Teilhabe und Inklusion verstärkt in den Fokus rücken

Der „Wegweiser für Menschen mit Behinderung“ erfährt eine Neuauflage und bekommt eine andere Bezeichnung. Die fünf Jahre alte Version bedurfte einer Überarbeitung, erläutert der zuständige Kreisbeigeordnete Karsten Krug, gleichzeitig auch Vorsitzender der Kreisteilhabekommission. In Zusammenarbeit mit verschiedenen ehrenamtlichen Gruppierungen aus dem Kreis Bergstraße will man möglichst bis Jahresende die neue Fassung unter Dach und Fach haben. Angedacht ist daneben eine Umbenennung in „Teilhabewegweiser“, um auch sprachlich den inhaltlichen Veränderungen Rechnung zu tragen.

Der Nieder-Liebersbacher Verein „WirDabei!“ kümmert sich dabei um die Koordination der ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe, die bereits vor einem halben Jahr schon einmal zusammenkam. Zwischen sechs und acht Personen von unterschiedlichen Verbänden sind involviert. Krug schaute beim zweiten Treffen vorbei, um sich über den Fortgang zu informieren und Vorschläge aufzunehmen. Abstimmung und Rückmeldung der weiteren Vorgehensweise waren dabei ebenso Thema wie auch die Zeitschiene. Der Wegweiser soll helfen, Benachteiligungen von behinderten Menschen entgegenzuwirken und diese zukünftig zu vermeiden.

„Die ehrenamtlichen Interessensvertreter haben ein ganz anderes Gespür dafür, was enthalten sein soll“, würdigte der Kreisbeigeordnete deren Arbeit. Die Lebenshilfe Lampertheim, der Behindertenbeauftrage aus Heppenheim, Vertreter des Behindertenbeirats Lampertheim, der Elterninitiative Handicap Rodau und des Beteiligungsforums Handicap Viernheim kamen im Rathaus zusammen. „Wir haben umfassend abgefragt“, sagte Krug. Allerdings ist die Arbeitsgruppe für weitere Rückmeldungen dankbar, wenn jemand nicht berücksichtigt oder angefragt wurde (siehe unten).

Im Raum stand laut Krug die Frage, inwieweit Infos zu jedem Rathaus im Kreis in den Wegweiser aufgenommen werden sollen. Denn viele öffentliche Einrichtungen, weiß er, „sind noch nicht barrierefrei“. Es wäre ein großer Aufwand, dies jeweils fürs Einzelobjekt abzuklären, erläuterte er. Hier kam man überein, die jeweilige Telefonnummer der Verwaltung anzugeben und eventuell mit Piktogrammen darauf hinzuweisen, in welchem baulichen Zustand die Rathäuser sind. „Es ist schwierig, jeweils einzeln die konkreten Infos abzubilden“, sagte Krug. Am sinnvollsten sei es für die Menschen mit Handicap, so der Tenor, sich telefonisch dort im Vorfeld zu informieren.

Barrierefreiheit spielt auch bei der Mobilität eine große Rolle. Die Wegweiser-Leser sollen Infos darüber erhalten, „welche Mitnahme-Möglichkeiten es gibt“, so Krug. Egal ob das jetzt für Rollstühle, Kinderwagen, Rollatoren, Fahrräder oder E-Scooter ist. „Manche Busse sind von vornherein gekennzeichnet“, weiß der Beigeordnete. Die Mitnahme von Rollstühlen ist der Regel problemlos möglich, wie die von E-Scootern aber wiederum eher grundsätzliche Probleme aufwirft. Im Schülerverkehr, erläuterte er, ist manchmal eine Mitnahme-Kapazität nicht vorhanden.

Selbsthilfegruppen für Drogen- oder Alkoholabhängige sowie für Betroffene mit Schlafapnoe sollen, eben weil es ein Teilhabewegweiser ist, ebenfalls kurz Erwähnung finden. Thematisiert wurde von den Ehrenamtlichen außerdem, dass es nur in wenigen Kreisorten Ansprechpartner für Behinderte gibt.

„Es ist wichtig, dass wir in der Gesellschaft Teilhabe und Inklusion verstärkt in den Fokus rücken“, hob Karsten Krug hervor. Ihm geht es darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, „dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann, damit Menschen mit Behinderung besser am täglichen Leben teilhaben können“. Der Kreisbeigeordnete will die Thematik auch immer wieder ansprechen und so im öffentlichen Bewusstsein halten.

Für die Betroffenen soll der Wegweiser insofern einen Mehrwert haben, „dass sie wissen, wo sie Informationen, Hilfe und Unterstützung bekommen“. Ganz wichtig sind Krug eine verständliche Sprache und kein Amtsdeutsch, um so die Nutzungsschwelle und Handhabbarkeit zu verbessern. „Wir möchten den besten Ansprechpartner für ein bestimmtes Thema nennen“, ist das Ziel. Dazu: Welche Beratungsstellen sind beim Kreis angesiedelt, wo gibt es rechtliche Infos und wer ist in den Behörden zuständig. Kurz: „Wer kann wen bei was beraten.“

Petra Thaidigsmann von „WirDabei!“ moderierte die Sitzung. Alle Teilnehmer der Runde gaben im Verlauf aus ihren Bereichen Rückmeldungen zu Inhalten des Teilhabewegweisers. Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen hierzu gebildet.

Info: Kreisbeigeordneter Karsten Krug, gleichzeitig Vorsitzender der Kreisteilhabekommission, ist für Anregungen unter Telefon 0 6252/15-5400 oder E-Mail buero.krug@kreis-bergstrasse.de erreichbar.

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