Argentinische Schotten rocken das Café Central

Was für eine Show auf der Bühne des Café Central. Oben stehen fünf schwarz gekleidete muskulöse Mannen mit Schottenröcken, die jeder Celtic Rock Band Ehre machen würden. Was ins Publikum schallt, ist eine gelungene Mischung aus Folk-Elementen in Form von Dudelsack-Klängen, gepaart mit den schnellen Gitarren-Riffs des Heavy Metal. Aber nein, „Skiltron“ kommt nicht aus Schottland, sondern aus – Argentinien. Die Gruppe gehört zu den einflussreichsten Folk-Metal-Bands in Südamerika.

Allerdings hat sich der Ruf der 2004 gegründeten Truppe wohl noch nicht bis nach Weinheim herumgesprochen, auch wenn sie schon mehrfach beim größten Metal-Festival der Welt in Wacken zu Gast war. Es ging sehr gemütlich im Café Central zu. Das machte aber weder den Musikern noch den Besuchern was. Die feierten zusammen eine große Party. Daran merkt man eben die Profis, die sich auch von einer überschaubaren Anzahl an Köpfen nicht abschrecken lassen und ihr Ding durchziehen.

„Legacy of Blood“ heißt die aktuelle Scheibe des Quintetts, mit der es gerade durch Deutschland tourt und Ende Februar auch bei den „Wacken Winter Nights“ zu Gast war. Musikalisch zwischen Power-, Folk- und Mittelaltermetal angesiedelt, heizen die Songs auch den Kurpfälzern kräftig ein. Die lassen sich nicht lange bitten und gehen, teilweise auch mit Schottenröcken ausstaffiert, kräftig ab.

Bandgründer Emilio Souto (Gitarre, Gesang), Ignacio Lopez (Bass), Matias Pena (Schlagzeug), Pereg ar Bagol (Dudelsäcke) und Martin McManus (Gesang) würden sicherlich auch in Schottland gut als Originale durchgehen. Ebendort praktiziert die Band „Skerryvore“ diesen Musikstil mit Heavy-Gitarre und sogar zwei Dudelsäcken samt weiteren Folk-Instrumenten sehr erfolgreich und hatte im vergangenen Jahr bei „Folk am Neckar“ in Mosbach bereits einen umjubelten Auftritt. Dudelsack, verzerrter Sechssaiter, wummernder Bass, krachendes Schlagzeug und raue Rockröhre: Das hat was.

Die Argentinier, die es inzwischen nach Hamburg verschlagen hat, entführen mit Bagpipes und Tin Whistles melodiös in die metallischen Highlands des nördlichen Teils von Großbritannien. Auf „Highland Blood“ geht’s gleich in die Vollen, als gäbe es kein Morgen mehr. Dass die Band aber auch ganz zart und langsam kann, zeigt sie bei „Loyal we stand“ auf dem aktuellen Album. Fast schon eine Ballade. Die beste Musik ist aber nichts ohne die entsprechende Bühnenpräsenz. Und da macht dem Quintett keiner so schnell was vor. Das knallt, was da geboten wird.

Ein bisschen pathetisch darf es sein, dazu aber Stakkato-Riffs, filigrane Gitarrenarbeit, galoppierende Drums, flotte Basslinien, zusammen mit hymnischem, mächtigem Sound, alles sehr eingängig abgemischt: Die Exil-Südamerikaner sind auf jeden Fall einen Besuch wert und im Süden wohl noch eher ein Geheimtipp, während sie sich im Norden durch die Wacken-Auftritte schon eine Fanbase erspielt haben. „Bagpipes of War“ ist ein solcher Klassiker, der die ganze Bandbreite des musikalischen Schaffens beleuchtet.

Auf „Legacy Of Blood“ zeigt Skiltron die ganze Bandbreite von stark metallisch angehauchtem, E-Gitarren-Folk, in seinem Abwechslungsreichtum so vielfältig und facettenreich wie Schottlands: mit rauen windigen Anklängen, warmen grünen Hügeln, von einer leichten Brise umwehten Küstenstrichen, aber auch schroffen, vom Sturm umtosten Bergkuppen. Kraftvoll erklingen die Refrains, bei denen eindeutig auf Massentauglichkeit geachtet wird. Eben Celtic Rock mit allen seinen Facetten.

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