Steeldart-Turnier der SG Wald-Michelbach war eine Spitze(n)-Sache

Voller Erfolg für die SG-Fußballer: Das zweite Steeldart-Turnier nach dem System „301 Double out“ war nicht nur mit 56 Startern sehr gut besetzt, sondern zog auch viele Interessierte dieser Sportart bei ungemütlichem Wetter ins Sportlerheim. Parallel lief die Darts-WM im Londoner Alexandra Palace, auch „Ally Pally“ genannt, auf der Leinwand, wo man den Profi-Cracks bei ihren Würfen zuschauen konnte. Durch sie war die Idee aufgekommen, zeitgleich ein Amateur-Turnier in Wald-Michelbach zu veranstalten. Sieger war dieses Mal Michael Ginader aus Bonsweiher.

Dieser, als E-Dart-Spieler in Kirschhausen „vorbelastet“, gewann das Turnier souverän. Er steigerte sich von Spiel zu Spiel. Sein einziges Leg verlor er im Viertelfinale, was ihn knapp an eine Niederlage brachte. „Konstant um die 100 Leute“ beobachtete SG-Fußballer Dimitri Loenko. Er hatte vor einiger Zeit die traditionsreiche Darts-WM in der britischen Hauptstadt besucht und von dort die Überlegung in den Überwald mitgebracht. „Steel Dart ist richtiges Dart“, schmunzelte er. „Das hat was Uriges durch die Metallspitze“. Und damit den Charakter „wie früher in der Kneipe“.

Auf fünf Scheiben durften die Teilnehmer, unter denen viele Fuß- und Handballer aus der Region an den Start gingen, zielen. „Weder Alter noch Fitness sind bei diesem Gesellschaftssport wichtig“, stellte Organisator Loenko heraus. „Wir wollten als Attraktion mal etwas anderes bieten.“ Was auch sehr gut angenommen wurde: Von elf bis 65 Jahren waren die Starter alt. Natürlich half dabei auch der Hype um die Darts-WM. Nach Regelkunde und Übungen wurde um 17 Uhr gestartet, Schluss war m 1.30 Uhr.

Gespielt wurde im Vereinsheim in der Gruppenphase nach dem System 301 „Double out“ im Doppel-K.o.-System. Ab dem Achtelfinale hieß es dann 501 Double out. Viele Teilnehmer, die aus dem gesamten Überwald und darüber hinaus nach Wald-Michelbach kamen, hatten ihre eigenen Pfeile mitgebracht. Auch aus Bonsweiher oder Lorsch kamen die Dart-Fans angefahren. Zehn Sets hielt die SG zur Ausleihe bereit, was sehr gut nachgefragt wurde. „Es gingen nur Amateure an den Start“, meinte Loenko. Aber die lieferten sich seiner Beobachtung nach sehr gute Spiele.

„Das Turnier war sehr schnell ausgebucht“, freute er sich. „Wir werden es auf jeden Fall wieder veranstalten.“ Allerdings ist noch nicht klar, in welchem Rahmen, denn durch die hohe Starterzahl stießen die Organisatoren an ihre Kapazitätsgrenzen. Das Doppel-K.o.-System sorgte dafür, dass eine Niederlage nicht zum sofortigen Ausscheiden führte. Selbst wer im Halbfinale den Kürzeren zieht, kann über den Umweg der Verliererrunde noch einmal aufschließen und gewinnen.

Gibt’s denn einen Trick, wie es man als Dart-Neuling schnell lernt, die Triple-20 mit ihren 60 Punkten, also den äußeren Ring ganz oben, zu treffen? Oder den roten Kreis in der Mitte, der 50 Punkte bedeutet? „Die Devise heißt Übung, Übung, Übung“, wissen die Dart-Cracks. Einen besonderen Kniff gibt es nicht. Der Odenwald ist beim Steel-Dart eher das Reich der Amateure. Dart-Ligen gibt es erst wieder im Bereich Walldorf oder Darmstadt.

Dort ist dann auch eher E-Dart (Automatendart) angesagt. Die traditionelle Variante mit Stahlpfeilen ist den Turnieren vorbehalten, wie auch in Ober-Hainbrunn am Vortag eines vom dortigen Dartclub „Double Trouble“ veranstaltet wurde. Aber es gibt auch einen ganz profanen finanziellen Grund. Eine Steeldart-Scheibe kostet 45 Euro. Ein Automat, bei dem die Darts eine Spitze aus Kunststoff haben müssen und höchstens 18 Gramm wiegen dürfen, kostet 800 Euro.

Die Kunst beim 301 oder 501 Double out ist denn auch nicht nur, möglichst viele Punkte zu holen. Klar sind die nützlich, um von der 301 Richtung 0 zu kommen. Das Spiel dauert aber so lange, bis ein Akteur keinen einzigen Zähler mehr hat. Doch beendet werden muss die Partie zielgenau. Wer zum Schluss noch einen Punkt übrig hat, kann nicht beenden. Das ginge höchstens noch mit einer „Double 1“. Womit noch zwei Punkte als Rest vorhanden sein müssten.

Bei den Stahlpfeilen sind der Abwechslung keine Grenzen gesetzt. Von ganz leichten, 18 Gramm schweren, bis hin zu 50-Gramm-Trümmern ist alles dabei. Jeder Spieler schwört auf seine ganz eigenen Exemplare. Große Unterschiede gibt es bei der Wurfpraxis. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass ein Fuß an den Abwurfbalken muss. Ob aber spitz, schräg oder waagrecht, ist egal. Schulter und Arm sollen in eine Richtung zeigen. Aber auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Die Richtung halten ist das A und O beim Wurf. Viel zu oft verlieren Spieler die Balance und schießen den Pfeil an die falsche Stelle. Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass der rote Punkt in der Mitte, das „Bulls Eye“, die meisten Punkte bringt. Zwar gibt es dafür 50 Zähler, aber die „Triple 20“ genauso wie Triple 19, 18 und 17 bedeuten mehr. Immerhin taugt der Mittelpunkt dazu, das Spiel beenden zu können. Das ist beim Double out sonst nur mit den außen liegenden Doppelfeldern im Metallring möglich.

Das „Ally Pally“ ist seit Ende 2007 jährlicher Austragungsort der PDC-Dartsweltmeisterschaft. Damit setzte sich die lange Tradition der Turniere im Palace fort, in dem unter anderem bis 1990 das „News of the World Darts Tournament“, das älteste Dartsturnier der Welt, ausgetragen wurde.

Ergebnisse Dart-Turnier SG Wald-Michelbach: Sieger Michael Ginader vor Marko Brenneis und Vorjahresgewinner Vitali Loenko aus Wald-Michelbach. Höchster Wurf: Marco Fitzer (mit 144 ausgecheckt)

 

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