„Ideensammlung zugunsten der Natur“ am alten Sportplatz in Affolterbach

Als eine Art „Ideensammlung zugunsten der Natur“ bezeichnet Gerhard Ader das kürzliche Treffen des Vereins für ökologische Landwirtschaft Luna mit weiteren Gruppen, die sich im Überwald für die Umwelt einsetzen. Die beiden Nabu-Ortsgruppen Wald-Michelbach mit Margarethe Morper und Siedelsbrunn mit Alfred Wolf kamen auf Einladung von Luna ebenso wie die Mitglieder der Blühwieseninitiative um Alfons Schmitt nach Affolterbach, um sich zum einen näher kennenzulernen, zum anderen sich über zwei laufende Projekte informieren zu lassen.

„Es geht darum, nicht nebeneinander her zu schaffen“, ist laut den Initiatoren Hintergrund des gemeinsamen Brainstormings. Jeder soll über die Aktivitäten der anderen Initiativen informiert sein. Außerdem kann man vom Wissen und den Erfahrungen der anderen profitieren. Luna möchte der offenen Kulturlandschaft zu einer Renaissance verhelfen. Denn diese sei durch die intensive Landwirtschaft oftmals verschwunden.

„Wir wollen den Insekten wieder Futter und Lebensraum geben“, formuliert Ader den Hintergrund der Aktivitäten. Denn inzwischen hat das Insektensterben beängstigende Ausmaße angenommen – von bis zu 75 Prozent ist die Rede. Der alte Affolterbacher Sportplatz, am Ortsausgang Richtung Olfen im Wald gelegen, bietet sich für diesen Zweck an. Er wurde von der Gemeinde gepachtet. Das Gelände ist inzwischen völlig zugewuchert.

„Wir wollen sicher gehen, dass bei den Pflegemaßnahmen was Positives rauskommt“, betont der zweite Vorsitzende Heinz Trautmann. Deshalb steht man in intensivem Kontakt sowohl mit der unteren Naturschutzbehörde als auch mit Revierförster Stefan Aßmann. Ader kennt die Ecke noch gut von früher. Im Studium untersuchte er das Rote Wasser bei Olfen und hatte damals die Idee, auch die umliegenden Flächen zu kartographieren. Deshalb kann der Verein jetzt auf Material von damals zurückgreifen und erkennen, was in den vergangenen 40 Jahren gewachsen ist.

Luna will den alten Sportplatz „wieder auf Vordermann bringen“, sagt Kassenwart Jürgen Klieber. Das heißt, ihn wieder so aussehen zu lassen wie früher. Denn durch die Feuchtigkeit bildete sich im Laufe der Jahre eine Wiesenfläche und wuchsen Rohrpflanzen. Neben den Insekten könnten dort dann auch Vögel und Amphibien heimisch werden. Das in den vergangenen Jahren gewachsene Gebüsch mitsamt Bäumen wurde bei einem ersten Arbeitseinsatz „rausgezogen“.

Unter den 20 Anwesenden entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch über sinnvolle Maßnahmen. In sechs Wochen, wenn die Vegetation zu neuem Leben erwacht ist, soll ein weiteres Treffen stattfinden. Dann lässt sich besser erkennen, „was es an Pflanzen und Tieren gibt“. Auf jeden Fall attestiert Ader dem Gelände einen „halben Hektar mit großer biologischer Vielfalt“.

Der Vorsitzende sieht den alten Sportplatz als „Pilotprojekt“ an. Sonnentau und Torfmoose sollen dort wieder eine Heimat finden. Die Pflanzen brauchen allerdings freie Flächen. Da die Fläche verdohlt ist, will man außerdem daran gehen, das Wasser wieder an der Oberfläche zu halten, ergänzte Trautmann. „Die Natur ist schlauer als wir“: Die Aktiven möchten daneben ihre Lehren daraus ziehen, wie sich der Platz nach und nach entwickelt. Deshalb wird auch von Vegetations- zu Vegetationsperiode gearbeitet.

Auch ein zweites Luna-Projekt nahmen die Naturschutz-Aktivisten in Augenschein. Die Fläche zwischen Bahndamm und Ulfenbach wurde teilweise schon Jahrzehnte nicht mehr gemäht. „Dadurch ging dort die Artenvielfalt verloren“, bedauert Vorstandsmitglied Thomas Langer. Der Verein möchte auch hier wieder Lebensraum für die Tiere schaffen.

Info: Den Verein Luna gibt es inzwischen seit fünf Jahren. Die Mitgliederzahl bewegt sich auf die 100 zu. Aktuell werden etwa 20 Hektar nachhaltig bewirtschaftet. Projekt esind unter anderem der „Ulfenbachlehrpfad“ (die Konzeption eines Naturlehrpfads in Zusammenarbeit mit Geopark Bergstraße-Odenwald, UNB und Hessen Forst), die Flächenrückführung von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung zur extensiven Nutzung unter Verzicht von Gülleeinsatz sowie tierart- und tierbestandsorientierte Einzäunung der Flächen und Schaffung von artgerechten Weideplätzen. Mehr unter http://www.luna-kocherbach.de

Werbeanzeigen