Viele Lacher für die Streiche der „Kleinen Strolche“

Die „Kleinen Strolche“ sind Kult. Zumindest bei der Generation 40+, die noch ohne Smartphone und Internet aufgewachsen ist. Die Älteren können sich sogar noch an die Filme im Schwarz-Weiß-Fernsehen erinnern. Dass aber die Stummfilm-Streiche auch für die heutigen Kids nichts von ihrer Faszination verloren haben, ließ sich im evangelischen Gemeindehaus beobachten. Dorthin hatte die Kirchengemeinde zur Aufführung von drei Kurzfilmen eingeladen, die von Dekanatskantorin Han Kyoung Park-Oelert auf dem Klavier musikalisch umrahmt wurden – ganz wie früher, als die Filme vor 90 Jahren das erste Mal aufgeführt wurden.

Auch Pfarrerin Martina Beyer gehörte als Kind zu den Fans dieser Stummfilmreihe aus den 1920er Jahren, die später dann bis 1944 auch mit Ton fortgeführt wurde. Natürlich wuchs ebenfalls Han Kyoung Park-Oelert mit den Streifen auf, die ab 1967 bearbeitet ins deutsche Fernsehen kamen. Während ihres Studiums hatte sie die Idee, auf dem Klavier dazu zu improvisieren. „Meine Professorin fand es gut“, schmunzelte sie. Die führte es sogar an anderer Stelle dann fort.

Ein festes Konzept gibt es nicht, erläuterte die Kantorin. „Ich spiele zwei Takte und improvisiere dann je nach Reaktion des Publikums.“ Denn natürlich gibt es bei den Filmen viel Lachen und Klatschen, was sie wiederum in ihr Spiel aufnimmt. Eine Riesengaudi waren die Kurzfilme für die Kleinsten. Wenn sich Erwachsene zum Affen machen, irgendetwas schief geht, ein Tier komische Grimassen schneidet oder der Hund die Tabasco-Wurst frisst: Das ist für viele Kicherer und Lacher gut.

Die Filme haben aber außer dem Nonsens auch einen sozialkritischen Touch. Etwa in „The ol‘ grey hoss“, wenn sich der verschuldete alte Cab-Driver mit seiner Kutsche der Konkurrenz des modernen Taxis gegenüber sieht. Mal perlend, mal in moll eher traurig, begleitete Han Kyoung Park-Oelert je nach Stimmung das Geschehen. Pferd „Duke“ ist sowieso mit seinen Macken der Liebling. Gerade auf dem Land werden auf diese Weise Erinnerungen an die eigene Jugendzeit wach. Wie die Kinder versuchen, dem ehemaligen Feuerwehr-Chief zu helfen – natürlich mit Happyend -, hat schon etwas Rührendes.

Auch die „modernen“ Kids fiebern mit, wenn es um die berufliche Existenz des Cab-Drivers geht. Als Running Gag will der Kleinste, Bobby „Wheezer“ Hutchins, natürlich immer dabei sein („Ich will auch was tun“). Die Großen sind genervt. Also wie heutzutage auf dem Spielplatz. Steigt die Spannung, werden auch die Klaviertöne eindringlicher, um sich dann dem furiosen Finale zu nähern. Vorher geht natürlich alles schief, was schief gehen kann.

Die 25-minütige Stummfilmkomödie „Rainy Days“ ist Nonsens pur. Auch vor 90 Jahren bauten die Kleinen Mist, wenn es draußen regnet und ihnen langweilig ist. Hier geht’s nur darum, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit kaputtgehen zu lassen. Entsprechend heftig fällt das Gelächter nicht nur der Kinder aus, auch die Erwachsenen stimmen oft mit ein. Mit den einfachsten Mitteln wird Spaß erzeugt. Immer umrahmt von den einprägsamen Klaviertönen, die den Eindruck vermitteln, Ende der 1920er Jahre in einem Kinosaal zu sitzen. So dunkel wie es im Gemeindehaus ist, wäre die Illusion perfekt.

Produzent Hal Roach (1892–1992) kam die Idee zur Serie 1921, als er eine Kinderdarstellerin für einen seiner Filme begutachtete. Während die Kleinen damals in Filmrollen häufig eingesetzt wurden, um „schlaue“ oder altkluge Bemerkungen von sich zu geben, gelang es ihm und seinem Regisseur Robert McGowan, ein natürlicheres Verhalten einzufangen. Roach orientierte sich bei „Our Gang“, so der Origintaltitel“, am Alltagsleben: Viele der Kinder sind in den Filmen arm und müssen sich oft mit verwöhnten reichen Kindern, deren Eltern, rechthaberischen Erwachsenen und anderen Widrigkeiten auseinandersetzen.

Zu den der Serie ab Jahr 1927 (und somit auch in „Grey Hoss“ von 1928) gehörten der erst zweijährige Bobby „Wheezer“ Hutchins und Jean Darling. Mit Jay R. Smith und dem eher rüpeligen Harry Spear gab es zwei sommersprossige Darsteller. 1928 kam mit der draufgängerischen Mary Ann Jackson weitere Verstärkung hinzu. Zudem wurde eine neue Figur auf vier Pfoten eingeführt: Die Our-Gang-Kinder legten sich den Staffordshire-Terrier „Petey the Pit“ zu. Der Hund mit seinem mal ums linke, mal ums rechte Auge geschminkten schwarzen Ring wurde berühmt (und war auch in der Folge „Rainy Days“ als chaotischer, liebenswerter Unruhestifter dabei).

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