Siggi Winkler will Traditionen und Kulturgut „Mundart“ in den Liedern bewahren

Folk ist nicht nur per se irisch. Mundart-Songs gibt es schließlich auch im Odenwald. Sie gehörten von Anfang an zum Repertoire der „Irish Voices“. Die unternahmen in den vergangenen Jahren konsequent den Versuch, einen Bogen von der irischen zur heimischen Folklore zu spannen. Der Kopf dahinter ist Siggi Winkler aus Weiher, der dem Ourewällerischen in den Konzerten eine Stimme und ein Gesicht gibt. Seine gesammelten Werke hat er jetzt auf eine CD gepresst, die jetzt erhältlich ist.

Es finden sich Lieder darauf, die sich von „tief im Odenwald“ etwas unterscheiden, lächelt der ehemalige Förster. Wer Siggi Winkler kennt, weiß um seinen schwarzen Humor, der etwa in der „Jägerballade“ zum Ausdruck kommt. Witzig, aber auch bewusst mit „grenzwertigen“, ein wenig provozierenden Texten hat er seine eigenen Songs versehen. „Ich nehme mich selbst nicht immer ernst und kokettiere mit unserer Mundart“, beschreibt der 70-Jährige sein Schaffen.

Deren Erhalt und Pflege lag ihm als „Eingeborenen“, als Odenwälder, immer am Herzen. „Schon meine eigenen Kinder haben sie, geprägt durch die Schule, fast verlernt“, bedauert Winkler. „Viele alte Mundartwörter sind schon heute nur noch in der älteren Generation bekannt“, hat der Hobby-Musiker beobachtet. Aber es gibt eine kleine „Gemeinde“ von Freunden des einheimischen Wortguts, die dagegen steuert und versucht, die Traditionen und das Kulturgut „Mundart“ zu bewahren: die „Mundartfreunde Südhessen“ (www.gebabbel-suedhessen.de), die sich mit viel Energie und Aktionen das Ourewällerisch und die südhessische Mundart hochhalten, weiß er.

Vor etwa zehn Jahren presste Siggi Winkler bereits eine Sammlung von eigenen und gecoverten Mundartliedern auf eine erste selbstgebastelte CD. Die wurde zum Teil im Wohnzimmer aufgenommen, teilweise auch schon in einem kleinen Studio in Weiher. Unterstützung kam durch den inzwischen leider schon verstorbenen Musiklehrer Jürgen Krohn aus Weinheim.

„Jetzt hat sich wieder eine Menge neuer Lieder angestaut“, lacht der Weiherer. Auf die Inhalte der Songs kam er oft durch Erlebnisse in der Jugend. So findet etwa ein Schlachtfest auf dem Bauernhof Aufnahme, „wie ich es noch erlebt habe“. Mit Verkostung der „warmen Blutwurst“ oder der „Schwarzen Brühe“, auch Schweinepfeffer, genannt, einer Mischung aus Blut, Mehl, Wurstsuppe und Gewürzen. In Löhrbach half Winkler in den 1970er Jahren gelegentlich dem „Dorfmetzger“ Ernst Follert auf dem Hof aus, berichtet er

Der „Hundeknoddelsong“ befasst sich mit einem allseits bekannten Problem auf den Gehsteigen dieser Republik, übelriechenden Tretminen, mit denen jeder schon einmal unfreiwillig Bekanntschaft gemacht hat. „Iss de Gerd doo..?“ beschreibt die authentische Geschichte auf einem Birkenauer Bauernhof, wo ein bösartiger Hahn ein unerwartetes Ende findet. Andere Lieder beruhen auf Fragmenten irischer Melodien, aufgepeppt mit eigenen Texten, schildert er deren Entstehung.

Charles Aznavours Ballade „Du lässt Dich geh‘n“ diente dem Mundart-Musikus als Vorlage zu „Ich sauf disch schäi…“. Dahinter verbirgt sich eine etwas boshafte Parodie, schmunzelt er. Die Idee für „Ich bin in Ourewäller“ entstand nach einer Tasse, die Siggi Winkler in Obermumbach im kleinen Kreativladen „Zebrafink“ kaufte. Dort hat Sonja Stein ein Trinkgefäß mit „Odenwälder Schimpfnamen“ selbst kreiert. Namen wie „ Schnoogerippche“, „Huschdeguzel“, „Krawallschachdl“, Veewaadschdiggl“, „Babbsack“, „Siiesmaulweiwer“ und „Brieehingl“ wurden in eine Geschichte gepackt.

Ein Beispiel, dass dem Pensionär auch sehr Ernsthaftes am Herzen liegt, ist der Schlusssong „Sie kamen leise in der Nacht“. Ein Lied mit sozialkritischem Text, das zum Nachdenken anregen soll. Es fällt klar aus dem Rahmen dieser kleinen „Hobby-CD“, erläutert Winkler. „Dieser Song geht nur auf Hochdeutsch.“

Überhaupt geht es ihm primär um die Texte, erzählt er. Daher begleitet er sich – bis auf einen „Bonustrack“ mit etwas Bass und anderen Instrumenten im Hintergrund – bewusst nur auf der zwölfsaitigen Gitarre. Die Verständlichkeit „war mein Ziel bei der Produktion in einem kleinen Weinheimer Studio.“ Gelegentliche Passagen auf Hochdeutsch erleichtern auch für Auswärtige eine Identifikation mit den Songs.

Die CD wird nicht verkauft, sagt Siggi Winkler. Die Gründe dafür sind seinen Worten zufolge in den Gema-Statuten zu suchen. Der Silberling ist nur für den privaten Gebrauch bestimmt und wird in kleiner Stückzahl produziert. Die CD wird verschenkt und bei den Konzerten der „Irish Voices“ gegen einen freiwilligen Obolus weitergegeben. „Sie ist als Hobby zu sehen und soll Mundartlieder auch für die Nachwelt erhalten“, hebt er hervor.

Info: Wenn die „Irish Voices“ auftreten, gibt es auch immer mal wieder einen Song auf „Ourewällerisch“ zu hören. „Irish Folk bleibt aber unsere Kernkompetenz“, betont Siggi Winkler. Wie unter anderem beim Konzert am St. Patrick’s Day am Samstag, 16. März, in Weiher im Gasthaus „Zur Mühle“. Reservierung unter 06209-1634. Mehr auf the-irish-voices.jimdofree.com oder unter E-Mail siggi.winkler@web.de.

 

Werbeanzeigen