Theatergruppe Siedelsbrunn: Geheimnisse werden im Hochzeitsbett gelüftet

Auf der Bühne geht’s rund. Jeder gegen jede oder wahlweise alle gegen eine(n) heißt es bei „Leih dir einen Mann“. Das ist nicht nur der Titel der Komödie in drei Akten von Regina Rösch, sondern auch Name der Agentur von Rosi Strauß (Christiane Schmitt). Die hat zu Beginn eigentlich eher Luxusprobleme und rangelt sich mit ihrer Teilhaberin Anni Seidenspinner (Stefanie Schmitt) um die Couch oder wer ans selten klingelnde Telefon gehen muss. Doch dann läuft alles aus dem Ruder.

Witzige Kostüme, Missverständnisse, skurrile Figuren und viel Lokalkolorit sind die Grundbestandteile der Komödie, wie sie die Theatergruppe von MGV Harmonie und TV 02 Siedelsbrunn auf die Bühne des Bürgerhauses bringt. Was sich langsam hochschaukelt, eskaliert langsam, aber sicher im dritten Akt zum großen Finale. Kaum etwas ist, wie es scheint, die wildesten Vermutungen werden angestellt, was nur geht, in den falschen Hals bekommen: beste Bestandteile für eine abendfüllende Unterhaltung.

Das Büro-Wohnzimmer der Agentur vermittelt einen biederen Charme. Hier das Aktenregal, dort das Küchenboard, in der Mitte der Schreibtisch mit nicht funktionierendem Computer und an der Wand das „Potenzial“: vier gerahmte Männerbilder mit den Besten, was die Vermittlung zu bieten hat. Eine „Ahnengalerie“, wie später ein Besucher spöttelt. Alles Herren im besten Alter. Genau das ist ja auch das Problem.

„Ob jung, ob alt, wir sind zur Stelle, wir ham‘ den Mann für alle Fälle“: Unter diesem Motto preisen Rosi Strauß und Anni Seidenspinner die eigenen Männer an. Die sind damit nicht so glücklich, denn sie spüren den kontrollierenden Atem der Frauen immer im Nacken. Grund: Bei einem früheren Auftrag trieben sie es zu dolle. Die Meuterei nimmt ihren Anfang, als Egon (Heinz Schmitt) als Hinkel beim Langklinger Hof stehen muss, Lui (Dietmar Schwebel) als Wiener Würstchen vor der Metzgerei Kumpf. Die beiden empören sich wortreich und derb über die Zumutungen.

Zu allem Überfluss gibt’s auch noch Hochzeitsvorbereitungen. Rosis Sohn Florian will die Adoptivtochter von Gretchen Fischer heiraten. Gestritten wird um Leberknödel- oder Markklößchensuppe, den abbestellten Sauerbraten, das richtige Kleid. Mit dem Auftritt von Detlef (Stefan Mathes) kommt Leben in die Bude. Denn der ist an „Starmodel“ Dieter Hummel im Johannes-Heesters-Outfit interessiert. Was diesem unheimlich ist: „So werde ich nicht einmal von den Frauen angemacht“.

Die lokalen Anspielungen sind das Salz in der Suppe. Gerätselt wird, wo die Hochzeit stattfinden soll: beim „Bock“ in Stoanisch, beim „Grünen Baum“ in Mackene oder beim „Heid“ in Mischelboch. Sieger: der „Morgenstern“ in Siedelsbrunn. Running Gag: die Anspielungen darauf, dass Detlef „vom anderen Ufer“ ist. Und jeder felsenfest versichert: „Der ist nicht aus Stoanisch.“

Angestachelt von den Vorschlägen des interessierten Monteurs, proben Hinkel und Würstchen langsam aber sicher den Aufstand. Den Frauen entgleitet die Situation. Und dann noch die nervige Gretchen Fischer (Jennifer Gansmann). Zickenkrieg hoch drei. Die Männer sind begeistert, dass die Frauen auch vermittelt werden sollen, auch wenn sie nicht mehr die jüngsten sind (Detlef: „Ich habe schon ganz andere Oldtimer in Schuss gebracht“). Es zeichnet sich ab, dass es in den weiteren beiden Akten hoch hergeht.

Drei Wochen am Stück lang probten die Akteure vor der Premiere jeden Abend, verrät Heinz Schmitt. „Die Versprecher sorgten für viele Lacher“, erinnert er sich. Oder es wurden im Manuskript vier Seiten übersprungen, ohne es zu merken. „Plötzlich kam einer reingestürmt und meinte, ich bin doch noch gar nicht dran“, lacht der langjährige Theaterspieler. Das „Wurschteln“ in die verschiedenen Kostüme, seien es nun Spanier, Wienerlei, Hinkel oder Holländer, war auch immer eine Gaudi für sich.

42 Jahre ist Hinkel Schmitt nun schon bei der Theatergruppe dabei. Dietmar Schwebel als Leidensgenosse Würstchen Lui folgt ihm mit 29. Die beiden amüsieren sich immer noch darüber, welche Konsequenzen es hat, wenn etwas nicht so läuft wie geplant: „Das wirkt sich dann auf mehrere aus.“ Die schönste Szene ist für ihn die, wenn sich plötzlich alle sturzbetrunken während des dritten Akts im Hochzeitsbett wiederfinden.

Denn Gretchen bringt viel Unruhe mit ihrer Wahrsagung rein, dass der leibliche Vater von Braut Marita genau zwölf Stunden nach dem Ja-Wort seiner Tochter in der Hochzeitsnacht tot umfallen wird. Jetzt geht das Rätselraten los. Die beiden Schwerenöter haben Angst, etwas damit zu tun haben. Was genau das ist, wird bei der zweiten Vorstellung am 27. April verraten.

Info: „Leih dir einen Mann“ von Regina Rösch wird noch einmal am Samstag, 27. April, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Siedelsbrunn aufgeführt. Kartenvorverkauf zu acht Euro bei Deutsches Haus und Bäckerei Jäger, Siedelsbrunn, sowie Modegeschäft Landadel, Wald-Michelbach. Abendkasse ab 18 Uhr neun Euro, Saalöffnung 18.30 Uhr. Keine nummerierten Karten.

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