Würdige Einstimmung auf den St. Patrick’s Day mit den Irish Voices

Das war eine würdige Einstimmung auf den irischen Nationalfeiertag, den St. Patrick’s Day: Ein begeistertes Publikum erlebte in der „Mühle“ ein sehr stimmungsvolles Folk-Konzert mit dem „Irish Voices“. Die Rahmenbedingungen waren bereits vielversprechend. Das schön dekorierte „Heuwagenzimmer“ konnte die vielen Zuschauer nur durch eilends aufgestellte zusätzliche Stühle fassen. Auf dem Heuwagen „thronten“ erwartungsvoll die Mörlenbacher „Tyrant Eyes“, eine der bekanntesten Metal-Bands der Region, und viele, zum Teil von weiter her angereisten Folk-Fans.

Ein Hauch von Irland lag über der „Mühle“. Vor dem geistigen Auge entsteht ein Bild der Insel mit ihren weiten, sattgrünen, manchmal auch kargen Landschaften, am Himmel entlang treibenden Wolkenfetzen, den vier Jahreszeiten an einem Tag. Schmale Straßen schlängeln sich durch Hügel, hinter jeder Kurve stehen ein paar der unzähligen Schafe. In diese Eindrücke mischen sich langsam die Instrumente. Willkommen bei einem Konzert der „Irish Voices“!

Simone Köhler und Siggi Winkler gestalteten den Auftakt leider ohne die erkrankte Geigerin der „Irish Voices“, Friederike Hornauer. „Unser Sahnehäubchen kann heute leider nicht dabei sein“, bedauerte Winkler einleitend. Die Zuhörer erlebten mit „Farewell to the Rhonda“ und „Treat me doughter kindly“ einen flotten Auftakt, der sie sofort zum Mitklatschen animierte.

Sanfte Balladen wie „Ride on“, eines der Paradestücke von Simone Köhler, ausdrucksvoll gesungen und gezupft, oder „The town I loved so well“, mit dem sich Siggi Winkler erstmals stimmlich vors Publikum wagte, wurden immer wieder von flotten Pubsongs unterbrochen. Erwartet und gefordert wurde der Bogen zur heimischen Mundartfolklore. Winkler brachte von seiner neuen Mundart-CD die „Moritat vom Hölzerlips“. Ein Stück, das auch nachdenklich machte, weil in der Zeit um 1800 oft die Armut und der Hunger die Leute zum Diebstahl brachte.

Nach kurzer Umbaupause traten zwei neue Musiker an die Mikrofone: Heike und Rüdiger Mauelshagen. Sie hatten für diesen Abend zusammen mit Simone Köhler einige Stücke neu arrangiert, darunter auch weniger bekannte Lieder wie „Wayfaring stranger“. Dabei handelt es sich um einen Song, den auch schon Johnny Cash spielte. Von Heike Mauelshagen eindrucksvoll mit rauchiger Stimme gesungen, spendete das Publikum dafür langanhaltenden Beifall.

„The lark in the morning“ und „Spancill Hill“ waren rhythmische Songs, die von Rüdiger Mauelshagen temperamentvoll auf der Rahmentrommel Bodhran begleitet wurden. Er stand erstmals vor einem Publikum in dieser Größenordnung. Seine Frau Heike sorgte mit der Low Whistle für weniger bekannte Folktöne, maßgeschneidert für zwei Instrumentalstücke und als Zwischenspiel bei einer Ballade.

Ins letzte Drittel des Abends starteten wieder Simone Köhler und Siggi Winkler als Duo. Sie boten unter anderem neue Lieder wie „Kelly, the boy from Killane“ aus dem County Leinster, das von einem misslungenen Aufstand der Iren berichtete, die im Jahr 1798 eine Niederlage gegen die Engländer erfuhren. Überhaupt hatten die Musiker sehr viele historische Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Gepäck, die Geschichten aus dieser Zeit erzählten.

Zum Schluss standen alle vier gemeinsam auf der Bühne und sorgten für ein furioses Finale mit flotten Songs. „A tell me ma“ fehlt auf keinem Pubabend, „Haul away Joe“ war ein Shanty, der zum rhythmischen Mitklatschen animierte. Auf Zuruf folgten einige Mundartsongs, bevor der Abend mit „Whiskey in the Jar“ und, schon fast traditionell, mit der „Scholze Gräit“ gemeinsam beendet wurde. Wie sagte ein aus Reichelsheim angereister Gast: „Ein ganz besonderer und unvergesslicher Abend.“

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