „Darlingtown” oder die „Ballad Of Rob The Tailor“ zeigen mehr oder weniger Celtic-Pirate-Irish-Folk Schema F. Schade.

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