Wenn Oper auf Heavy Metal trifft: Imperial Age in der Music Hall Weiher

Was für eine Kombi: Die Spanier von „Sechem“ mit ihrem orientalisch angehauchten Metal, die deutsche Band „Molllust“ mit ihrem Mix aus Opernklängen und harter Rockmusik sowie schließlich der russische Headliner „Imperial Age“ mit Symphonic Metal, der von den klassischen Gesangs-Anklängen lebte. Alle drei waren zusammen in der Music Hall zu erleben und wurden von den Fans groß gefeiert. Die waren leider allerdings, wie öfters, wenn es sich um etwas unbekanntere Bands handelt, in nicht allzu großer Zahl erschienen.

„Molllust”, das Ensemble rund um die Bambergerin Janika Groß, vereint scheinbar widersprüchliche musikalische Spielarten und Sparten miteinander. Klavier und Kontrabass treffen auf ein wuchtiges Metal-Fundament aus E-Gitarren, Bass und Schlagzeug. Verzerrt und orchestral verbinden sich beide Welten mit viel Liebe zum Detail auf vielschichtige Weise. Der warme, dunkel gefärbte Sopran der Bandleaderin prägt den vollen, vielfältigen Klang des sogenannten „Opera Metal“

Neben Janika Groß stehen auch Frank Schumacher (Rhythm Guitar, Vocals), Lena Böhme (Lead Guitar), Imki Niemeier (Kontrabass) und Eric Böhme (Drums) auf der Bühne. Die Lieder, mal auf Deutsch, mal auf Englisch, leben von der fast theaterhaften Inszenierung und sind fast schon ein Schauspiel an sich, dominiert von der Bühnenpräsenz der Chefin im Ring. Sie steht mit ihrem Keyboard frontal auf der Bühne, verlässt ihren Platz an den Tasten aber ein ums andere Mal, um in Form einer Opernaufführung den Stücken eine besondere Theatralik zu geben.

Fasziniert von der Idee, die klassischen Wurzeln mit Metal zu verbinden, begann Groß 2005 erste Arrangements zu schreiben, begab sich 2009 auf Musikersuche und gründete schließlich im Januar 2010 „Molllust“. Seit November 2013 singt sie außerdem bei „Haggard“. „Voices of the Dead“, von dem es auch ein YouTube-Video gibt, ist eindeutig das eingängigste Lied im Repertoire. Treibende Rhythmen, eingängiger Refrain, verspielt, ungewöhnlich, bietet es einen so ganz anderen Blick aufs Genre. Zwischendurch aber präsentiert sich „Molllust“ ziemlich abgedreht, mit vertrackten Songstrukturen, manchmal auch außerhalb des normalen Melodienreigens – man mag es oder eben nicht.

Großes Vorbild dürfte die Finnin Tarja Turunen sein, die Nightwish mitbegründete. Sie singt aufgrund ihrer Ausbildung als klassische Sängerin Metalstücke grundsätzlich im klassischen Stil. Die Kombination von harten Gitarren und klassischem, „opernhaften“ Gesang begeisterte Ende der 1990er Jahre schnell sowohl Kritiker als auch Publikum und bescherte der Band eine Weltkarriere.

Deutlich eingängiger sind die Stücke der Russen von „Imperial Age“, die mit ihrem Album „The Legacy of Atlantis“ zum ersten Mal auf Headliner-Tour in der EU waren. Die Symphonic Metal Band kombiniert ihren Heavy Metal mit akademischen Chören sowie symphonischen Orchestern. Dabei entsteht eine Musik, die so klingt, als wenn Therion auf Nightwish, Rhapsody, Manowar und Avantasia trifft. Das Besondere ist der dreistimmige Gesang von Alexander Osipov, Jane Odintsova und Anna Moiseeva.

Paul Maryashin (Gitarre), Max Talion (Schlagzeug) und Dmitry Safronov (Bass) bilden die Rhythmus-Sektion, die für einen bombastischen Sound sorgt. Zusammen mit den vom Band eingespielten Keyboards – eine Unsitte, die derzeit auch bei „Beast in Black“ oder „Kamelot“ immer mehr um sich greift – macht die Moskauer Truppe eine Riesenstimmung. Da stehen Profis auf der Bühne, das merkt man gleich. Die Animation stimmt, auch wenn es mal nicht so viele Besucher sind.

Dazu kommen die zwei Sängerinnen als Blickfang für die männlichen Metal-Fans, während die Musiker bei ihrer Kleidung eher in Richtung traditionelle Kosaken-Kluft gehen. Paul Maryashin und Safronov sind fürs Headbangen zuständig: Man sieht mehr Haare als das Gesicht, so oft fliegen die braunen Mähnen durch die Gegend. Die Anklänge sind ziemlich deutlich herauszuhören: Die Mischung zwischen klassischem Gesang und Heavy Metal haben Bands wie „Therion“ oder „Arkona“ bereits perfektioniert.

Die Moskauer Gruppe macht ihre Sache sehr gut: Bombast-Balladen, melodische Gitarrensoli, sonore Tenor-Männerstimme, als Kontrast die klaren Frauen-Organe in Sopran und Mezzosopran, sphärische Klänge und hymnischer Gesang unterhalten die gut gelaunte Menge im Saal. Von dem 2012 gegründeten Sextett wird man sicher noch einiges hören.

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